
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin erfahren ein wachsendes Interesse und zeigen sich besonders deutlich in der Rheumatologie.
Frauen erkranken häufiger
Viele entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind bei Frauen häufiger als bei Männern. Das gilt vor allem für:
- Kollagenosen (systemischer Lupus erythematodes, Sjögren Erkrankung und Systemische Sklerose)
- rheumatoiden Arthritis
Wenige Erkrankungen kommen bei Männern häufiger vor. Dazu zählen:
- Ankylosierende Spondylitis
- Behcet Erkrankung
Auch das Erkrankungsalter ist unterschiedlich. Männer erkranken deutlich früher an axialer Spondyloarthritis aber erst 8 Jahre später an Kollagenosen als Frauen.
Diagnosestellung bei Frauen verzögert
Bei Männern treten bei Kollagenose-Erkrankungen häufiger schwere Organbeteiligungen auf, was zu einer früheren Diagnosestellung führt. Besonders bei der axialen Spondyloarthritis zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Frauen warten im Schnitt über 2 Jahre länger auf die Diagnose, weil sich Veränderungen der Wirbelsäule bei Männern früher in der Bildgebung zeigen.
Weitere geschlechtsspezifische Unterschiede bei rheumatischen Erkrankungen gibt es beim systematischen Lupus erythematodes:
- Männer: Häufig schwere Organbeteiligung, vor allem an Nieren, Herz oder Lunge.
- Frauen: Manifestation an der Haut mit Haarausfall, vermehrter Lichtempfindlichkeit und einem Raynaud Syndrom.
Bei der Psoriasis Arthritis ist bei Männern hauptsächlich die Haut betroffen, während es bei Frauen vermehrt zu Entzündungen an den Gelenken und Sehnenansätzen kommt.
Männer erhalten wirksame Medikamente
Und auch in der Therapie gibt es Unterschiede. So werden Männer häufiger mit wirksamen Medikamenten (z.B. TNF-Inhibitoren, Interleukin-17-Inhibitoren) behandelt. Frauen erhalten dagegen oft Schmerzmittel und Opioide. In Studien konnte gezeigt werden, dass Frauen die Therapie häufiger abbrechen. Einerseits sprechen sie schlechter auf eine TNF-Inhibitor-Behandlung an, andererseits kommt es bei ihnen vermehrt zu Nebenwirkungen.
Fazit
Geschlechtsspezifische Medizin rückt zurecht immer mehr in den Mittelpunkt der Forschung. Expert*innen fordern, die Auswahl und Dosierung von Medikamenten im Hinblick auf geschlechtsspezifische Unterschiede zu erforschen und Diagnosewege zu beschleunigen. Dafür sind dringend neue wissenschaftliche Daten notwendig.
Unerforscht ist beispielsweise auch, wie sich die Therapieempfehlung in unterschiedlichen Altersstufen ändert, etwa bei Frauen in der Menopause. Eine Berücksichtigung des Geschlechts in klinischen Studien kann zu einer besseren Versorgung beitragen und ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur personalisierten Medizin.
Quelle: Pressekonferenz Deutscher Rheumatologiekongresses 2025/11.9.2025


