
Im September 2022 wurde in der Zeitschrift Cell Metabolism [1] publiziert, dass eine randomisierte Cross-over-Studie mit übergewichtigen und adipösen Personen ergeben hatte, dass die Gewichtsabnahme bei gleicher hypokalorischer Diät keinen Unterschied in der Gewichtsabnahme ergeben hatte, egal ob man die größte Mahlzeit morgens oder abends verabreichte. Sie betrug in beiden Gruppen etwas mehr als 3 kg (-3,33 vs. -3,38 kg). Das Graphical Abstract aus der Publikation stellt dies anschaulich dar.
Methodik
Leonie C. Ruddick-Collins et al. mit Alexandra M. Johnstone als Senior-Autorin, einer Spezialistin für Appetit-Kontrolle am Rowett Institute der University of Aberdeen, untersuchten 30 übergewichtige und adipöse, sonst gesunde Menschen (16 Männer, 14 Frauen) im mittleren Alter von 51 Jahren, mit einem Body Mass Index (BMI) von 27- 42 kg/m². Die Versuchspersonen erhielten eine isokalorische, kalorienbeschränkte Diät in folgender Verteilung:
- Größte Kalorienmenge morgens zum Frühstück 45%, mittags 35%, abends 20%.
- Umgekehrte Verteilung: morgens 20%, mittags 35%, abends 45%.
Jede Diät wurde 4 Wochen gegessen, nach einer kontrollierten einwöchigen Basisdiät vor Beginn der ersten 4-Wochen-Periode sowie nochmals 1 Woche lang vor dem Wechsel der beiden Diätverfahren. Die Kalorienmenge für jede Person wurde nach deren basalem Grundumsatz eingestellt. Beide Diäten wiesen die gleiche Nährstoffzusammensetzung auf: 30% Protein, 35% Kohlenhydrate und 35% Fett. Alle Nahrungsmittel und Getränke wurden den Testpersonen zur Verfügung gestellt.
Ergebnisse
Der Gewichtsverlust nach jeder 4-Wochenperiode betrug etwas über 3 kg, egal, ob die Hauptmenge der Kalorien morgens oder abends gegessen wurde (s. Graphical Abstract [1]).
Unterschiede hingegen ergaben sich im Appetit: Dieser wurde stündlich mit einer visuellen Analog-Skala erfasst. Er war am geringsten bei morgendlicher Hauptkalorienmenge. Bei der größten Kalorienbelastung morgens fanden sich die ausgeprägteren Veränderungen in den Appetithormonen (Unterdrückung des Hungerhormons Grehlin und Steigerung der Sättigungshormone) sowie langsamere Magenentleerung, verglichen mit den Befunden unter der geringeren Kalorienmenge morgens.
Kommentar
Das Thema „Ernährung, Gewicht und Stoffwechsel “ ist ein Dauerbrenner. Schon von Kindesbeinen an hat wohl jeder schon einmal FdH („Friss die Hälfte“) gehört, wenn es um das Übergewicht ging. In jüngster Zeit ist das „Alternierende Fasten“ groß im Gespräch und es erscheinen viele Studien dazu. Eine davon wurde im DGE-Blog kritisch referiert, weil die Vergleichsgruppe nicht dieselbe Kalorienzahl zu sich genommen hatte wie die Versuchsgruppe [2]).
Der verminderte Appetit bei großer morgendlicher Mahlzeit ist ein wichtiger Faktor für das Durchhalten einer Diät zur Gewichtsreduktion, die Compliance. Das größere Sättigungsgefühl, das in der referierten Studie demonstriert wurde, erleichtert das Durchhalten, insbesondere das Vermeiden von Zwischenmahlzeiten. Somit trägt es indirekt zum Prinzip des FdH bei. Bei geringer Kalorienmenge morgens fällt das Vermeiden von Zwischenmahlzeiten (Snacks) vielen Menschen offenbar schwerer.
Quelle: Helmut Schatz/blog.endokrinologie.net/16.9.2022
Literatur
[1] Ruddick LC, Morgan PJ, Fyfe CL et al. Timing of daily caloric loading affects appetite and hunger responses without changes in energy metabolism in healthy subjects with obesity. Cell Metabolism 2022; https://doi.org/10.1016/j.cmet.2022.08.001
[2] Schatz H. Alternierendes Fasten senkt Gewicht und verbessert Stoffwechselparameter – mehr als tägliche Kalorienreduktion? www.blog.endokrinologie.net/10.9.2019


