
Erkrankungen der Blutgefäße wie Thrombosen und Bauchaorten-Aneurysmen beruhen auf gemeinsamen zellulären Pathomechanismen im Gefäßsystem. Das konnten Forschende der Uni Düsseldorf nachweisen.
Demnach kann die Interaktion verschiedener Blutzellen sowohl zur Entstehung einer Thrombose als auch eines Bauchaortenaneurysmas führen: Die CD36–TSP-1-vermittelte Interaktion von Thrombozyten und Erythrozyten ist unmittelbar an der Bildung beider Erkrankungen beteiligt.
Das Verständnis der molekularen Ursachen eröffnet neue Möglichkeiten für innovative und gezielte Therapieansätze. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Circulation Research publiziert.
Hintergrund: Wie Thrombosen und Aneurysmen entstehen
Die Aktivierung von Thrombozyten (Blutplättchen) ist für die Blutstillung lebenswichtig. Gerät dieser Prozess außer Kontrolle, können Thrombosen (Blutgerinnsel) entstehen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen. Diese kardiovaskulären Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen.
Neben Thrombozyten können auch die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) gerinnungsfördernde Eigenschaften entwickeln. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel der beiden Zelltypen: Durch direkten Kontakt verstärken sie sich gegenseitig in ihrer gerinnungsfördernden Wirkung. Bereits 2018 konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Margitta Elvers einen Fas-Ligand-Fas-Rezeptor-vermittelten Signalmechanismus zwischen Thrombozyten und Erythrozyten identifizieren, der die gerinnungsfördernde Aktivität beider Zellen hervorrufen kann.
Bauchaortenaneurysmen entstehen hingegen durch eine fortschreitende Schwächung der Gefäßwand, häufig infolge von Arteriosklerose. Kommen anhaltende Entzündungsprozesse hinzu, kann die Wand der Hauptschlagader im Bauchraum geschwächt werden und sich krankhaft erweitern. Ein abdominales Aneurysma, also ein Aneurysma der Bauchaorta, liegt vor.
Da ein abdominales Aortenaneurysma meist lange Zeit keine Beschwerden verursacht, wird es häufig erst erkannt, wenn es zu einer plötzlichen und lebensbedrohlichen Ruptur der Aorta kommt. Medikamentöse Behandlungsoptionen stehen bislang nicht zur Verfügung. Derzeit kann nur eine Operation das Risiko eines lebensbedrohlichen Aortenrisses senken.
Wechselwirkung zwischen Thrombozyten und Erythrozyten
In ihrer Untersuchung konnte das Team um Prof. Margitta Elvers zeigen: Eine spezifische Wechselwirkung zwischen Thrombozyten und Erythrozyten, vermittelt über die Proteine CD36 und TSP-1, eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten beider Erkrankungen spielt. In experimentellen Mausmodellen waren Tiere, bei denen diese Signalachse gezielt unterbrochen wurde, sowohl vor Thrombosen als auch vor Bauchaorten-Aneurysmen geschützt.
„Diese Ergebnisse sind von besonderer klinischer Bedeutung, da sie erstmals einen gemeinsamen molekularen Ansatzpunkt für zwei bislang unterschiedlich behandelte Erkrankungen aufzeigen“, so Elvers. „Die gezielte Hemmung der CD36–TSP-1-Achse könnte langfristig die Entwicklung medikamentöser Therapien ermöglichen, die das Fortschreiten von Bauchaorten-Aneurysmen bremsen und gleichzeitig das Risiko von Thrombosen reduzieren.“
Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


