
Eisenmangel häufiges Problem bei Herzinsuffizienz
Eisenmangel und Anämie treten bei Patient*innen mit Herzmuskelschwäche häufig auf. Studien ergaben: Bei linksventrikulärer Herzinsuffizienz und verminderter systolischer Auswurffraktion (45 % oder niedriger) profitieren diese Patient*innen, wenn ihr Eisenmangel durch die intravenöse Gabe von Eisen behandelt wird. Es verbesserten sich sowohl die Lebensqualität als auch die Prognose.
Geschlechterspezifik bei intravenöser Eisengabe
Doch dabei gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Das konnten Prof. Mahir Karakas und sein Team in einer getrennten Analyse der Daten von Männern und Frauen der FAIR-HF2-Studie zeigen:
- Von den 1105 Teilnehmenden (737 Männer und 368 Frauen), die nach dem Zufallsprinzip entweder i.v. Eisencarboxymaltose oder Placebo erhalten hatten, profitierten prognostisch nur die Männer.
- Bei ihnen wurde der kombinierte primäre Endpunkt der Studie aus Herz-Kreislauf-bedingtem Tod und einer Klinikbehandlung wegen Herzinsuffizienz signifikant um 26 % gesenkt.
- Bei den Frauen, die die Eisensubstitution erhalten hatten, war dagegen dieser primäre Endpunkt sogar eher etwas häufiger (nicht signifikant um 7 %).
- Es deutete sich bei den Frauen zudem ein erhöhtes Sterberisiko unter der Eisensupplementierung an (nicht signifikant um 46 %). Dies, obwohl die Frauen symptomatisch und funktionell durchaus über Verbesserungen berichteten.
Klare prognostische Vorteile nur für Männer
“Die Eisentherapie hat bei Herzinsuffizienz viele Vorteile, aber diese Ergebnisse legen nahe, dass die prognostische Wirksamkeit einer intravenösen Eisensubstitution bei Herzinsuffizienz erheblich vom Geschlecht abhängt”, ordnet Prof. Mahir Karakas vom Uniklinikum Hamburg Eppendorf die Ergebnisse ein.
Die Datenanalyse liefere damit klinisch hochrelevante Belege für eine personalisierte Therapie der Herzinsuffizienz und bestehendem Eisenmangel. Die Geschlechtsspezifik müsse künftig systematisch in Studien und Leitlinien einbezogen werden.
Präklinische Daten deuteten Geschlechter-Unterschiede an
Eine Erklärung für die geschlechtsspezifische Wirksamkeit von Eisen haben Karakas und sein Team bislang nicht. Die Männer und Frauen in der FAIR-HF2-Studie waren in einem ähnlichen Alter, im Schnitt 70 bzw. 69 Jahre alt, die meisten Frauen damit in der Postmenopause. Sie waren im Schnitt „gesünder“ und hatten weniger Begleiterkrankungen als die Männer. Es waren für sie sogar eher vorteilhaftere Ergebnisse als für die männlichen Teilnehmer erwartet worden.
„Allerdings gibt es bereits präklinische Daten, die auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Eisen-Homöostase, also der Balance der Eisenspiegel, der Hormonregulation und von Entzündungsprozessen hinweisen“, so Karakas.
Auszeichnung für geschlechterspezifische Forschung
Prof. Mahir Karakas hat für die Forschungsarbeit in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten Martina Grote-Wissenschaftspreis „Frauenherzen“ der Deutschen Herzstiftung erhalten. Er hat als Initiator und Hauptautor einer Auswertung der klinischen Studie FAIR-HF2 erstmals gezeigt, dass eine in den Leitlinien empfohlene Therapie bei Herzinsuffizienz bei Männern und Frauen unterschiedlich wirksam ist.
Für Martina Grote, Stifterin und Namensgeberin des Wissenschaftspreises, machen die Ergebnisse einmal mehr deutlich: „Es gibt ganz offensichtlich bedeutsame und für die Behandlung relevante Unterschiede zwischen Männer- und Frauenherzen. Dies zeigt, wie wichtig die Forschung auf diesem Gebiet ist, um langfristig durch personalisierte geschlechterspezifische Therapien optimale Behandlungsergebnisse für Männer und Frauen zu erzielen.“
Quelle: sb/Deutsche Herzstiftung
- Mahir Karakas et al. Intravenous ferric carboxymaltose in heart failure with iron deficiency (FAIR-HF2 DZHK05 trial): Sex-specific outcomes. European Journal of Heart Failure 2025; https://doi.org/10.1002/ejhf.3742
- Anker SD et al. Intravenous Ferric Carboxymaltose in Heart Failure With Iron Deficiency – The FAIR-HF2 DZHK05 Randomized Clinical Trial. JAMA 2025; doi.org/10.1001/jama.2025.3833


