ImmunsystemImmunschwäche nach Schlaganfall und Herzinfarkt

Ein Forschungsteam hat eine bisher unbekannte Ursache für die Immunschwäche nach Schlaganfällen und Herzinfarkten entdeckt und einen Therapieansatz entwickelt.

Illustration: Mann hält sich das Herz
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Etwa 250.000 bis 300.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Immunolog*innen ist es gelungen, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Schlaganfall, Herzinfarkt und Immundefekt nachzuweisen. Zudem konnten sie einen neuen Behandlungsansatz aufzeigen.

Das Forschungsteam konnte zeigen, dass bei Menschen ein bis drei Tage nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt die Menge der IgA-Antikörper im Blut drastisch abnimmt – diese sind unverzichtbar für die Infektionsabwehr.

Mechanismus hinter dem Antikörperverlust

Um dem Mechanismus hinter dem Verlust der Antikörper auf die Spur zu kommen griffen die Forschenden auf Maus-Modelle zurück. Auch bei Mäusen kam es nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu einem Verlust von IgA im Blut und Stuhl.

Die Forschenden fanden heraus, dass DNA-Fasern ein bisher unbekannter Faktor für den Verlust der Immunabwehr sind. Diese als Neutrophil Extracellular Traps (NETs) bezeichneten DNA-Fasern stammen aus den Zellkernen einer anderen Immunzellart, den Neutrophilen. NETs werden nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt von stark aktivierten Neutrophilen in großer Menge ins Blut abgegeben und können die Plasmazellen im Darm direkt abtöten.

Ein vermutlich noch wichtigerer Effekt der NETs ist die Bildung von hunderten kleinen Gerinnseln in den Blutgefäßen, die die Plasmazellen im Darm versorgen. Dadurch kommt es zu einer mangelnden Versorgung und die Ig-bildenden Zellen sterben in großer Zahl ab.

Neuer Behandlungsansatz

Die Immunologen konnten auch einen neuen Behandlungsansatz aufzeigen: Wurden die NETs mit dem Enzym DNase zerstört oder ihre Freisetzung durch eine Substanz mit einem neuartigen Wirkprinzip verhindert, blieb die Immunabwehr intakt. Das konnten die Forschenden sowohl am Mausmodell als auch – im Fall der DNase – in späteren klinischen Studien nachweisen.

„Bislang konnten keine Therapieansätze entwickelt werden, weil die Ursache für die Immunschwäche unklar war. Eine Behandlung, die die NETs abbaut oder gar ihre Bildung von vorneherein verhindert, könnte ein vielversprechender neuer Ansatz sein, um die Immunabwehr bei Patient*innen nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erhalten. Möglicherweise lassen sich so schwere Folgeerkrankungen oder gar Todesfälle verhindern“, so Prof. Matthias Gunzer vom UK Essen.

Ausblick: Neuer Therapieansatz

Die Entdeckung dieser bisher unbekannten Ursache für die Immunschwäche nach Schlaganfall oder Herzinfarkt eröffnet neue Möglichkeiten für die Therapie: Das Forschungsteam konnte zeigen, dass die Zerstörung von NETs oder die Hemmung ihrer Freisetzung die Immunabwehr intakt halten können.

Der neue Therapieansatz könnte schwere Folgeerkrankungen oder sogar Todesfälle bei Patient*innen nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt verhindern.

Quelle: Universität Duisburg Essen