DepressionVagusnerv-Stimulation zur Therapie der Depression

Die Vagusnerv-Stimulation über das Ohr zeigt Potenzial als nicht-invasive Methode zur Therapie der Depression bei Kindern und Jugendlichen.

Ohr mit Schallwellen
K. Oborny / Thieme

Die nicht-invasive Vagusnerv-Stimulation könnte bald auch für junge Menschen mit Depression verfügbar sein.

Bei der Mehrheit der Kinder und Jugendlichen mit Depression zeigen Psychotherapie und Pharmakotherapie nicht die gewünschte Wirkung. Forschende der Uni Köln haben eine innovative Therapieform entwickelt: die transkutane Vagusnerv-Stimulation (taVNS). Dieser neue Ansatz wurde nun mit Erfolg von einer jugendlichen Patientin angewendet.

Transkutane Vagusnerv-Stimulation bei Depression

Invasive Verfahren der Neuromodulation, wie die Vagusnervstimulation, sind bei Erwachsenen eine Behandlungsoption für schwer behandelbare Depressionen. Diese Methode erfordert jedoch eine Operation zur Implantation eines Stimulators. Das macht sie für Minderjährige ungeeignet.

Neue technologische Entwicklungen ermöglichen die elektrische Stimulation des Vagusnervs nun auch durch das Ohr, ohne operativen Eingriff. Hierbei wird eine Elektrode, ähnlich einem Hörgerät, am Ohr platziert und erzeugt einen schwachen Stromfluss, der einen Ast des Vagusnervs stimuliert. Diese Methode ist weitgehend frei von Nebenwirkungen und gut verträglich.

Erfolgreiche transkutane Vagusnerv-Stimulation bei jugendlicher Patientin

Bei einer jugendlichen Patientin wurde die weltweit erste Anwendung der transkutanen aurikularen Stimulation des Vagusnervs erfolgreich durchgeführt. Die Patientin hatte auf verschiedene Psychotherapie-Ansätze und medikamentöse Behandlungen nicht angesprochen. Sie nutzte unter ambulanter Betreuung der Uniklinik Köln einen mobilen Stimulator in ihrem Alltag. Die Behandlung führte zu einer klinisch relevanten Verbesserung ihrer depressiven Symptomatik.

Der Fall zeige die grundsätzliche Machbarkeit der Therapie schwer behandelbarer Depressionen bei Kindern und Jugendlichen, so Prof. Dr. Julian Koenig von der Uniklinik Köln. Es seien nun größer angelegte klinische Studien notwendig, um die Behandlungseffekte zuverlässig zu beurteilen.

Ausblick

Die Forschenden arbeiten derzeit an der Entwicklung neuer Geräte, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen abgestimmt sind. Ziel ist es, mittelfristig durch multizentrische randomisiert-kontrollierte Studien belastbare Nachweise zur klinischen Wirksamkeit der taVNS bei jungen Patient*innen zu erbringen.

Dieser neue therapeutische Ansatz könnte eine Rolle in der Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen spielen, insbesondere für jene, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen.

Quelle: Uniklinik Köln