WeltnichtrauchertagEigene Willenskraft ausschlaggebend für Rauchstopp

Welche Methoden zur Rauchentwöhnung genutzt werden und ehemaligen Raucher*innen am besten geholfen haben, hat Suchtforscher Prof. Heino Stöver untersucht.

Kalender auf dem "ab heute rauchfrei" steht und eine durchgebrochene Zigarette liegt.
K.Oborny/Thieme
Über 90 Prozent der Teilnehmer*innen gaben an, mindestens einmal versucht zu haben, mit dem Rauchen aufzuhören.

Der Rückgang der Raucher*innen ist in Deutschland ins Stocken geraten: Während die Zahl jugendlicher Raucher*innen bis 2022 jährlich einen historischen Tiefstand erreicht, bleibt die Rauchprävalenz im mittleren und höheren Erwachsenenalter stabil oder steigt sogar an.

„Dieser Trend ist besorgniserregend, denn Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko der Deutschen. Umso wichtiger ist es, mehr über dieses Thema zu sprechen, zu forschen und zu debattieren“, betont Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftler*innen untersuchte Stöver in der sogenannten Rauchstopp-Studie (RauS), welche Mittel und Methoden zur Rauchentwöhnung angewandt werden und inwiefern sie wirklich hilfreich sind. Durch die im Zuge der Studie durchgeführte Online-Befragung konnten insgesamt 6192 Stichproben von aktuellen und ehemaligen Raucher*innen erhoben werden.

Rauchstopp: Teilnehmer*innen benötigten mehrere Versuche

„93 Prozent der Studien-Teilnehmenden gaben an, mindestens einen Versuch unternommen zu haben, mit dem Rauchen aufzuhören. Im Schnitt benötigten die Befragten knapp vier ernsthafte Rauchstopp-Versuche bis zum Erfolg. 61 Prozent der Teilnehmenden nannten die eigene Willenskraft neben dem Wechsel zur E-Zigarette als die Rauchstopp-Maßnahme Nummer 1. Sie wird gleichzeitig auch als am hilfreichsten bewertet“, erklärt Stöver.

Aus den Studienergebnissen lässt sich ablesen, dass ärztliche oder telefonische Beratung, Einzel- oder Gruppentherapien, Nikotinersatztherapie mit Kaugummi oder Pflastern oder eine medikamentengestützte Behandlung nur bei einem kleinen Teil der Rauchstopp-Versuche angewendet werden.

Stöver ergänzt: „Gerade unter den eher wenig genutzten Rauchstopp-Methoden fällt auf, dass Apps und Websites sowie Ortswechsel vergleichsweise gut bewertet werden – hier existiert möglicherweise ein Potenzial, das stärker genutzt werden könnte.“

Ähnliches zeige sich für Ersatzrituale oder individuelle Methoden: neben der Verwendung von häufig genannten Kaugummis sowie diversen essbaren Dingen wie Bonbons oder Lutschpastillen gaben die Befragten eine Vielzahl von Möglichkeiten an, mit denen sie sich im Zuge ihres Rauchstopp-Versuchs alternativ beschäftigten bzw. aktuell beschäftigen.

Motivatoren und Hindernisse sind vielfältig

„Neben unangenehmen Begleiterscheinungen wie schlechtem Geruch spielt das Thema Gesundheit die mit Abstand dominierende Rolle. Eigene Erkrankungen, die nichts mit dem Rauchen zu tun haben, werden oftmals als Startpunkt für Rauchstopp-Versuche genutzt“, so der Suchtexperte weiter. „Sie erhöhen das Bewusstsein um mögliche Schäden und Regeneration, um konkrete eigene gesundheitliche Probleme oder solche im engeren Umfeld. Auch Verantwortung für eigene Kinder, angefangen mit Schwangerschaften, später in Form einer Vorbildfunktion, ist für viele Raucherinnen und Raucher eine wichtige Motivation für den Rauchstopp. An dieser Stelle sollten Präventions- oder Ausstiegsprogramme für Rauchstopp-Willige ansetzen.“

„Neben den Faktoren, die den Rauchstopp positiv beeinflussen, gibt es jedoch auch Probleme und Hindernisse, auf die Raucherinnen und Raucher bei ihrem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, stoßen. Eine Vielzahl dieser Hemmnisse geht auf bestimmte, mit dem Rauchen verbundene Rituale zurück, die auch gesellschaftliche Aspekte einbeziehen“, so der Suchtexperte.

Konkrete Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit und Unruhe, erhöhter Appetit, Konzentrationsschwäche, Schlafprobleme oder Kopfschmerzen seien, so das Ergebnis der Studie, weniger ausschlaggebend.

Quelle: Frankfurt University of Applied Sciences