
Welchen Einfluss Hypnose auf die körperliche Leistungsfähigkeit hat, untersuchte die Psychologin Dr. Barbara Schmidt von der Uni Jena. Im Ergebnis zeigte sich:
- Mithilfe von Hypnose kann nicht nur das subjektive Stärkegefühl gesteigert werden, sondern auch die objektive Stärke. Und das mit langanhaltender Wirkung.
- Dies kann sich für den Leistungssport als auch für den Genesungsprozess von Patient*innen nutzen lassen.
Kraftreserven im Sport mobilisieren durch Hypnose
Ob sich Kraftreserven im Sport durch Hypnose mobilisieren lassen, dieser Frage ist Barbara Schmidt in ihrer Hypnose-Studie nachgegangen. Dafür hat sie zunächst mit deutschen Profi-Biathleten am Olympiastützpunkt im Schwarzwald während Hypnose-Sitzungen einen sog. Kraftanker entwickelt, der die Kraftreserven z.B. beim Endpurt bei den Sportlern herausgekitzelt hat. „Die Sportler sollten ihr Kraftgefühl an einen posthypnotischen Anker binden, den sie dann bei Bedarf, also v.a. im Rennen, aktivieren konnten“, erklärt Schmidt.
Hierzu sollten sich die Athleten während der Hypnosesitzung vorstellen, dass sie das Stern-Item aus dem Konsolen-Spiel „Super Mario Kart“ aktivieren. Der Stern macht den Spieler für kurze Zeit sehr schnell und unverwundbar, was visuell durch buntes Blinken und auditiv durch eine bestimmte Melodie angezeigt wird.
„Die Athleten dachten also im Rennen an ihren Super Mario Stern und das daran geknüpfte Gefühl der Stärke und Unverwundbarkeit, das sie in Hypnose an diesen Anker geknüpft haben“, erklärt die Psychologin. Und das mit Erfolg. „Sie konnten sozusagen ihre innere Kraft entfesseln.“
Mehr Muskelkraft durch Hypnose
Denselben Kraftanker nutzte Schmidt auch bei Hypnosesitzungen in ihrer aktuellen Studie, um zu überprüfen, ob Hypnose die Muskelkraft tatsächlich beeinflussen kann. Dafür verglich sie die Griffkraft der Hand von insgesamt 48 Studienteilnehmer*innen vor, unmittelbar nach und eine Woche nach Hypnose. Die Hälfte der Teilnehmenden erhielt eine 40-minütige Hypnosesitzung. Die Kontrollgruppe las im selben Zeitraum die Autobiografie „Total Recall“ von Arnold Schwarzenegger.
Schmidt und ihr Forschungsteam nutzten ein Hand-Dynamometer, um die Handgriffkraft der Studienteilnehmer*innen objektiv zu messen. Diese Messungen fanden zu Studienbeginn und nach der Hypnosesitzung bzw. Buchlesung statt. Eine Woche später wurde die Handgriffkraft wieder vor und nach der Aktivierung des posthypnotischen Kraftankers gemessen. Zur Einordung des subjektiven Stärkegefühls nutzte Schmidt eine Skala von 0 bis 100, nach der sich die Teilnehmenden selbst einschätzen sollten.
Das Ergebnis: Die Hypnosegruppe fühlte sich nach der Aktivierung des Kraftankers nicht nur subjektiv stärker als die Kontrollgruppe. Sie wies auch eine Woche nach der Hypnosesitzung eine objektiv stärkere Griffkraft auf.
"Hypnose führt also offenbar nicht nur zu einer Veränderung des mentalen Zustands, sie bewirkt in Folge auch Änderungen auf der physiologischen Ebene", so Schmidt.
Hypnose für Leistungssport und Genesungsprozesse nutzen
Diese Erkenntnis könne man für den Profisport nutzen, um die Leistungsfähigkeit der Sportler*innen zu erhöhen. Andererseits empfiehlt Schmidt, Hypnose als nicht-invasive Methode auch für den Genesungsprozess bei Patient*innen als Ansatz in Betracht zu ziehen, beispielsweise bei der Behandlung von ME/CFS. Das chronische Erschöpfungssyndrom hat insbesondere im Zusammenhang mit Long COVID zugenommen, es gibt noch keine kausale Therapie.
„Wir können mithilfe von Hypnose und eines entsprechenden posthypnotischen Kraftankers unsere innere Kraft entfesseln und damit unsere Gesundheit positiv beeinflussen“, so das Fazit der Psychologin.
Quelle: Universitätsklinikum Jena


