AlkoholHöheres Alkohol-Mindestalter verbessert Lernen und Psyche

Züricher Studie zeigt: Ein höheres Mindestalter für Alkohol senkt den Konsum und steigert die schulischen Leistungen bei Jugendlichen.  

Aus einer Flasche wird Wein in ein Glas eingeschenkt. Im Hintergrund sind weitere befüllte Weingläser zu sehen.
K.Oborny/Thieme
Jugendliche trinken deutlich weniger Alkohol, wenn das Mindestalter für Alkoholkonsum erhöht wird.

Trotz eines rückläufigen Trends ist Alkoholkonsum unter europäischen Teenagern im internationalen Vergleich weiterhin auffallend hoch: Fast die Hälfte der 15- bis 16-Jährigen gibt in der Europäischen Schulbefragung an, im vergangenen Monat Alkohol konsumiert zu haben. Rund 30 % berichten von exzessivem Trinken. 

Umfangreiche Analyse spanischer Alkoholreformen

In ihrer Studie untersuchte Carmen Villa von der Universität Zürich, wie sich die Anhebung des Mindestalters für den Alkoholkonsum von 16 auf 18 Jahre auf die schulischen Leistungen und die psychische Gesundheit von Jugendlichen auswirkt.

Dafür betrachteten die Autor*innen 4 spanische Regionen, die in den letzten 20 Jahren ihre Alkoholgesetze verschärft haben. Diese Reformen umfassten in der Regel:

  • ein höheres Mindestalter für den Konsum, 
  • strengere Verkaufsregeln und 
  • neue Werbevorgaben.

Da die Reformen in unterschiedlichen Regionen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt wurden, konnten die Forschenden das Verhalten von Jugendlichen vor und nach den Änderungen vergleichen. Grundlage der Analyse waren Daten von rund 250.000 Schüler*innen, 180.000 PISA-Teilnehmenden und 600.000 Personen aus der Volkszählung 2021.

Weniger Alkohol, mehr Lernerfolg

  • Nach einer Verschärfung der Alkoholgesetze sank die Wahrscheinlichkeit, dass sich Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren im Vormonat betrunken haben, um 7 - 17 %.
  • Das Rauschtrinken ging um 14 % zurück.

“Diese Effekte traten sowohl in den Selbstauskünften als auch in den Angaben zum Trinkverhalten von Freund*innen auf, was auf tatsächliche Verhaltensänderungen hindeutet”, erklärt Carmen Villa.

Der Rückgang von Rauschtrinken und Alkoholvergiftungen führte zudem zu erheblichen Bildungsgewinnen: Schüler*innen, für die ein höheres Mindestalter für den Alkoholkonsum galt, erzielten bei den PISA-Prüfungen um 4 % bessere Ergebnisse. Dies entspricht etwa 2 zusätzlichen Monaten Schulbildung. Diese Verbesserung deckt sich mit Erkenntnissen der medizinischen Fachliteratur. Demnach beeinträchtigt Alkohol die kognitive Entwicklung während der Adoleszenz, einer Lebensphase, in der das Gehirn besonders empfindlich auf seine Wirkungen reagiert.

Bessere psychische Gesundheit

  • Auch die psychische Gesundheit verbesserte sich in jenen Regionen, in denen das gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum angehoben wurde.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche Medikamente gegen Angstzustände und Schlaflosigkeit einnahmen, war um 10 % geringer.

“Unsere Ergebnisse weisen auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und psychischer Gesundheit hin und decken sich mit bestehenden medizinischen Erkenntnissen”, sagt Villa. Bemerkenswert ist, dass diese Vorteile ohne Veränderungen anderer Verhaltensweisen eintraten. Die Zeit, die die Jugendlichen für Lernen, soziale Aktivitäten, Internetnutzung oder Sport aufwandten, blieb unverändert. Ebenso ersetzten sie Alkohol nicht durch andere Substanzen wie Cannabis oder Zigaretten.

“Dieses Muster deutet darauf hin, dass die beobachteten akademischen Verbesserungen direkt auf die neurokognitiven Effekte von Alkohol zurückzuführen sind und nicht auf indirekte Veränderungen des Lebensstils”, so Villa.

Potenzial für die Schweiz

Die Studienergebnisse sind auch für die Schweiz von Bedeutung, in der 16-Jährige legal Bier und Wein konsumieren dürfen und die Trinkquote unter Jugendlichen über dem EU-Durchschnitt liegt. Die Befunde aus Spanien legen nahe, dass strengere Altersgrenzen pädagogische Vorteile haben könnten. “Eine Erhöhung des Mindestalters für den Alkoholkonsum ist ein kosteneffizientes Instrument, um die kognitive Entwicklung von Jugendlichen zu fördern”, sagt Villa.

Quelle: Universität Zürich