NährstoffeDeutschland gilt als Jodmangelgebiet

Bei einem Jodmangel drohen gesundheitliche Folgen wie Schilddrüsenknoten und -vergrößerungen sowie die Gefährdung der Kindesentwicklung während der Schwangerschaft.

Holzlöffel mit grobem Salz.
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Das Spurenelement Jod ist notwendig, damit die Schilddrüse die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin produzieren kann, welche u.a. für die Steuerung der körperlichen und geistigen Entwicklung eine wichtige Rolle spielen.

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Deutschland wieder zu einem Jodmangelgebiet geworden [1]. Hauptgrund ist der Rückgang des Gebrauchs von jodiertem Speisesalz in der professionellen Lebensmittelverarbeitung, etwa bei Fertiggerichten. Werde nicht bewusst auf eine gute Jodversorgung geachtet, drohe ein Anstieg von Schilddrüsenvergrößerungen (= Kröpfen) und Schilddrüsenknoten in Deutschland, sagt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE). Schwangere seien durch einen Jodmangel besonders gefährdet. Er könne die geistige und körperliche Entwicklung des ungeborenen Kindes gefährden.

Das Spurenelement Jod 

Jod ist ein lebenswichtiger Baustein für Gesundheit und Wohlbefinden. Fehlt das Spurenelement, kann die Schilddrüse die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) nicht herstellen. Sie spielen eine zentrale Rolle etwa bei der Steuerung der körperlichen und geistigen Entwicklung, aber auch beim Protein-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel sowie bei der Regulation des Wärme- und Kälteempfindens.

Weniger Jodsalz in Fertiggerichten durch Kostendruck und Regulierungsvorgaben

Doch das Robert-Koch-Institut dokumentiert eine rückläufige Jodversorgung [2]. „Sie ist hauptsächlich auf einen geringeren Einsatz von jodiertem Speisesalz in der professionellen Lebensmittelverarbeitung zurückzuführen“, sagt Dr. med. Joachim Feldkamp, Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Infektiologie am Klinikum Bielefeld. In der Lebensmittelindustrie werde zwar oftmals sehr viel Salz eingesetzt, jedoch immer seltener die jodierte Variante. Stehen dann häufig Fertiggerichte auf dem Speiseplan, wirke sich das auf die Versorgung aus, so der Endokrinologe.

Die wesentlichen Gründe für den Rückgang sind zum einen der Kostendruck: „Jodiertes Speisesalz ist geringfügig teurer“. Hinzu komme die Internationalisierung der Märkte: „Da in verschiedenen Ländern unterschiedliche Regularien zur Möglichkeit der Jodierung von Speisesalz bestehen, wird von den Lebensmittelproduzenten oft der zulassungstechnisch einfachere und kostengünstigere Weg ohne jodiertes Speisesalz eingeschlagen“, führt Feldkamp aus.

Unjodiertes Speisesalz und kochsalzarme Ernährung verstärken Jodmangel

„Auch wenn etwa 70 bis 75 Prozent der privaten Haushalte erfreulicherweise jodiertes Speisesalz verwenden, greifen einige Konsumenten vermehrt bewusst zu unjodiertem Salz oder setzen auf kochsalzarme Ernährung“, sagt der Experte. Dies verstärke die Mangelsituation.

Feldkamp warnt: „Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen schlechter Jodversorgung und dem Auftreten von Schilddrüsenvergrößerungen und Schilddrüsenknoten“ [3]. Damit werde auch die Häufigkeit von Schilddrüsenoperationen wieder steigen. Zudem entwickeln sich bei Jodmangel häufiger die gutartigen hyperfunktionellen Knoten, die sogenannten „heißen Knoten“. Diese können zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen.

Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion laut Dr. Feldkamp:

  • Schwitzen
  • Pulsbeschleunigung
  • Durchfall
  • Gewichtsabnahme
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Konzentrationsstörungen
  • Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern)

Jodmangel in der Schwangerschaft kann Kindesentwicklung beeinträchtigen

Vor allem Frauen sollten während Schwangerschaft und Stillzeit auf eine zusätzliche Jodzufuhr achten. Der beschleunigte Stoffwechsel während der Schwangerschaft erhöhe den Jodverbrauch und führe zu einer höheren Ausscheidung im Urin. Schon ein leichter Jodmangel der Mutter kann den Intelligenzquotienten (IQ) beim Kind beeinträchtigen [4]. „Die DGE rät daher in ihren „Klug Entscheiden“- Empfehlungen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) allen Frauen die Supplementierung von Jod in Schwangerschaft und Stillzeit“ [5], sagt auch DGE-Mediensprecher Dr. med. Stephan Petersenn von der ENDOC Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg. Zurückhaltung mit dem Spurenelement ist jedoch geboten, wenn eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine bösartige Schilddrüsenerkrankung vorliegt.

Die empfohlene tägliche Zufuhr an Jod beträgt 150-200 µg. Schwangere und Stillende dürfen die doppelte Menge enthalten. Eine ausreichende Jodversorgung ist leicht möglich, wenn bewusst auf den Verzehr jodhaltiger Lebensmittel (inkl. jodiertem Speisesalz) geachtet und häufig selbst gekocht wird. Bei Personen, die auf tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier verzichten, kann eine Supplementierung sinnvoll sein. Um etwa eine Überfunktion der Schilddrüse zu verhindern, sollte diese jedoch erst nach ärztlicher Beratung erfolgen.

Literatur

[1] Zimmermann MB, Andersson M. Eur J Endocrinol 2021; 185(1): R13-R21. https://doi.org/10.1530/EJE-21-0171

[2] Hey I, Thamm M. Abschlussbericht: Monitoring der Jod und Natriumversorgung bei Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2). 2019.

[3] Carlé A, Krejbjerg A, Laurberg P. Epidemiology of nodular goitre. Influence of iodine intake. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab 2014; 28: 465-479.

[4] Kersting M, Hockamp N, Burak C et al.: Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland – SuSe II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung Hrsg.: 14. DGE-Ernährungsbericht. Vorveröffentlichung Kapitel 3. Bonn 2020. http://www.dge.de/14-dge-eb/vvoe/kap3

[5] Feldkamp J, Schott M, Quinkler M et al. Klug entscheiden in der Endokrinologie. Deutsches Ärzteblatt 2016; 113(7): A821-A824. https://www.klug-entscheiden.com/fileadmin/user_upload/PDF/6Klug_entscheiden_in_der_Endokrinologie_2016.pdf

Quelle: Pressemitteilung/Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie