
Das Essen in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist ungesund und klimaschädlich. Das zeigt eine in The Lancet Planetary Health veröffentlichte Studie.
Die Forschenden stellten fest:
- Die Verpflegung in den untersuchten Einrichtungen enthält zu wenig gesunde, pflanzliche Lebensmittel und zu viele ungesunde und umweltschädliche Optionen.
- Damit sind die angebotenen Mahlzeiten weder förderlich für die individuelle noch für die planetare Gesundheit.
Zu wenig pflanzliche Kost, zu viel Weißmehl, Zucker, Salz
In der Studie wurde untersucht, wie gesund und umweltfreundlich das Nahrungsangebot in Gesundheitseinrichtungen ist. Das internationale Forschungsteam analysierte dafür die Speisepläne und Einkaufsdaten von 2 Krankenhäusern und 3 Pflegeheimen durchschnittlicher Größe in Deutschland. Die Verpflegung in den untersuchten Einrichtungen ähnelt vermutlich dem Angebot in vielen Gesundheitseinrichtungen in westlichen Ländern.
"Wir haben festgestellt, dass die Mahlzeiten zu wenig gesunde pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte enthalten – und gleichzeitig zu viele Weißmehlprodukte, zugesetzten Zucker, Salz und gesättigte Fette", sagt Hauptautorin Dr. Lisa Pörtner von der Charité Berlin. "Das führt dazu, dass Ernährungsqualität und Nährstoffangebot zu gering ausfallen."
- In allen untersuchten Einrichtungen enthielten die Mahlzeiten deutlich weniger als die empfohlene Tagesmenge essentieller Nährstoffe wie Folsäure, Kalium und Vitamin B6.
- In Pflegeheimen kam noch eine unzureichende Eiweißversorgung hinzu.
"Kalorien aus vollwertigen, pflanzlichen Lebensmitteln machten in allen Einrichtungen weniger als ein Fünftel der Energiezufuhr aus – deutlich unter den 80 Prozent, die zum Beispiel die Planetary Health Diet empfiehlt", so Pörtner weiter. Gleichzeitig lieferten Weißmehlprodukte mehr als 20 Prozent der Kalorien, und rotes Fleisch trug zwischen 10 und 17 Prozent bei – was insgesamt zu einer schlechten Ernährungsqualität führt.
Tierische Produkte, insbesondere rotes Fleisch und Milchprodukte, tragen zudem maßgeblich zu den negativen Auswirkungen auf die Umwelt bei. Das betrifft etwa zu hohe Treibhausgasemissionen, einen zu großen Flächenverbrauch oder Wasserverschmutzung.
Verpflegung trägt zum Klimawandel bei
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Essen in den untersuchten Einrichtungen ein Gesundheitsrisiko darstellen kann, wenn es über längere Zeiträume konsumiert wird", erklärt Nathalie Lambrecht von der Stanford University. "Denn ungesunde Ernährung ist eine Hauptursache chronischer Erkrankungen. Dabei sollten gerade Gesundheitseinrichtungen ein Vorbild für gesunde Ernährung sein. Darüber hinaus trägt die Verpflegung in ihrer jetzigen Form zur Umweltzerstörung und zum Klimawandel bei – was wiederum die Gesundheit bedroht."
Ernährung in Gesundheitseinrichtungen muss dringend verändert werden
Die Autorinnen kommen zu dem Schluss: Die Verpflegung in Pflegeheimen und Krankenhäusern muss grundlegend verändert werden, um sowohl die Gesundheit der Menschen als auch die des Planeten zu schützen.
Beide Ziele lassen sich durch ähnliche Maßnahmen erreichen:
- mehr gesunde, pflanzliche Lebensmittel
- Reduktion des übermäßigen Verzehrs tierischer Produkte.
Die Studie empfiehlt verpflichtende Standards für eine gesunde und umweltfreundliche Ernährung in Gesundheitseinrichtungen sowie regelmäßige Untersuchungen der Ernährungsqualität und der ökologischen Auswirkungen als zentrale Hebel, um die Gesundheit zu fördern und gleichzeitig die Umwelt zu schützen.
Die deutsche Bundesregierung hat zwar im vergangenen Jahr eine Ernährungsstrategie veröffentlicht, in der auch eine Verbesserung der Verpflegung in Gesundheitseinrichtungen genannt wird. Konkrete politische Maßnahmen stehen bislang jedoch aus.
Die Autorinnen betonen, dass die Verantwortung nicht allein bei den Einrichtungen liegt, die in den letzten Jahren unter zunehmendem, u.a. finanziellem Druck standen. "Politik und Gesundheitsversorger müssen die Qualität der Verpflegung dringend priorisieren, klare Standards setzen und die bestehenden Datenlücken schließen, um in Zukunft eine Versorgung mit gesunden Mahlzeiten zu gewährleisten – ohne dem Planeten zu schaden", sagt Pörtner.
Das Projekt wurde gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Quelle: Potsdam Institut für Klimafolgenforschung


