KneippKneipp-Kitas: Weniger Fehltage durch Kneippen?

Kneipp-Kitas haben gute Erfahrungen mit Kneipp'scher Hydrotherapie zur Gesundheitsförderung. Nun sollen wissenschaftlich belastbare Daten gesammelt werden.

Zwei Kinder beim Wassertreten in Berglandschaft
MNStudio/stock.adobe.com; posed by models
Wassertreten ist eine beliebte Anwendungsform der Kneipp'schen Hydrotherapie.

Seit Jahrzehnten schwören einige Kindertagesstätten in Deutschland auf das Konzept der Hydrotherapie nach Kneipp als gesundheitsfördernde Maßnahme. Nun sollen neben positiven Erfahrungsberichten wissenschaftlich belastbare Daten gesammelt werden. 

In der Beobachtungsstudie mit 240 Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren wird in Berliner Kitas das Kneipp-Konzept in den Kita-Alltag integriert. Dabei sollen die Effekte insbesondere der Wasseranwendungen auf Infektanfälligkeit, Stressempfinden, Lebensqualität und Stimmung bei den Klein- und Vorschulkindern wissenschaftlich untersucht werden. Erste Ergebnisse sind Ende 2024 zu erwarten. Interessierte Kitas aus Berlin und dem Umland können sich für eine Teilnahme bewerben.

„In der frühen Kindheit werden Grundhaltungen und Verhaltensmuster in Bezug auf die eigene Gesundheit entwickelt. Daher ist es wichtig, Kinder so früh wie möglich an eine gesundheitsfördernde Lebensweise heranzuführen, und die Kita ist das ideale Setting, um Familien aus allen sozialen Schichten zu erreichen“, sagt Astrid Salomon von der BKK VBU.

Aufbau der Studie

Nach Anfang der Studie im September werden ab Dezember 2022 drei bis vier verschiedene Berliner Kitas ein ganzheitliches Kneipp-Gesundheitskonzept nach den Richtlinien des Kneipp-Bunds e.V. einführen. Es enthält eine freie, tägliche Auswahl an gesundheitsfördernden Maßnahmen aus den 5 Kneipp-Elementen, die in den regulären Kita-Betrieb eingebettet sind:

  • Wasseranwendung (Wasser- und Tautreten, Güsse, kalte und warme Fuß- und Armbäder)
  • Bewegung (Parcours, Mobilität, Bewegung im Freien, Barfußpfad)
  • Ernährung (vollwertige Ernährung, Ernährungsbildung, Sinnesschulung, Rezeptideen)
  • Lebensordnung (regelmäßige Aktivierung- und Ruhephasen, Rituale, Fest der Jahreszeiten), und
  • Naturerleben (Kennenlernen heimischer Kräuter, Kräutergarten, Sinneserfahrungen)

Viele Bereiche des Kneipp-Gesundheitskonzeptes sind kongruent mit dem Berliner Kita-Bildungsprogramm. Der Fokus wird in der Studie durch die Charité auf die Wasseranwendungen gelegt.

Eine Kontrollgruppe von drei bis vier entsprechenden Kitas durchläuft den regulären Kita-Betrieb ohne Kneipp'sche Anwendungen und führt erst nach Abschluss der wissenschaftlichen Begleitstudie das Kneipp-Konzept ein. Nach Abschluss der Studie werden die krankheitsbedingten Kita-Fehltage und hieraus abgeleitete Infektionsanfälligkeit der Kinder in den Kneipp-Kitas mit denen in der Kontrollgruppe verglichen.

Die Studie wird durchgeführt vom Forschungsteam „Integrative Medizin in der Kinderheilkunde“ der Charité – Universitätsmedizin Berlin gemeinsam mit der Krankenkasse BKK VBU und dem Kneipp-Bund e.V. im Modellprojekt „Integration eines Kneippschen Gesundheitskonzeptes in Kindertagesstätten“ in Berlin und Umland.

Quelle: Kneipp-Bund