
Ein Forscherteam des LMU-Klinikums hat gemeinsam mit dem Bundesamt für Risikobewertung eine Studie zu den Auswirkungen von tabakfreien Nikotinbeuteln durchgeführt: Die Untersuchung zeigt, dass die Pouches hohe Nikotinmengen abgeben können. Bei einigen untersuchten Produkten gaben sie sogar höhere Dosen ab als bei Tabakzigaretten.
Studie
In der 1-armigen, 5-teiligen Cross-Over-Studie mit 15 regelmäßigen Zigarettenrauchern wurden tabakfreie Nikotinbeutel verschiedener Marken mit deklarierten Nikotingehalten von 6, 20 und 30 Milligramm für jeweils 20 Minuten getestet. Vergleichsprodukte waren nikotinfreie Beutel und Tabakzigaretten.
Über einen Zeitraum von 240 Minuten wurden zu festgelegten Zeitpunkten die Plasma-Nikotinkonzentrationen, die Auswirkungen auf das Verlangen nach Zigaretten und Nebenwirkungen bewertet. Zusätzlich wurden kardiovaskuläre Parameter wie die arterielle Gefäßsteifigkeit gemessen.
Teils höhere Nikotinaufnahme bei tabakfreien Nikotinbeuteln
Die Ergebnisse zeigen:
- Der Konsum von 30 Milligramm Nikotinbeuteln führte zu einer höheren Nikotinaufnahme im Vergleich zur Zigarette (Cmax: 29,4 vs. 15,2 ng/mL; AUC: 45,7 vs. 22,1 ng/mL × h).
- Die Nikotinaufnahme in der akuten Phase erfolgte sowohl bei der Verwendung des 30 Milligramm Beutels als auch bei der Zigarette sehr schnell.
- Die Extraktionsrate des Nikotins variierte zwischen den Beuteln.
- Alle getesteten Produkte reduzierten das akute Verlangen nach Zigaretten, sogar die nikotinfreien Beutel.
- Während des Konsums der Zigarette und der Beutel mit 20 und 30 Milligramm Nikotin stieg die Herzfrequenz um etwa 27 bzw. 25 Schläge pro Minute an. Auch die Parameter für die arterielle Gefäßsteifigkeit waren erhöht.
- Alle getesteten Beutel führten zu Mundreizungen.
Insgesamt zeigen fast alle untersuchten Produkte eine der Zigarette sehr ähnliche Nikotinanflutung und -abgabe. Es müsse deshalb von einem hohem Suchtpotenzial der untersuchten Nikotinbeutel ausgegangen werden, so Dr. Tobias Rüther von der Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit am LMU-Klinikum.
Suchtforscherin Dr. Andrea Rabenstein befürchtet, dass die Nikotinbeutel zu einem ernsthaften Problem werden können: „Neben der Entwicklung einer Abhängigkeit von Nikotin ist natürlich dadurch der Einstieg in das Konsumieren weiterer Nikotinprodukte oder Tabakzigaretten stark zu befürchten.“
Hintergrund
Neben den klassischen Zigaretten werden viele neue nikotinhaltige Produkte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer und tabakfreie Nikotinbeutel, sog. Pouches, angeboten. Letztere sind als tabakfreie mit Nikotin getränkte Pflanzenfaserbeutel, trotz ihres Verbots in Deutschland, beim Konsumenten angekommen. Aufgrund ihrer Anwendung unter der Lippe sind sie unauffällig und überall einsetzbar. In vielen europäischen Ländern sind diese Nikotinbeutel bereits legal erhältlich. Auch in Deutschland sind sie v.a. bei Jugendlichen weit verbreitet.
Quelle: LMU Klinikum


