Soziale MedienPausen von digitalen Medien können das Wohlbefinden fördern

Digital Disconnection wirkt nur, wenn sie selbstbestimmt erfolgt. Dann verbessern Handypausen die Stimmung, wenn auch nur für wenige Stunden.

Ein Mann hält ein Smartphone in der Hand. Auf dem schwarzen Bildschirm steht in roter Schrift: offline.
OODDY SMILE/stock.adobe.com
Ist die Handypause eine eigene Entscheidung, ist der Benefit für das Wohlempfinden höher.

Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob und wie sich der bewusste Abstand von digitalen Medien auf das Wohlbefinden auswirkt.

Beobachtender Ansatz statt Interventionsstudie

Alicia Gilbert vom Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und 2 Kollegen von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wählten als Studiendesign eine Beobachtungsstudie. 

Zwar existieren nach Angaben von Gilbert bereits einige Studien zu Digital Disconnection. Doch seien diese oft als Interventionsstudien angelegt: Die Forschenden geben dabei genau vor, wie und in welchem Ausmaß auf digitale Medien verzichtet werden soll. „Es wird derzeit jedoch stark diskutiert, ob dieses Studiendesign die Ergebnisse beeinflusst, da sich die Teilnehmenden durch die Vorgaben im Alltag eingeschränkt fühlen könnten“, erläutert Gilbert. Gestützt wird diese Vermutung durch die widersprüchlichen Ergebnisse, zu denen bisherige Studien kamen: Von einer Besserung des Wohlbefindens über keinen messbaren Einfluss bis hin zu Stressgefühlen durch Digital Disconnection ist alles vertreten.

Die Forschenden der JGU und der FAU zogen ihre Studie daher anders auf: Statt konkrete Anweisungen zu geben, beobachteten sie, wie und in welchem Maße junge Menschen Digital Disconnection in ihrem Alltag bereits anwenden und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. 

  • Dazu befragten sie die Teilnehmenden 2 Wochen lang mehrmals täglich nach aktuellen Digital-Disconnection-Handlungen sowie dem persönlichen Befinden. 
  • 237 Personen zwischen 18 und 29 Jahren nahmen an der Studie teil.
  • Insgesamt berichteten sie über 12.407 Situationen. 
  • Zu den Strategien, die die Forschenden abfragten, gehörten nicht nur die komplette Abstinenz etwa von Social Media, sondern auch kleinere Ansätze wie das Stummschalten von Benachrichtigungen oder das zeitweise Einschalten des Flugmodus. 

„Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden vielfach auch in Situationen, in denen sie angaben, von einem digitalen Medium zu disconnecten, andere digitale Medien weiterhin nutzten – etwa wenn sie das Smartphone weglegten, aber gerade am Laptop arbeiteten. Digital Disconnection und Mediennutzung fanden somit vielfach gleichzeitig statt“, berichtet Gilbert.

Ergebnisse

Dennoch stieg die Stimmung der Teilnehmenden – dieser Zusammenhang war allerdings klein und hielt nur etwa 2 bis 3 Stunden an. Und wie stark der positive Zusammenhang mit der Stimmung war, hing außerdem mit dem Grund für die Abstinenz zusammen: „Basiert die Digital Disconnection auf einer eigenen Entscheidung oder wird sie als solche wahrgenommen, ist der Benefit für das Wohlempfinden höher“, sagt Gilbert.

„Wird den Leuten dagegen vorgeschrieben oder von ihnen erwartet, dass sie sich von ihrem Handy fernhalten, kann sich dies sogar negativ auf die Stimmungslage auswirken. Es ist also durchaus wichtig, die Mediennutzung frei gestalten zu können.“

Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz