MundhygieneStudie zum Zähneputzen: Meistens nur halb sauber

Regelmäßiges Zähneputzen schützt nicht vor Plaque, wenn die Technik fehlt. Neue Forschung deckt Defizite auf.

Zähne mit Plaqueverfärbungen und Indikator
Yaya Photos - stock.adobe.com
Gründlich ist schwer: Selbst motivierte Menschen scheitern beim Zähneputzen.

Die Mehrheit der Deutschen putzt täglich ihre Zähne – eine Gewohnheit, die zusammen mit fluoridhaltiger Zahnpasta maßgeblich zur Reduktion von Karies beigetragen hat. Doch trotz dieser positiven Nachricht gibt es ein Problem: Die gründliche Entfernung von Plaque gelingt den meisten nicht.

Plaque bleibt trotz gründlichem Putzen

„Ich kenne kein anderes Gesundheitsverhalten, das vom überwiegenden Teil der Bevölkerung mit einer vergleichbar großen Konsequenz gezeigt wird wie das Zähneputzen. Das ist großartig und das muss man auch würdigen“, betont Prof. Dr. Renate Deinzer von der Universität Gießen. Dennoch zeigen Laborstudien mit über 1000 Proband*innen, dass selbst nach intensivem Putzen etwa die Hälfte der Zähne am Zahnfleischrand noch von Plaque bedeckt ist. Dies kann zu Gingivitis und später zu Parodontitis führen.

Falsche Schwerpunkte beim Putzen

Viele Menschen konzentrieren sich beim Putzen auf die Kauflächen – eine Gewohnheit aus der Kindheit. Videoanalysen belegen zudem, dass unsystematisches Putzen verbreitet ist: ganze Zahnreihen und vor allem Innenflächen werden oft vergessen. „Selbst motivierte Personen und Proband*innen in Studien schaffen es oft nicht, ihre Zähne vollständig zu reinigen“, erklärt Deinzer. Entscheidend sei nicht die Dauer des Putzens, sondern die vollständige Sauberkeit, insbesondere am Zahnfleischrand.

Ergebnisse der Deutschen Mundgesundheitsstudie

Die bevölkerungsrepräsentative 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS∙6) bestätigt die Laborbefunde: Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad bleibt nach dem Putzen die Hälfte der Zahnfleischränder von Plaque besiedelt – auch bei Nutzung elektrischer Zahnbürsten. Die Defizite betreffen alle Bereiche des Gebisses.

Forschung für bessere Mundhygiene

Um die Ursachen zu verstehen, analysieren Forschende Videoaufzeichnungen des Putzverhaltens. „Wir werten die Videos aktuell aus“, berichtet Deinzer. Ziel ist es, Unterschiede zwischen effektiven und weniger effektiven Putztechniken zu identifizieren. Langfristig sollen KI-gestützte Geräte und sensorbestückte Zahnbürsten helfen, individuelle Schwachstellen zu erkennen.

Rolle der professionellen Zahnreinigung

„Eine professionelle Zahnreinigung sollte eine individuelle Mundhygiene-Unterweisung beinhalten, die sich auf die tatsächlichen Defizite des Patienten konzentriert“, fordert Deinzer. Vor der Reinigung sollten Patientinnen und Patienten die Zähne putzen, um anschließend nicht gereinigte Stellen sichtbar zu machen.

Übung macht den Meister

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man richtiges Zähneputzen lernen kann“, sagt Deinzer. „Das ist wie Schönschreiben in der Schule. Man hat es gelernt, doch selbst wenn man es einmal gut konnte, muss man es immer wieder üben, um gut zu bleiben.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V.

kcl

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