
Forscher*innen der Ludwig-Maximilians-Universität München haben mithilfe von Simulationen herausgefunden, dass großflächige Aufforstung nicht nur die globale Erwärmung senken, sondern auch die Überschreitungsdauer des 1,5°C-Ziels verkürzen könnte. Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial von Aufforstungsmaßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
Aufforstung als Mittel gegen den Klimawandel
Das Pariser Klimaabkommen hat das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Treibhausgasemissionen gesenkt und überschüssiges CO₂ aus der Atmosphäre entfernt werden. „Globale Aufforstung könnte tatsächlich einen wichtigen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels leisten“, erklärt Yiannis Moustakis, der die Studie mit Julia Pongratz geleitet hat. Ihr Team simulierte Aufforstungsszenarien und fand heraus, dass das Klima signifikant positiv beeinflusst werden könnte.
Modellierung mit über 1200 Szenarien
Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler*innen mehr als 1200 Szenarien aus sogenannten Integrated Assessment Models (IAMs). Diese Modelle kombinieren klimapolitische Maßnahmen mit Prognosen zur zukünftigen Entwicklung in den Bereichen Energie, Wirtschaft und Landnutzung. Das ambitionierte Szenario sieht eine Aufforstung von 595 Millionen Hektar bis 2060 und 935 Millionen Hektar bis 2100 vor. Die Forschenden legten besonderen Wert darauf, die Auswirkungen auf Biodiversität und Flächenverfügbarkeit zu berücksichtigen und entwickelten ein Modell, das für viele Länder weltweit umsetzbar wäre.
Positive Effekte auf die Temperatur
Die Ergebnisse der Simulationen zeigen, dass großflächige Aufforstung die globale Durchschnittstemperatur bereits ab dem Jahr 2052 spürbar senken könnte. die globale Spitzentemperatur könnte in der Mitte des Jahrhunderts durch Aufforstung um 0,08°C gesenkt werden, während die Endtemperatur am Ende des Jahrhunderts um 0,2°C niedriger ausfallen würde als ohne Aufforstung. Darüber hinaus würde die Dauer der 1,5-Grad-Überschreitung um etwa 13 Jahre verkürzt werden.
Kühlende Wirkung überwiegt lokale Erwärmungseffekte
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass die kühlende Wirkung durch CO₂-Aufnahme den leichten Erwärmungseffekten aufgrund von Veränderungen der Erdoberfläche überwiegt. Aufforstung beeinflusst physikalische Eigenschaften wie die Albedo und die Verdunstung, die in einigen Regionen zu geringfügigen Erwärmungen führen könnten. Die Simulationen zeigen jedoch, dass die positiven Effekte der CO₂-Bindung insgesamt dominieren.
Herausforderungen und Chancen
„Diese Ergebnisse zeigen, dass globale Aufforstung tatsächlich einen wichtigen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels leisten kann, wenn sie im großen Stil angewendet wird“, sagt Moustakis. „Sie ist aber kein Allheilmittel und muss in einem umfassenderen Rahmen betrachtet werden, der sozioökonomische Auswirkungen gleichermaßen berücksichtigt. Einen Wald zu pflanzen, könnte einerseits Arbeitsplätze und Einkommen schaffen und Ökosystemdienstleistungen begünstigen, aber es könnte den Menschen auch ihre Lebensgrundlage entziehen, die Armut verschärfen, Menschen finanziell oder räumlich vertreiben und lokale Nahrungsnetzwerke beeinträchtigen.“
Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München


