
Die Immuntherapie mit CAR-T-Zellen hat sich für die Behandlung bei Leukämien und Lymphomen etabliert. Ein internationales Forscherteam hat die Ursachen der Sterblichkeit nach der CAR-T-Therapie analysiert, die nicht auf einem Rückfall des behandelten Tumors beruhen:
Der häufigste Grund sind schwere Infektionen – und nicht, wie gedacht, CAR-T-spezifische Nebenwirkungen wie der Zytokinsturm oder schwere neurologische Symptome.
Metaanalyse mit rund 7600 Patient*innen
Die Forschenden fanden in der Metaanalyse insgesamt 46 Studien, in denen über CAR-T-Therapien von über 7.600 Patient*innen mit verschiedenen Leukämien und Lymphomen berichtet wurde. Von 574 gemeldeten Todesfällen, die nicht mit dem Rückfall des behandelten Krebses assoziiert waren, waren lediglich 8 Prozent auf sekundäre Tumore zurückzuführen.
Dass die CAR-T-Therapie diese Tumoren direkt auslöst, hält Studienleiter Dr. Kai Rejeski für „unwahrscheinlich“. Denn erstens haben alle CAR-T-behandelten Patient*innen zuvor mehrere Chemotherapien und andere Therapien erhalten, die krebsverursachend sein können. Zweitens seien Leukämie- und Lymphom-Patient*innen meist älter. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sie bereits unabhängig von den verabreichten Therapien einen anderen Krebs entwickeln. Und drittens sind die verlängerten Überlebenszeiten dank der CAR-T-Therapie Segen und Fluch zugleich. „Wer länger lebt“, sagt Rejeski, „hat leider auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Sekundärtumor.“
Häufigste Todesursachen
- 7 Prozent der dokumentierten Todesfälle nach CAR-T sind auf schwere Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen zurückzuführen.
- 11,5 Prozent auf die typischen CAR-T-Nebenwirkungen wie Zytokinsturm oder schwere neurologische Symptome.
- Über 50 Prozent auf Infektionen.
Das Augenmerk müsse zukünftig darauf liegen, Infektionen vorzubeugen, sie frühzeitig zu erkennen und in Studien präziser zu beschreiben, so Rejeski.
Sterblichkeit abhängig vom Tumor
Zudem zeigte sich: Die nicht-rückfallbedingte Sterblichkeit nach CAR-T-Therapie ist abhängig von der Art des behandelten Tumors. Sie ist mit über 10 Prozent am höchsten beim Mantelzell-Lymphom und am niedrigsten mit gut 5 Prozent bei indolenten Lymphomen.
Mit einer speziellen Analysemethode fand das Team heraus: „Die CAR-T-Produkte unterschiedlicher Hersteller sind mit einer unterschiedlich hohen Sterblichkeit assoziiert“, sagt Rejeski. Nun gibt die Art der Studie nicht her, dass ein spezifisches Produkt wirklich ein höheres Risiko für eine tödliche Nebenwirkung verursacht – das kann nur eine sogenannte randomisierte verblindete Studie. „Aber es ist ein Hinweis, der Ärzte veranlassen könnte, bei zwei gleich effektiven Produkten für die CAR-T-Therapie eines bestimmten Tumors das mit der niedrigeren Sterblichkeit zu wählen.“
Unterm Strich steht für Rejeski aber fest: „Der Nutzen der CAR-T-Therapie überwiegt die Risiken bei Weitem. Dennoch müssen wir uns intensiv mit ihnen beschäftigen, um die Ergebnisse für unsere Patienten kontinuierlich zu verbessern.“
Quelle: LMU Klinikum


