
Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder, die im bäuerlichen Umfeld geboren wurden und dort aufwachsen, zu einem hohen Prozentsatz vor Asthma, Allergien und Neurodermitis geschützt sind. Besonders positiv wirkt sich der Rinderstall aus. Die dort vorhandenen speziellen Bakterien und deren Bestandteile sind wichtige Schutzfaktoren. Forscher*innen sind nun der Frage nachgegangen, ob es einen Schlüsselfaktor gibt, der für die antiallergischen Eigenschaften der Rinderställe und Kuhmilch verantwortlich ist - und fanden ein essenzielles Protein.
Rinderställe wirken sich besonders positiv aus
Das Leben am Bauernhof, verbunden mit Kontakten zu unterschiedlichen Mikroben und deren Bestandteilen in Stallluft, Heu, Staub und Einstreu tragen zum Schutz vor Alelrgien bei. Besonders positiv wirken sich Kuhställe aus. Um sie herum dürfte es eine Art Allergie-Schutzglocke (bis zu einem Radius von etwa 300 Metern) geben. Zudem scheint das Trinken von unverarbeiteter, natürlicher Rohmilch das Allergierisiko zu senken.
Eine Forschungsgruppe vom Messerli Forschungsinstitut Wien hatte in früheren Untersuchungen herausgefunden, dass das Milchprotein Beta-Lactoglobulin (BLG) eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Allergien spielt: BLG macht einen großen Teil des Eiweißes der Molke aus und erfüllt eine Trägerfunktion für Mikronährstoffe wie Eisen, Vitamine und Fettsäuren. Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass BLG das Immunsystems beruhigt, sobald es mit Mikronährstoffen (Eisen, Zink, Vitamin A) komplexiert ist. Ansonsten kann es Allergien auslösen.
Milchprotein im Stallstaub nachweisbar
Die Forscher*innen fanden heraus: BLG war in großer Menge im Stallstaub hauptsächlich von Rinderställen nachweisbar, und wurde von dort sogar bis in die Betten der Bewohner getragen. Wird diese Stallluft eingeatmet, gelangt BLG in den Körper. Detaillierte Untersuchungen zeigten zudem, dass BLG im Stallstaub an Zink gebunden ist. Bei Zink handelt es sich um ein Element, welches im Immunsystem einige wichtige Rolle spielt.
„Wir vermuteten, dass die Verteilung von BLG dem Schutzglocken-Muster folgt“, erklärt die Immunologin und Ernährungswissenschaftlerin Isabella Pali-Schöll, „und haben daher an verschiedenen Standorten um einen Kuhstall herum Luft über Filter angesaugt, und die gesammelten Proben auf das Protein untersucht. Tatsächlich konnten wir es in abfallender Konzentration bis fast 300 Meter um den Stall herum messen“.
Wie gelangt das ansonsten aus der Milch bekannte Protein in derart großen Mengen in den Stallstaub? Um dieser Frage nachzugehen, sammelten die Wissenschafter*innen Urinproben von Rindern und analysierten diese. Tatsächlich konnte BLG im Rinderurin, sowohl bei weiblichen als auch männlichen Tieren, nachgewiesen werden. Um den antiallergischen Effekt von Beta-Lactoglobulin abzubilden, verabreichten die Expert*innen Mäusen Kuhstallstaub in Form von Nasentropfen. Enthielt der Staub BLG, wurde die Allergieantwort der Nager unterdrückt. Hingegen konnte BLG-freier Staub eine allergische Immunantwort nicht verhindern.
Der Schutzeffekt zeigte sich nicht nur gegenüber dem Milchallergen, sondern auch gegenüber einem Allergen aus der Birke. Demnach handele es sich um einen allgemeinen Schutzeffekt, unabhängig gegen welches Allergen.
Die Ergebnisse tragen dazu bei, die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Anwendung bei allergischen Patient*innen zu bringen. Weitere Forschung soll nun die unterschiedlichen Einflussfaktoren prüfen: Möglicherweise entscheiden die Haltungsbedingungen, der Stress- und Gesundheitszustand sowie die Fütterung der Rinder darüber, ob das Milchprotein seinen Beitrag zum Schutz vor Allergien und Asthma leisten kann.
Quelle: Pressemitteilung/Vetmeduni Wien


