
Hormone sind so viel mehr
Mit dem Stichwort „Hormone“ verbinden vor allem Frauen sofort die Themen Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre. Aber auch Stress, Ängste, Herzrasen, Gelenkschmerzen oder Schlafstörungen können mit den Hormonen zusammenhängen. TRIAS Autorin Marianne Krug spricht mit Andy Losleben darüber, wie frau am besten vorgeht, um Zusammenhänge zu erkennen und räumt dabei noch mit dem einen oder anderen Missverständnis auf. Oder hättest du gewusst, dass die „Pille“ eigentlich gar keine Hormone enthält?
Über den TRIAS Podcast „KERNgesund“
Willkommen bei KERNgesund! Du bist hier genau richtig, wenn du neue Impulse für deine Gesundheit suchst.
Wie kann ich aktiv etwas für meine Gesundheit tun? Wie kann ich Erkrankungen vorbeugen oder gegen Beschwerden selbst aktiv werden? Wie kann ich das Fortschreiten einer Erkrankung aufhalten? Und wie kann ich als Angehöriger unterstützen? Bei KERNgesund findest du Informationen, Übungen und Tipps, die dein Wohlbefinden und deine Lebensqualität steigern und erhalten. Lass dich von Experten und Expertinneninterviews, praxisnahen Empfehlungen und innovativen Ansätzen inspirieren.
Gast und Autorin

Die Ärztin Marianne Krug hat sich nach ihrem Studium der Allgemeinmedizin mit dem Schwerpunkt Innere Medizin ihrem großen Lebensthema, der bioidenten Hormontherapie, zugewandt. Seit fast 40 Jahren sammelt sie auf diesem Gebiet Erfahrungen, bildet sich fort und steht in ständigem wissenschaftlichen Austausch mit Experten weltweit. Über 40 Jahre führte sie eine Praxistätigkeit mit dem Schwerpunkt bioidente Hormontherapie und Präventivmedizin in Frankfurt/Main und bildet bis heute Hormoncoaches in ihrer Akana Hormonakademie aus. Durch ihre Aus- und Weiterbildungen im Bereich der Akupunktur, Naturheilverfahren, Homöopathie, Tai Chi und Meditation hat sie einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen und seine Gesundheit.
Moderatorin

Andrea Losleben ist mit Leidenschaft Moderatorin. Sie hat sich schon immer für alltagsnahe Wissensthemen interessiert und entsprechende TV-Formate für 3sat und die ARD moderiert. Im Radio unterhält sie Hessen in Programmen des Hessischen Rundfunks. Bei der ganzen Arbeit und den vielen To-Dos als Mutter von drei Kindern kommen Fragen zur eigenen Gesundheit dann doch oft zu kurz - was Andrea mit dem Podcast KERNgesund ändern will. Ihr Ziel: Wichtige Tipps und Erkenntnisse zur weiblichen Gesundheit mit viel Expertenwissen verständlich und alltagsnah zu erklären.
Homepage von Andrea Losleben
KERNgesund Folge 3 mit Dr. Marianne Krug – Transkript
Viele Ärzte haben von dem heutigen Thema leider echt wenig Ahnung – Hormone. Im Medizinstudium werden die nämlich kaum behandelt. Deshalb kommt es auch gerne mal vor, wenn wir vermuten, dass ein Wehwehchen vielleicht was mit den Hormonen zu tun haben könnte, der Arzt einfach abwinkt. Daher bräuchten wir eigentlich Leute, die sich wirklich damit auskennen – Hormon-Coaches, sagt meine heutige Gästin Marianne Krug. Sie kennt sich aus, seit über 40 Jahren hat sie eine eigene Praxis mit dem Schwerpunkt „Bioidente Hormontherapie“ gehabt und jetzt in Rente bildet sie noch Hormon-Coaches aus. Marianne weiß, wie wir beschwerdefreier und entspannter durchs gesamte Leben kommen, nicht nur in den Wechseljahren, wo wir eh eine Hormontherapie brauchen. Ich war wirklich überrascht, weil so Sachen wie Migräne, Schlafstörungen, Gelenksschmerzen, depressive Verstimmungen oder eine Gewichtszunahme können auch mit den Hormonen zusammenhängen. In diesem spannenden Gespräch gleich erfahrt ihr zum Beispiel, warum Marianne kein fan von der Pille ist, und vielleicht fangt ihr danach, so wie ich auch, an, ein Tagebuch zu schreiben, um zu gucken, wann ihr welche Wehwehchen habt und wo ihr gerade im Zyklus seid, weil das macht total Sinn.
ich bin Andy Losleben, schön, dass ihr da seid.
Hallo, Marianne Krug. Bei dir zu Hause.
Hallo, Andrea. Ja. Ich freue mich, dass du zu mir gekommen bist.
Wir sitzen ganz nah, wir wohnen ja ganz nah beieinander und haben es geschafft, in deine Wohnung zu kommen. Mit dem herrlichen Blick nach draußen ins Grüne, obwohl wir mitten in der Stadt sind. Aber wir wollen über dein Buch quatschen. Und ich bin ehrlich gesagt schon beim Titel hängengeblieben. „Erkrankungen heilen“ steht da nämlich drauf, auf dem Cover direkt und ich weiß ja Schilddrüsenunterfunktion, Überfunktion und Diabetes, sowas hat alles mit Hormonen zu tun. Aber ich habe irgendwie noch nie bei irgendwelchen Wehwehchen daran gedacht, dass es vielleicht was mit meinen Hormonen zu tun haben könnte. Was sind denn so die Top Problemchen für Frauen Mitte 30, die von Hormonen herkommen?
Ja, da habe ich einiges zu bieten. Top-Thema sind Menstruationsbeschwerden Nummer eins, Nummer zwei, Beschwerden vor der Menstruation, das sogenannte Prämenstruelle Syndrom, also die Brüste spannen, man ist gereizt, man könnte Ehemann und Kinder in den Schacht hängen. Bauchschmerzen. Das ist so eine ganze Palette von Beschwerden, die klassischerweise 2 bis 3 Tage vor der Menstruation auftauchen. Das ist das, was ich in der Praxis am meisten höre.
Dann 35: Wir sind in der Mitte der fruchtbaren Phase der Frau. Also natürlich geht es auch um Themen wie Kinderwunsch und Verhütung. Insgesamt gibt es dann ein Thema, das sehr wenig Leute mit einem Alter von 35 zusammenbringen würden. Und das ist die Tatsache, dass wir ab 35, obere dreißiger Jahre, bereits beginnen, ein Hormon zu verlieren. Und das wäre das Progesteron. Und das ist ja bemerkbar daran, dass zum Beispiel das eben Geschilderte Prämenstruelle Syndrom sich verändert: in Länge, es wird schlimmer, manchmal verschiebt sich die Menstruation, muss aber nicht sein. Und dahinter steckt die Tatsache, dass die Eier, die wir im Stock haben, je älter wir werden, Qualität verlieren. Ja, weil die so lange im Stock waren, sondern weil der Körper die besten als erste rausschickt. Und deshalb sage ich manchmal, dass das was noch überbleibt, ist B-Ware. Und wenn wir dann Follikel an die Front schicken und dieser Follikel platzt nicht, dann entsteht keine Ei-Hülle, dann entsteht kein Gelbkörper und dann entsteht kein Progesteron. Und wir nennen das „Zyklen ohne Eisprung“, anovulatorische Zyklen. Und das steht mehr jenseits der 35. Und das hat kaum jemand auf dem Schirm.
Ich habe vorgestern mit meiner Tochter gesprochen, die wird jetzt 40. Die erzählte von einer Freundin, die fast in die Psychiatrie gekommen ist, weil ihre prämenstruelle Störung sich so verschlechtert hat, dass sie psychisch einfach nicht mehr kontrollierbar ist in dieser Phase. Das wären so Klassiker für die 35-jährigen aufwärts.
Aber das sind jetzt wieder Dinge, wo ich jetzt sagen würde diese Bekannte deiner Tochter, die hat ein psychisches Problem, die hat wahrscheinlich zuerst gedacht, ach, ich gehe zum Psychologen, wenn man da einen findet und ist das quasi so angegangen, hat die Hormone genommen? Oder wie kam sie überhaupt auf die Idee, dass mit den Hormonen vielleicht was nicht stimmen könnte?
Sie kam auf die Idee ..
Wegen dir!
Möglicherweise war es mein Buch…
(beide lachen)
Sie ist zur Gynäkologin gegangen und die hat dann versucht, die prämenstruelle Phase komplett auszuschalten. Und das macht man üblicherweise mit einer Pille. Dann blutet man noch, aber man hat keine Menstruation mehr, man hat eine Abbruchsblutung und das ist was grundsätzlich anderes als eine Menstruation. Und als ein Nebeneffekt hat man auch keine prämenstruelle Störung mehr.
Das ist die klassische Therapie der Gynäkologen und ich halte da ein bisschen dagegen und sage, das, was da passiert, sollte behandelt werden und das ist fehlendes Progesteron. Und deshalb kann man mancher Frau in dem Alter helfen, nicht in die Psychiatrie zu kommen. Wenn man ernsthaft nur das Progesteron hinzufügt.
Wow, so einfach. Aber auf die Idee bin ich selbst nie, also würde ich auch nie kommen. Ganz ehrlich? Also man weiß jetzt mit 35 wie es wird immer schwieriger ein Kind zu bekommen, weil ja, da weiß man schon, dass es alles nur noch B-Ware ist, was man da produziert, aber das andere Themen damit noch einhergehen, das war mir neu. Und ich habe auch im Buch Dinge gelesen, von denen ich vorher noch nie in Zusammenhang mit Hormonen gesehen habe. Also Stress, Ängste, Schlafstörung, Herzrasen, das sind Dinge, die ich auch ständig habe. Ehrlich gesagt. Aber liegt es daran, dass Hormone so ein schlechtes Image haben? Und warum werden diese so stiefmütterlich behandelt? Warum müssen wir davon eigentlich nichts?
Ein Grund könnte sein, dass die Hormone den falschen Namen haben. Die heißen nämlich Sexualhormone. Und das heißt, man bringt es nur mit der Sexualfunktion in Verbindung. Dabei ist die Namensgebung so erfolgt es einfach in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Chemiker den Auftrag hatte, das Sexualhormon herauszufinden, er fand das Östradiol und seitdem sind das Sexualhormone. Aber die Wissenschaft ist weitergegangen und wir wissen längst, dass die Sexualfunktion zwar eine sehr wichtige Funktion ist, aber nur einen Bruchteil ausmacht. Von der Kompetenz oder von der Potenz von diesen Steroidhormonen.
Ich bezeichne sie als Neuro-Hormone. Neuro-Hormone, Kardio-Hormone, metabolische Hormone, Struktur-Hormone, all das sind Funktionen von diesen Steroiden, die wir nicht auf dem Schirm haben. Allein durch den falschen Namen. Ja, und deshalb gibt man, wenn man Hormone Störungen vermeintlich hat, man geht dann zum Facharzt, der was mit Sexualität zu tun hat, also die Frauen zum Gynäkologen, die Männern zum Andrologen, Urologen. Also es hat keiner auf dem Schirm, wie weitreichend die Funktion zum Beispiel in unserem Hirn ist.
Liegt es daran, dass das Wissen nicht vermittelt wird, wenn man Arzt wird oder alle sagen „Oh, lass mal, kein Bock drauf“ oder …
Nee, das Wissen wird definitiv nicht vermittelt. Das Wissen über diese so genannten Sexualhormone wird eben im Bereich der Gynäkologie mitvermittelt. Sehr kurz, sehr pragmatisch. Ich selbst war eine von denjenigen, die im Studium gesagt hat „Hört mir auf mit den Hormonen, das ist viel zu kompliziert“ und ich habe das ausgeblendet. Und ich habe dann festgestellt, dass ich dabei bei weitem nicht die Einzige bin, sondern etwa 98 % meiner Kollegen haben das genauso gemacht. Das Hormon-Thema weitgehend umfahren, weil es zu kompliziert schien und hat das dann den für die Facharztausbildung gelassen scheinbar. Und dann geht es da genauso weiter in der Facharztausbildung zum Gynäkologen muss man kein einziges Mal das Thema Hormone berühren und da wird's dann richtig kritisch.
Aber jetzt machst du's ja schon seit 40 Jahren um den Dreh. Was war der Moment, wo du sagtest „okay, es wird doch ganz spannend.“
Also, das ist eigentlich was ganz Persönliches, denn ich hatte das so tabuisiert wie für mich waren die Hormone der Teufel persönlich. Ich habe das ja dämonisiert, so ein bisschen und dann gab es eine Krisensituation in meinem Leben, aus der ich den Schluss gezogen habe Ich will keine Tabus mehr, auch keine medizinischen Tabus mehr. Dann musste ich da hinschauen, wo tabuisiert wird. Dann war ich ja bei meinem Hormon Thema.
Hah, und hat viel Spaß gemacht.
Und dann landete ich in einem Seminar, in dem der Redner gut war und mir eine Brücke bauen konnte, in dem er Symptome von Mangelzuständen aufgezeichnet hat und nicht nur von der reinen Biochemie hergekommen ist, sondern der konnte so ein Bild aufzeigen, wie sieht ein Mensch aus, der Östrogen-Mangel hat? Wie sieht ein Mensch aus, der an Progesteron-Mangel hat? Wie sehen die Symptome aus von einem Testosteron-Mangel? Und das war für mich eine Brücke, über die ich gehen konnte. Ich hatte eine homöopathische Grundausbildung und das war für mich wie homöopathische Arzneimittel, habe ich gedacht. So Anamnese machen kann ich, das kann man in der Homöopathie sehr gut und deshalb bin ich über diese Brücke dann gegangen und bin einfach über die Anamnese und das, was mir meine Patienten erzählt haben und das, was man klinisch sieht, in die Hormonologie eingestiegen. Und seitdem renne ich eigentlich.
Aber das merkt man ja auch in dem Buch, du willst ja … also viele Leute gar keine Ahnung davon haben oder vor allen Dingen auch Ärzte sich damit nicht beschäftigt haben oder auch nicht wussten, ist Buch heißt auch Hormon Coaching. Wir können uns quasi mit dem Buch selbst coachen, alles selbst erlernen. Dann muss man schon mal zum Arzt gehen und sagen Hallo, stimmt das denn so? Und wie kann man mich richtig einstellen? Aber ich als Laie habe es verstanden.Also so kompliziert ist es nicht, weil du es gut erklärt hast? Ich habe wirklich ganz oft mich wiedererkannt, und dachte so, „ah könnte ich ja mal checken lassen“, könnte ein Grund für manches sein. Das hat mich teilweise fast erschrocken, muss ich sagen. Und auch die die Sache mit, wir fangen früh an, Hormone zu nehmen. Aber ganz ehrlich, ich habe diese Pille genommen oder jetzt die Spirale, die ich glaube ich, die meisten von uns, die nehmen das, weil es ja so praktisch ist als Verhütungsmittel aber „habe ich Packungsbeilage gelesen?“ Ich glaube nicht. Man nimmt es, weil der Arzt, der sagt „Klar, hier perfekt für dich“ und ich habe das nicht, ich habe es nie hinterfragt. Aber eigentlich nehme ich schon Hormone und du guckst und nickst schon so, weil du bist doch gar kein Fan davon, ne?
Ja, also es ist klassisch, dass du den Beipackzettel da nicht gelesen hast. Ein Phänomen, was ich auch bei meinen Seminaren immer erwähne, dass es so eine Beipackzettel-Allergie gibt unter der Bevölkerung. Oder man ist sehr bewusst, wenn man etwas verschrieben bekommt und guckt sofort auf den Beipackzettel. Und wie viel Patienten hatte ich, die einen Tag später zu mir in die Praxis kam, mir das Präparat auf den Tisch gehauen haben, den Beipackzettel und gelesen „das nehme ich nicht“. Und dazu im krassen Gegensatz steht das nicht Lesen eines Beipackzettels bei der Einnahme der Pille. Die Pille ist, die Einnahme der Pille ist so ins Unterbewusstsein, ins nicht Bewusstsein gerutscht. Das wir vor 60 Jahren gefeiert haben, dass es die Pille gibt, ist ganz klar, weil es uns ja mit der Vergütung eine freiere Haltung zur Sexualität erlaubt hat.
Aber jetzt ist der Zeitpunkt spätestens gekommen, wo wir unser Bewusstsein darüber nochmal stärken müssen, was wir eigentlich damit machen. Denn Beipackzettel hat keiner gelesen. Das geht so weit, dass ich eine 31-jährige Patientin in einer Praxis hatte, die wegen Kinderwunsch kam. Und ich erheb die Anamnese und frage alles, natürlich auch ob sie Medikamenten einnimmt? Nein, Medikamente nimmt sie nicht. Und im Gespräch erzählt sie auf einmal etwas von Belara. Belara ist eine Pille. Und ich sage „Sie nehmen Belara?“ „Äh ja“, sagt sie. Dann sage ich „Da kriegen sie aber kein Kind mit“. Und dann sagt sie, „Wieso, das ist doch für die Haut?“ Ja, also Erst-Verschreibung, 30 % der Erstverschreibung der Pille in Deutschland machen Dermatologen wegen der pubertären Akne, Hau-Beschwerden und dann finden diese Frauen, die hat das zu dem Zeitpunkt 18 Jahre genommen wegen der Haut. Und es war nicht im Bewusstsein, dass es eine Verhütungspille ist, und sie kommt wegen Kinderwunsch. So tief ins Nicht-Bewusstsein ist es gesunken und ich sage Pille einnehmen hat so was von Zähneputzen. Es ist einfach so einfach das zu nehmen und man kriegt es empfohlen und dann wird das gemacht. Das ist erschreckend. Ich habe nichts dagegen, wenn man ein, zwei Jahre, drei Jahre, vier Jahre, fünf Jahre, die Pille nimmt, aber es wird 20 bis 30 Jahre lang eingenommen,
Bis man es nicht mehr braucht, ne? Keine Kinder mehr kriegen kann…
Manche Gynäkologen verschreiben die dann immer noch weiter, weil sie sagen „dann haben sie noch ein bisschen Hormone“. Und jetzt kommt der Knackpunkt: Wir nennen die Pille Hormone. Aber die Pille enthält überhaupt keine Hormone, sondern sie enthält pharmazeutische Stoffe, die den Körper vorgaukeln, sie wären Hormone. Hormone sind Stoffe, die der Körper selbst herstellt. Das, was wir über die Pille einnehmen, ist absichtlich ein verdrehtes, nicht natürliches Hormon, weil wir darüber diese Wirkung der Verhinderung des Eisprungs überhaupt hinkriegen. Mit natürlichen Hormonen würden wir das gar nicht hinkriegen.
Genau. Bei dir im Buch und in deiner Praxis geht es immer um bioidente Hormone. Was ein Unterschied ist, den erklären wir später gleich noch mal. Was für Sachen hast du erlebt, wo es einfach blöd war, die Pille so lange zu nehmen?
Eine Frau, die die Pille nimmt, produziert nur noch 30 % ihres Progesterons, ich hatte das eben erwähnt Progesteron bildet man, bildet frau in der zweiten Zyklus Phase nach einem Eisprung in den Gelbkörper und der entsteht nur, wenn das Ei gesprungen ist. Die Hülle, die zurückbleibt. Wenn wir jetzt den Eisprung verhindern, findet dieser Mechanismus nicht statt. Wir haben also kein Progesteron aus Gelbkörper und wir haben noch Restbildungen aus der Nebenniere oder im Hirn. Es wird unter anderem auch im Gehirn hergestellt. Und ich stelle eben fest, wie sehr die neurohormonelle Wirkung fehlt vom Progesteron. Wir haben als Nebenwirkung der Pille eine Zunahme von Depressionen bei jungen Frauen. Es gibt sogar eine Warnung vor angestiegener Suizidalität und da wird mir ganz schwer ums Herz.
Ja. mir auch gerade.
Denn ich habe ja manchmal junge Frauen mit einer Depression in der Praxis und es erfordert dann eigentlich nur eine ganz klare Anamnese mit der wichtigsten Frage: Seit wann? Seit wann ist die wichtigste Frage in hormonellen Dingen. Denn damit ordnet man es bestimmten Ereignissen zu, zum Beispiel der Einnahme der Pille. Und das habe ich nicht einmal, nicht fünfmal, sondern mehrere zigmal so erlebt. Und das macht mich traurig.
Vor allem ist es halt einfach so, es wird so rausgeschmissen wie so Kamille und Fasching.
Wenn jemand bewusst sagt, ich nehme die Pille, ich nehme das in Kauf, ich mache das soundso viele Jahre, alles in Ordnung. Aber die Unbewusstheit, die macht das Ganze gefährlich. Und dann haben wir auch keinen Blick mehr drauf, was alles so an Nebenwirkungen auftritt.
Ich habe die nie gelesen …
Also in meinen Seminaren präsentiere ich so einen Beipackzettel. Auf der ersten Seite kommt dann sowas wie Gewichtszunahme. Wenn ich das meinen Patienten sagen würde, die wären schneller aus dem Sprechzimmer draußen, als man denken kann. Das ist ein Riesenthema. Gewichtszunahme. Wie viele Gazetten schreiben über Gewichtszunahme? Das steht auf der ersten Seite der Pille. Das betrifft ja zum Glück nicht jeden. Es geht dann weiter. Da steht dann sehr, sehr selten. Das ist dann eine unter 1000 Frauen können so was wie ein kleines Blutgerinnsel haben, das kann man im Fuß oder Herzen oder im Hirn sein. Aber das ist nur selten so, was steht da drin.
Und das heißt, wenn man das mit Bewusstsein lesen würde, würde man wahrscheinlich die Pille nicht mehr nehmen, weil man sagt, Herzinfarkt, Schlaganfall steht da drin als mögliche Nebenwirkungen. Und dafür hätte ich ja bei jedem anderen Präparat, den eine allgemein medizinischer Sprechstunde, würde ich Ohrfeigen dafür bekommen, wenn ich so etwas verschreibe.
Ja, das sind quasi in der Pille sind chemisch erzeugte Hormone drin. Deine Therapie besteht aus Bio identischen Hormonen. Was ist genau der Unterschied?
Diese chemischen Hormone in der Pille und auch in der Hormon Spirale oder im Nove-Ring gehören alle einer Substanz Klasse an, die heißt Gestagene. Definitionsgemäß die Gruppe aller Progesteron ähnlichen Stoffe. Es heißt laut Definition ist Progesteron auch ein Gestagen und das ist verwirrend. Das ist die Grundlage für alle Missverständnisse. In der Gruppe der Gestagene ist das Progesteron, das einzige Hormon, weil man die Definition nehmen, dass ein Hormon ein Stoff ist, den der Körper herstellt. Alle anderen aus dieser Gruppe sind am Reißbrett entstanden, um das Progesteron nachzuahmen, und, und das war das erste Gestagen, und das heißt vom Molekül ist es nicht dasselbe und wir haben Hormon Wirkung, zum Beispiel dadurch
Das Hormon muss ja irgendwie in die Zelle kommen, dafür gibt so Empfangsschüsseln, Rezeptoren werden die genannt, und diese Empfangsschüsseln sind für das natürliche Hormon eingerichtet. Wenn man sich das so bildlich vorstellt, so eine Schüssel, dann wirkt dann so ein Progesteron Molekül zehn Minuten und dann ist es verbraucht und dann geht es weg. Aber so ein Gestagen ist sperriger. Diese künstlich hergestellten Produkte müsste man dann vergleichen, wie so ein Quader, der in so einer Schüssel sitzt und sich verklemmt. Der sitzt bis zu 50 Stunden in so einem Rezeptor und dann lässt sich leicht vorstellen, dass das Nebenwirkungen hat. Wenn der natürliche Stoff so zehn Minuten da rum dümpelt und ein Gestagen sich da verklemmt und mit Wirkung über viele Stunden aufrechterhält, da kommen Nebenwirkungen.
Und das passiert bei den Bioidentischen nicht?
Nicht! Denn das sind die, die der Körper herstellt. Jede Zelle kennt ein Progesteronmolekül, jede Zelle kennt ein Testosteronmolekül, einen Östradiolmolekül und weiß genau, was es damit macht. Dafür sind die Rezeptoren da und die werden bedient. Und nach einer gewissen Zeit, die der Körper kennt, hört diese Wirkung auf. Das passiert bei Gestagenen nicht.
Und nützt mein Gyn auch diese bioidentischen Hormone oder hat er alles zur Verfügung oder muss man danach fragen, du lächelst so?
Ich kenne deine Gyn nicht…
… ist eine Superfrau..
Meine Erfahrung ist, dass 98 % aller Gynäkologen Gestagene nutzen. Das wird im Studium oder spätestens beim Einstieg in die Praxis vermittelt. Aber das Wort bioidentische Hormone stößt manchmal auf eine Art Allergie. Es liegt daran, dass zum Beispiel die Differenzierung zwischen Gestagenen und Progesteron nicht gemacht wird. Das wird nicht gewusst, weil Gestagen ist die Gruppe Progesteronähnlicher Stoffe, heißt, „wieso? Ist doch dasselbe“. Und deswegen bin ich der Meinung, ich stelle mir vor, dass deine Gynäkologen, wenn sie da sich nicht fortgebildet hat, das gar nicht differenziert und das Gestagen benutzt wie ein Progesteron, weil es ja dasselbe ist.
Okay, also muss man alle, die Ärzte darauf hinweisen, explizit.
Vielleicht müsste man noch hinzufügen wir reden zwar jetzt für die Gruppe der 35 bis 40 jährigen, aber zehn Jahre später haben wir ja dann den großen Einbruch der Menopause. Und da ist es so, dass derzeit die derzeit sicherste Therapie der Menopause bioidentisch ist. Das muss man nicht so nennen, das nennt auch keiner so, aber die Produkte oder die übliche derzeitige Hormonersatztherapie ist in der Tat bioidentisch.
Automatisch quasi.
Wenn man die neueste Form nimmt. Und wenn man da seine Hausaufgaben gemacht hat und man nimmt die derzeit empfohlene Art, dann ist das eine bioidentische Hormon-Therapie, weil man festgestellt hat, dass da auch weniger Nebenwirkungen auftauchen.
Aber fangen wir nochmal an: mit etwa 35, wo die erste Phase losgeht, die Prämenopause und du ja auch schon vorhin gesagt hat es fängt ja schon alles. Die Hormone schon weniger werden, kann man jetzt so pauschal sagen, dass wir dann schon Hormonmangel haben. Das uns was fehlt, das wir was nehmen müssten, so pauschal gesehen.
Das ist sehr individuell. Auch der Beginn mit 35 ist eine Entwicklung, die in den letzten 20 Jahren ihren Lauf genommen hat. In alten Lehrbüchern steht diese Zeit der Prämenopause noch abgebildet mit etwa 4 bis 5 Jahren. Wir haben eine Ausdehnung des dieses Zeitraums auf bis zu 15 Jahren erfahren. Und dennoch ist das Ganze individuell. Wenn man keine Beschwerden hat, wenn man einfach glücklich ist, gibt es keinerlei Anlass. Aber die Frage ist eben was machen wir, wenn Beschwerden auftauchen?
Gehen wir mal von mir aus. Ich fühle mich oft, keine Ahnung, schlaff. Ich bin mehr vergesslicher als früher. Schlafmangel, Herzrasen. So, tatsächlich bin ich jetzt durch das Buch draufgekommen. Vielleicht hat es ja damit was zu tun, dass man diese Prämenopause drin ist, ohne es gewusst zu haben.
Also wenn du jetzt bei mir in der Praxis wärst, wäre meine erste Frage: Seit wann?
Ah ja, das hatten wir schon, seit wann? Das schreibe ich mir mal auf, das hilft glaube ich in vielen Lebenslagen.
Seit wann ist eine ganz tolle Frage, weil wir unsere Beschwerden einfach zuordnen müssen in bestimmte Lebensphasen einer Frau. Und das gelingt mit dieser Frage. Also das würde ich dich als erstes fragen und dann würde ich fragen Ist das denn immer oder gibt es da eine Abhängigkeit vom Zyklus? Hast du das, wenn du deine Tage hast, hast du das nach den Taten und vor den Tagen gibt es eine Varianz in den Beschwerden, die zu dem Zyklus gehören und wenn du dann mir zunicken würdest, dann würde ich sagen, dann lass uns das doch mal anschauen, dann würde ich einen Test machen. In diesem Fall in der Phase der Prämenopause oder schon lange über der fruchtbaren Phase, würde ich einen Speicheltest machen. Und würde dann feststellen, ob die Verhältnisse deiner Hormone noch regelrecht sind. Denn das kann ich im Speichel Test im Gegensatz zum Serum Test feststellen.
Also wenn ihr euch jetzt auch wiedererkennt, wichtig ist mal aufzuschreiben und zu gucken, wann hat man denn was und wo befindet man sich im Zyklus. Also habe ich noch nie gemacht.
Man muss auch an erinnert werden, denn wir leben nicht mehr in Großfamilien. In Großfamilien hätte dir die Großmutter möglicherweise gesagt „Ja, wann kriegst du deine Tage?“ Oder die hätte vielleicht aus eigener Erfahrung mal einen Finger draufgelegt. Das fehlt uns ja allen. Wir haben keine Transgenerationswissensvermittlung über Zusammenhänge mit der Menstruation mehr.
Ist ja auch oft noch ein Tabuthema. Da wird auch gar nicht viel drüber geredet oft. Also gerade wobei Wechseljahre für mich heißt, ist ja gerade so ein totales Thema überall. Also mir begegnet es sehr oft, es kommt jetzt immer mehr, was ich gut finde. Aber was gibt es noch, was? Was sind so die klassischen Anzeichen von der Prämenopause?
Also ein Klassiker ist eine Verlängerung dieser prämenstruellen Störung. Ja, also manchmal gibt es überhaupt kein Bewusstsein darüber, dass wir vor der Menstruation so zwei, drei Tage haben, wo wir gereizter sind.
Ich habe früher in meinen Seminaren zum Beispiel gesagt die armen anwesenden Männer, die wissen ja nicht, worüber ich spreche, und habe dann Gelächter geerntet. Und bis ich gemerkt hab, für die ist das die Männer, zumindest die, die mit Frauen zusammenleben, ein ganz ein Feingefühl haben, wann wir in diese Phase kommen, weil die sich dann immer ein bisschen Helm aufsetzen müssen oder gleich angeln gehen, weil wir einfach gereizt und biestig und voller Widersprüche sind.
Und dann bricht die Menstruation durch und alles ist da.
Kann man sich dann entschuldigen.
Ich habe da alle möglichen Dinge in der Praxis erlebt. Eine Frau hat gesagt, wenn sie mir da nicht helfen, bringe ich meinen Mann um. Und dann musste ich, um Leben zu retten, erkennen, das Progesteron thematisieren. Also wir sind einfach individuell verschieden. Ob zwei Tage oder sieben Tage oder sogar 14 Tage sind wir in der zweiten Zyklus Hälfte am Ende der zweiten Zyklus-Hälfte reizbar. Und wenn man vorher kein Bewusstsein darüber hatte und auf einmal merkt man das, ist das meistens schon Zeichen für eine Verschlechterung. Also dann würde ich immer empfehlen, mal zurückzufühlen. Wie war denn das vor zehn Jahren? Und wenn ich dann sage, das war kein Thema und jetzt ist es ein Thema, ist das für mich ein Anzeichen für eine Verschlechterung. Und du hast gefragt „Muss man automatisch Hormone nehmen?“ Nein, muss man gar nicht. Ich sag mal, wenn man unter dieser Verschlechterung leidet, dann gehen manche zum Arzt und dann kann man das Leid erleichtern.
Oft ist es ja auch schon besser, wenn man den Grund erfahren hat. Dann hilft es einem schon, wenn man nicht mehr auf der Suche ist.
Es stimmt, man hat ja normalerweise, wenn man sich als gereizt empfindet, dann geht da gleich so eine Innenschau ab. Und bei uns Frauen? Wir beschuldigen uns ja dann auch gerne alle Schuld der Welt auf uns, dass wir alles schlecht gemacht haben. So eine Innenschau läuft ja ab. Und wenn man dann einfach das mal in Beziehung setzt zu dem Menstruationskalender und feststellt nein, das ist so deutlich korreliert, dann gebe ich dir recht, dann ist allein das eine Erleichterung.
Im Endeffekt sind wir an der Stelle an dem hormonellen Faden und das ist nicht immer leicht einzusehen.
Ich finde auch nicht ganz so leicht einzusehen ist „Ja, ich werde älter. Das hat damit zu tun, dass ich älter werde“, und das will man ja auch oft nicht wahrhaben. Oder man hat vergessen, wie schnell die Zeit um ging und man dann doch schon in dieser Phase ist, wo man dachte, das dauert ja noch.
Es stimmt, was du sagst. Da gibt es aber die Grundverwechslung, dass alle hormonellen Themen, die eine Frau hat, außer Schwangerschaft und Stillzeit, sofort was mit Wechseljahren zu tun haben. Und da gibt es eine Verwechslung. Und deshalb kommen Frauen in deinem Alter zu mir in die Sprechstunde mit der Frage „Bin ich schon in den Wechseljahren?“, weil erste hormonelle Veränderungen gemerkt werden. Und das kann ich dann klar verneinen. Es sind fünf bis 10 bis 15 Jahre vor den Wechseljahren, treten diese Veränderungen auf, aber es wird assoziiert. Im Geist wird assoziiert mit einer mit der Menopause und all dem Schreck.
Wo du gerade das Wort hattest, Menopause. Diese Hormon Ersatz Therapie, du nennst sie aber lieber Hormontherapie, muss.. also ich bin, bin ja noch nicht so alt, aber muss man die machen? Macht das jeder?
Da gibt es grundsätzlich andere Aussagen zu Also ich würde jeder Frau, die in die Menopause kommt oder da durchgegangen ist, empfehlen, die Hormontherapie zu benutzen, weil wir da nicht nur über Therapie von Beschwerden reden, sondern über Prävention von Erkrankungen. Da hat die Hormontherapie so was von klare, klare Zeichen abgelegt in den Studien, dass frau, wenn sie Hormontherapie nimmt, bestimmte Krankheiten seltener bekommt.
Zum Beispiel?
Herzinfarkt, Schlaganfall, Brustkrebs, Knochenbrüche. Also wie gesagt, man verhindert zum Beispiel Brustkrebs und man kriegt den nicht, man verhindert den Brustkrebs überhaupt. Dann Diabetes, also die meisten Diabetes Fälle der Frau fangen nach der Menopause an, weil Östrogen fehlt und dem kann man vorbeugen.
Jetzt sagst du, es schützt vor Krebs, aber wahrscheinlich hat der ein oder andere schon mal gehört Ne, das macht Krebs, was ein Mythos ist, der mal aufkam. Es ist aber alles nicht, hält sich scheinbar noch…
2002 gab es so eine schlechte Nachricht, die in die Welt hinaus gebrüllt wurde. Die hieß Hormonersatztherapie macht Krebs. Die Autoren der Studie haben ihre eigenen Aussagen zurückgenommen 14 Jahre später, also 2016. Und diese Nachricht, die ist noch nicht angekommen. Die Tatsache, dass es Gegenteil bewiesen wurde, das wird nicht gewusst. Und da ist die Aufgabe von uns Hormon-Coachen, das gewusst zu machen.
Ein schönes Kapitel, relativ weit hinten im Buch, ist Stress und seine Folgen, habe ich mich auch sofort wiedererkannt. Stress haben wir alle ganz viel, sei es an der Arbeit, Arbeit mit Familie und alles hinzukriegen. Es gibt so viele Arten von Stress. Wie können uns Hormone dabei helfen?
Es gibt ein Stresshormon. Es gibt das Hormon, das im Stress ausgeschüttet wird, das heißt Cortisol, und das ist ein existenzielles Hormon. Das setzt uns in die Lage dazu, im Stress, im existenziellen Stress ganz schnell wegzulaufen oder zu kämpfen. Fight or flight. Und dieses existenzielle Hormon ist eine Gnade, dass wir das haben. Und das wird immer bei Stress ausgeschüttet, auch wenn es nicht existenzieller Stress ist. Es hat aber Nebenwirkungen. Ein Hormon, was wir selbst ausschütten, hat unerwünschte Wirkungen, zum Beispiel im Hirn. Es, ich weiß nicht, ob du das auch kennst, wenn du Stress hast, dass du für bestimmte Dinge nicht mehr bewusst bist. Also besonders gut denken, kann man im Stress nicht. Die Wirkung kommt nicht nur vom Cortisol, sondern auch von den sogenannten Neurotransmittern. Aber das Hormon Cortisol würde Teile unseres Hirns verbrennen. Es wird Nervenverbindungen trennen. Und unser Körper ist so schlau, dass uns genau dafür, dass das nicht passiert, ein anderes Hormon gibt. Das heißt DHEA. Das heißt, es kommt von Stress. Wir müssen reaktiv dieses Cortisol ausschütten, weil dadurch Blutdruck ansteigt. Zucker wird zur Verfügung gestellt. Also alles Dinge, damit wir kämpfen können und um zu verhindern, dass der Gute existenziell durch Hormone im eigenen Körper Schaden anrichtet, wird gleichsinnig vom gleichen Organ, nämlich aus der Nebenniere, ausgeschüttet ein anderes Hormon namens DHEA. Ich habe das gerne immer den Finanzminister genannt, der einfach aufpasst, dass der Preis, den wir zahlen, nicht so hoch ist. Dieses Hormon ist. Gegenläufig, antagonistisch, wirksam zu dem Cortisol, zumindest was das Hirn angeht. Und deswegen kann man helfen, durch den Gegenspieler ein bisschen das Ganze in Schach zu halten.
Also ganz mit Stressreaktion uns anschauen aus eigenen Leben. Okay, was ist denn hier der Auslöser? Wie kann ich Stress vermeiden? Immer noch nicht geklappt hat? Dann lohnt sich das mal definitiv auch dahin zu schauen.
Also das, was du nennst, ist die beste Möglichkeit, also erst mal zu empfinden, wenn ich Stress habe. Zweitens sogenannte Stress-Coping Maßnahmen zu finden, die zu einem passen. Der eine braucht eher Meditation und ruhiges, der andere braucht Bewegung und sich austoben. Da sollte man seine individuellen Dinge finden. Aber wenn du mich fragst, ob man hormonell was machen könnte, dann kann man an der Stelle manchem helfen, wann das DHEA sich erschöpft. Das Cortisol erschöpft sich so gut wie nie, weil es in existentielles Hormon ist, aber das DHEA erschöpft sich. Und da kann man segensreich arbeiten, wenn man das sieht und verschreibt.
Das heißt das Buch Hormon Coaching, weil du sagst, es fehlt eigentlich ein Hormon-Coach. Schönes Beispiel, hast du gesagt, wenn man Diabetes diagnostiziert bekommt, dann geht man einmal zum Hausarzt, zum Endokrinologen, dann nimmt man irgendwas, dann geht man zum Ernährungsberater. Irgendwie hat das alles so einen, es nimmt seinen Lauf. Aber wenn ich jetzt merke, mit den Hormonen stimmt was nicht, dann bin ich da alleine.
Genau. Genau. Es geht darum Bewusstsein, das Bewusstsein an der Stelle zu schärfen. Und es geht darum, dass Frauen, die dieses Bewusstsein gerade erwachend spüren „Da ist doch was mit meinen Hormonen“, dass die Ansprechpartner haben, denn das haben sie in der üblichen Hausarztpraxis nicht, dann geht der nächste Weg zum Gynäkologen, da haben sie es auch nicht. Und wenn man dann immer noch keine Antwort bekommen hat, die einem hilft, dann geht man zum Endokrinologen. Da hat man es auch nicht. Das heißt, da ist ein Systemlücke und dafür möchte ich so gerne eine Gruppe von Menschen ausbilden, einfach eine Gruppe von Experten heranziehen, die zur Verfügung steht, um die ersten Fragen zu beantworten.
Wann wird es besser? Wie siehst du so die Zukunft?
Im Moment sehe ich ein Wach werden.
Ja, das ist schon mal was.
Ich sehe, dass ganz viele junge Allgemeinmediziner und sogar Gynäkologen wach werden und sagen „ich will mich darin ausbilden. Ich habe es im Studium, in der Facharztausbildung nicht gelernt.“ Im Moment nehme ich wahr, dass es besser wird. Aber es immer noch weit weg vom Bedarf. Deshalb ist das für mich so ein Thema, was ich mit Leidenschaft mache, weil ich denke, es gibt so viele Menschen, die keinen Ansprechpartner haben. Das ist ein nicht haltbarer Zustand für mich.
Was machen wir denn jetzt, wenn wir jetzt den Podcast gehört haben und gemerkt haben okay, da waren ja so ein paar Themen oder ich lese das Buch und merke, da sind ja noch mehr Themen, die kenne ich. Das könnte man ja mal checken lassen, ob da hormonell vielleicht ein Ungleichgewicht, Mangel oder was auch immer, herrscht. Wie, wie gehen wir vor? Was sind deine drei Tipps, die wir jetzt mitnehmen können, um aktiv zu werden? Weil es reicht ja nicht, einfach zum Hausarzt zu gehen.
Also da nehme ich den ersten einfachen Tipp Hormon Coach suchen auf meiner Seite www.hormoncoach.com und dann gibt es einen Button Hormon Coach suchen. Also ich würde aktiv jemanden suchen, der dieses Thema mit mir besprechen kann, wenn wir mal davon ausgehen, dass Frau das gerade schon gemerkt hat.
Auf dem Weg zum Merken, hätte ich noch zwei andere Dinge, Ratschläge für Frauen um die 35 und ältere. Wenn man unsicher ist, ob die Beschwerden, die man spürt, etwas mit den Hormonen zu tun hat, sollte man einen Menstruationskalender führen, die Beschwerde Tage ankreuzen und dann wird man feststellen, nach 3 bis 6 Monaten, ob es immer exakt zur selben Zyklus Phase kommt.
Und wenn das so ist, dann ist das der Beweis für hormonelle Beeinflussung meiner Symptome. Zweiter Tipp Frauen, die schon Kinder hatten, die Schwangerschaften haben, wissen, wie sie sich in Schwangerschaften gefühlt haben und wissen, ob bestimmte Beschwerden da waren oder nicht. Beispiel Migräne, Migräne Patientinnen, die sagen in der Schwangerschaft hatte ich nie welche. Das ist ein Hinweis darauf, dass diese Migräne dieser Patientin abhängig ist vom Progesteron. Denn in der Schwangerschaft, gerade im letzten Drittel, baden wir in einem Hormon Bad unglaublicher Stärke.
Ich werde immer nur genervt.
Dann können wir dich dann nicht mehr dabei…
Ja, aber das finde ich gut, mal drüber nachzudenken.
Der dritte Tipp geht in die gleiche Richtung, dass man schaut. Es gibt hormonelle Krisenzeiten und eins davon ist die Pubertät, das rein Zeitliche für jede Frau, dann schon die Menopause und dann gibt es Schwangerschaft, Stillzeit, Pilleneinnahme. Und mit meiner Frage, „seit wann?“ Wenn man die so innerlich sich stellt, kriegt man einen Bezug dazu, ob Beschwerden einen dieser Krisenzeiten zuzuordnen sind, und dann weiß man hier ist ein hormonelles Thema und kann dann den Spezialisten dafür aufsuchen.
Da habe ich noch eine Frage: Was, wenn der Spezialist oder mein Hausarzt sagen oder mich einfach nicht ernst nimmt? So zum Beispiel hat man eben, da muss man halt jetzt durch, das ist halt jetzt so.
Dann würde ich jemand anderen fragen. Also der Hausarzt mag richtig liegen. Mag nett sein und vertrauenswürdig, aber wenn mich jemand nicht ernst nimmt, dann nehme ich ihn auch nicht ernst an dem Punkt und suche mir jemanden anderen.
Ich gehe jetzt nach Hause und werde anfangen Tagebuch zu schreiben. Nehme ich mir jetzt fest vor, weil es ist ja relativ simpel und einfach und da kann man ins Handy eintragen und gucken, seit wann.
Genau.
Das sind zwei schöne Wörter, die werde ich mir merken.
Schön, wenn das den Effekt hat, freu ich mich.
Hast du noch was?
Sucht wenn ihr Fragen habt, Hormon-Coache auf, denn die habe ich ausgebildet dazu, an der Stelle sensibel zu sein. Und wenn mich jemand nicht ernst nimmt, das sollte immer Grund dafür sein, dem zu widersprechen. Wenn man von einem Arzt eine authentische Aussage kriegen möchte, dann ist die Frage: „Wie würden Sie handeln?“ Und wenn es jetzt ein Mann ist, muss man sagen: „Würden Sie das auch Ihrer Frau empfehlen?“ Ja, also man muss ihn auf seine eigene Betroffenheit runterholen und dann kriegt man eine authentische Antwort.
Ja, der ist richtig gut der Tipp.nMarianne, ganz, ganz lieben Dank. Und für alle weiteren Fragen kriegt man in deinem Buch beantwortet.
Gern geschehen. Danke für deine Fragen. Ja, ich hoffe, dass ganz viele Frauen auch so kleine Glühbirnen angeschaltet haben.
Also bei mir sind einige an, zu viele, muss ich sagen, die ich jetzt mal checken lasse von mir selbst
Das war KERNgesund für heute. Vielen Dank fürs Dranbleiben und Zuhören. Wenn ihr keine Folge verpassen wollt, dann abonniert doch den Kanal und lasst uns gerne eine Bewertung da. Und wenn ihr Fragen, Wünsche oder Anregungen habt, schreibt uns gerne eine Mail an audio@thieme.de
Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal.
Without Thieme Group's prior express written permission, the following use is strictly reserved: You shall not 1) use the content for commercial text and data mining as under § 44b German Copyright Act, i.e. use robots, spiders, scripts, service, software or any manual or automatic device, tool, or process designed to data mine or scrape the content, data or information from the service, product or content, or otherwise use, access, or collect the content, data or information using automated means; 2) use the content or any part thereof for the development of any software program, algorithm or other automated system, including, but not limited to, training a machine learning or artificial intelligence - AI - system, including generative AI.



