Grüner StarZusätzliche Pfunde schützen vor Grünem Star

Ein leicht erhöhter Body-Mass-Index (BMI) ist offenbar mit einem geringeren Risiko verbunden, an einem Glaukom zu erkranken. Das zeigen 2 Studien.

Illustration: Auge, Augenhintergrund unter der Lupe
SvetaZi/Getty Images - Stockphoto. Posed by a Model
Ein zu hoher Augeninnendruck gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für das Glaukom.

Einige Pfunde mehr können auch von Vorteil sein. 2 Studien, die Forschende aus Australien und den USA veröffentlichten, zeigen: Ein leicht erhöhter Body-Mass-Index (BMI) ist offenbar mit einem geringeren Risiko verbunden, an einem Glaukom zu erkranken. Auch das Voranschreiten eines bereits diagnostizierten Glaukoms ging weniger schnell vonstatten, wenn der BMI etwas über Normalgewicht lag.

Die australische und die US-amerikanische Studie deuten übereinstimmend darauf hin, dass besonders schlanke Menschen häufiger von einem Glaukom betroffen sind.

Beide Studien befassten sich mit der häufigsten Glaukomform, dem sog. primären Offenwinkelglaukom. Dieses wurde umso häufiger diagnostiziert, je niedriger der Body-Mass-Index der Teilnehmer*innen lag. Auch das Voranschreiten des Sehfeldverlustes ging bei untergewichtigen Personen schneller vonstatten als bei Menschen mit Normal- oder geringem Übergewicht.

„Zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht und dem Glaukomrisiko gab es bisher widersprüchliche Studienergebnisse“, sagt der Augenarzt Prof. Alexander Schuster. In die erst kürzlich aktualisierte Leitlinie zur Bewertung von Risikofaktoren für das Offenwinkelglaukom wurde das Körpergewicht daher nicht mit einer konkreten Empfehlung aufgenommen. „Die aktuellen Studien verschieben die Bilanz in Richtung einer möglichen Schutzwirkung, die von normalen bis gering erhöhten BMI-Werten ausgehen könnte“, so der Mainzer Ophthalmologe. Die Forschung vermutet, dass Untergewicht insgesamt anfälliger für Krankheiten macht. 

Ob der Gewichtseffekt in der Screening-Entscheidung auf Glaukom berücksichtigt werden sollte, bleibt abzuwarten. „Sicherlich ist das Körpergewicht nicht der ausschlaggebende Risikofaktor für oder gegen eine Vorsorgeuntersuchung“, betont Schuster. Der DOG-Experte plädiert dafür, im Zweifel eher einmal zu viel oder zu früh zu untersuchen als zu spät: „Sehnervenfasern, die einmal zugrunde gegangen sind, sind unwiederbringlich verloren. Wird das Glaukom jedoch rechtzeitig erkannt, lässt sich der Gesichtsfeldverlust meist mit Augentropfen oder Laserverfahren einfach und sicher aufhalten.“ 

Hintergrund: Glaukom

Das Glaukom, auch als Grüner Star bezeichnet, ist eine häufige Augenerkrankung, von der allein in Deutschland mehr als 900.000 Menschen betroffen sind. Unbehandelt droht ihnen ein fortschreitender und irreversibler Verlust des Sehvermögens, der bis zur vollständigen Erblindung führen kann.

Zunächst verläuft das Glaukom symptomlos und bleibt lange Zeit unbemerkt. Meist werden die Veränderungen erst bei einer augenärztlichen Früherkennungsuntersuchung festgestellt.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft empfiehlt in regelmäßigen Abständen augenärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Weil das Glaukomrisiko mit zunehmendem Alter ansteigt, wird ein Screening spätestens ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Bei Menschen mit Risikofaktoren noch früher. Dazu zählen Personen, bei deren Eltern oder Geschwister schon Glaukom-Erkrankungen aufgetreten sind, stark kurzsichtige Menschen mit mehr als 4 Dioptrien oder Personen mit dunkler Hautfarbe. Der wichtigste Risikofaktor ist jedoch ein zu hoher Augeninnendruck.

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft