Nackenschmerzen3 mal 3 gegen Nackenschmerzen: Aktiv gegen Quälgeister im Genick

Unspezifische Nackenschmerzen sind häufig der Hinweis unseres Körpers für zu wenig Bewegung, zu viel Anspannung oder zu wenig Erholung. 3 Übungen für einen schmerzfreien Nacken.

Inhalt
Junge Frau am Schreibtisch hat die Hand am Nacken
K. Oborny/Thieme - Posed by a Model.
Ein schmerzhafter Nacken profitiert am meisten von gut kontrollierten, einfachen Übungen.

Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparats. Fast jeder zweite Erwachsene erlebt im Laufe des Lebens mindestens einmal schmerzhafte Verspannungen der Hals-Nacken-Muskulatur. Trotz ihrer Häufigkeit bestehen oft Unsicherheit und Sorge: Woher kommen die Schmerzen? Sind sie gefährlich? Und was kann man selbst sinnvoll tun?

Was sind Nackenschmerzen?

Als Nackenschmerzen bezeichnet man Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule, der umgebenden Muskulatur, der Schulter-Nacken-Region sowie angrenzender Strukturen. Die Schmerzen können lokal auftreten oder in Kopf, Schultern oder Arme ausstrahlen. Häufig berichten Betroffene über Steifheit, eingeschränkte Beweglichkeit oder Spannungsgefühl. Viele spüren es am Arbeitsplatz, im Auto oder auf dem Fahrrad. Sind die Beschwerden da, wird jede weitere Minute am Computer zur Qual. Rückwärts einparken wird zum Glücksspiel, der Schulterblick auf dem Rad kann zu einem gefährlich wackeligen Unterfangen werden, weil der Kopf sich nicht mehr schmerzfrei zur Seite drehen lässt.

Zum Glück handelt es sich in einer deutlichen Mehrzahl der Fälle um sogenannte unspezifische Nackenschmerzen. Das bedeutet, dass keine eindeutig nachweisbare strukturelle Ursache wie ein Bandscheibenvorfall, eine Fraktur oder eine entzündliche Erkrankung vorliegt. Aktuelle Leitlinien und Übersichtsarbeiten gehen davon aus, dass rund 70–80 % der Nackenschmerzen unspezifisch sind. Diese Art von Beschwerden ist in der Regel ungefährlich, auch wenn sie als sehr unangenehm erlebt werden.

Unspezifisch heißt nicht eingebildet!

Wenn von unspezifischen Nackenschmerzen die Rede ist, bedeutet das nicht, dass es keine Ursache gibt. Es heißt lediglich, dass keine eindeutig nachweisbare Schädigung wie ein Bandscheibenvorfall, eine Entzündung oder ein Bruch vorliegt. Die Schmerzen sind real – auch ohne relevanten Befund im Röntgen oder MRT.

Bei den meisten Betroffenen entsteht der Nackenschmerz durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Häufige Auslöser sind längeres Sitzen, wenig Abwechslung in den Bewegungen, einseitige Belastungen oder Phasen erhöhter Anspannung. Stress, Zeitdruck und Schlafmangel können die Muskelspannung zusätzlich erhöhen und das Nervensystem empfindlicher machen. Dann schaltet der Körper auf „Schutzmodus“: Muskeln verspannen sich, Bewegungen werden vorsichtiger ausgeführt oder ganz vermieden – und genau das kann die Beschwerden aufrechterhalten.

Wichtig ist: Diese Prozesse sind gut erklärbar und vor allem veränderbar. Nackenschmerzen sind nicht zwingend ein Zeichen von Verschleiß, sondern häufig der nachdrückliche Hinweis unseres Körpers, dass er zu lange zu wenig Bewegung, zu viel Anspannung oder zu wenig Erholung hatte.

Diese Signale verlangen nach mehr Aufmerksamkeit

Wie Sie sehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass auch Ihre Nackenbeschwerden schmerzhaft, aber nicht bedrohlich sind. Die meisten Nackenschmerzen sind unproblematisch. Es gibt jedoch Anzeichen, bei denen eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Dazu gehören:

  • anhaltende oder zunehmende Schmerzen über mehrere Wochen
  • starke nächtliche Schmerzen
  • Fieber, ungeklärter Gewichtsverlust oder ausgeprägte Müdigkeit
  • Taubheitsgefühle, Kraftverlust oder Koordinationsprobleme

Treten solche Symptome nicht auf, ist es in der Regel sinnvoll, aktiv zu bleiben und selbst etwas zu tun.

Wichtigster Wirkstoff gegen Nackenschmerzen: Bewegung

Ganz sicher kostet dieser Schritt etwas Überwindung. Wenn Sie sich mit Bewegung von Schmerzen befreien möchten, braucht es eine ordentliche Portion Selbstvertrauen. Denn die meisten von uns kennen Schmerz als eine „Schadensmeldung“. So entsteht die Angst, den Schaden durch falsche Aktivität noch zu vergrößern.

Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass unser Körper das Schmerzsignal auch nutzt um uns vor drohenden Schäden, besonders durch Bewegungsmangel zu warnen. Deshalb ist es enorm wichtig, dass Sie wieder in Bewegung kommen. Das können schon kleine Haltungsänderungen am Arbeitsplatz sein, ein Spaziergang oder die unterlassene Fahrstuhlfahrt. Studien zeigen deutlich, dass allgemeine Bewegungsprogramme, die noch gar nicht direkt auf den Nacken zielen, schon großartige Ergebnisse liefern und die lästigen Schmerzen senken.

Do's und Dont's bei Nackenschmerzen

3 Do’s – was im Alltag hilft
  1. In Bewegung bleiben – Regelmäßige, sanfte Bewegung. Entdecken Sie Gelegenheiten (Treppe statt Fahrstuhl) und gönnen Sie Ihrem Körper „Bewegungssnacks“.
  2. Haltungsvielfalt statt Starre – Haltungsänderungen, kurze Bewegungspausen und der Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen entlasten den Nacken nachhaltig.
  3. Stress und Spannung bewusst wahrnehmen – Kurze Atempausen, bewusstes Lockerlassen der Schultern oder kleine Entspannungsrituale helfen, die Daueranspannung zu reduzieren.
3 Don’ts – was eher schadet
  1. Schmerzen ignorieren oder „durchhalten“ – Stundenlanges Verharren in schmerzhaften Positionen verschärft Beschwerden häufig.
  2. Übermäßig dehnen – Starkes Ziehen oder ruckartiges Dehnen sind nicht hilfreich. Sanfte, kontrollierte Bewegungen sind nachhaltiger und besser verträglich.
  3. In Schonung oder Angst verfallen – Aus Sorge vor Schaden Bewegung zu vermeiden, führt oft zu mehr Steifheit und Spannung. Suchen Sie lieber einen sanften Einstieg in ein gut dosiertes Training.

3 Übungen für einen gesunden Nacken

Für den Einstieg in das Übungsprogramm gilt: Starten Sie ruhig und langsam. Wenige Wiederholungen, kleine Bewegungen und ruhiges Tempo reichen aus. Leichte bis mäßige Reaktionen während oder nach dem Üben sind normal, solange sie sich innerhalb von 24 Stunden wieder beruhigen. Regelmäßigkeit ist sehr viel wichtiger als Intensität – schon kurze, häufige Einheiten wirken positiv. Achten Sie auf eine ruhige Atmung.

Bleiben Sie dem sanften Training treu. Auch wenn es Ihnen zunehmend besser geht, profitiert der Nacken am meisten von gut kontrollierten, einfachen Übungen. Lassen Sie sich nicht von „Bewegungsgeräuschen“ irritieren. Wenn Sie die Kopf–Hals–Schulterregion bewegen können auch mal Geräusche im Körper entstehen. Sind sie nicht mit unmittelbaren Schmerzen verbunden, dürfen Sie sie ignorieren.

Ausgangsstellung

Sie sitzen auf einem Stuhl. Ihre Knie stehen mehr als hüftbreit auseinander. Die Füße befinden sich unter den Knien.

Vorbereitung

  • Richten Sie Ihren Brustkorb auf und ziehen Sie Ihr Kinn leicht zurück.
  • Führen Sie einen Arm hinter den Körper und berühren Sie mit dem Handrücken die gegenüberliegende Taille.
  • Legen Sie die Hand des anderen Armes an Ihren Hinterkopf.

Bewegungsausführung

Ziehen Sie beide Schultern tief und lassen Sie den Nacken schön lang werden. Bringen Sie die Ellenbogen etwas weiter nach hinten. Geben Sie sanften Druck mit dem Hinterkopf in die obere Hand und spüren Sie, wie Ihr Oberkörper sich aufrichtet. Wichtig: Ziehen Sie das Kinn sanft ein und lassen Sie Ihren Nacken lang werden.

Atmen Sie an diesem Punkt der Bewegung ein. Lösen Sie nun den Druck des Kopfes in die Hand, während Sie ausatmen, und gestatten Sie sich etwas Entspannung. Machen Sie 12 Wiederholungen und wechseln Sie dann die Arme.

Trainieren Sie mit beiden Seiten 2-mal 12 Wiederholungen.

Bitte beachten: Bleiben Sie bei dieser Übung in Ihrem Atemfluss und lockern Sie zwischen den Sätzen Schultern und Arme.

Variante: Sie können die aufrechte Position mit dem sanften Druck des Kopfes in die Hand auch für 2 bis 3 Atemzüge halten. Und die Bewegung am Anfang 3- bis 5-mal wiederholen.

Wirkung

  • Sie aktivieren Ihre tiefen Nackenbeuger (besonders: M. longus colli). Das entlastet die Halswirbelsäule und den Nacken!
    Sie kräftigen Ihre Rückenstrecker und verbessern Ihr Gespür für eine aufrechte Haltung.
  • Genießen Sie eine vertiefte Atmung.

Ausgangsstellung

Diese Übung funktioniert im Sitz wie im Stand. Wichtig ist, dass Sie Ihren Brustkorb aufrichten und die Schultern locker fallen lassen.

Vorbereitung

  • Legen Sie eine Hand mit der Zeigefingerkante an die gegenüberliegende Halsseite.
  • Nehmen Sie einen guten, aber angenehmen Kontakt mit dem unteren Teil der seitlichen Halsmuskeln (Mm. scaleni) auf.
  • Der Daumen ist abgespreizt.
  • Ziehen Sie Ihr Kinn sanft ein.

Bewegungsausführung: Bewegen Sie Ihren angewinkelten Arm – minimal – nach unten und außen. Das verstärkt den Kontakt der Zeigefingerkante mit der Halsmuskulatur. Drehen Sie den Kopf ganz sanft über die Hand. Das Kinn bleibt eingezogen. Spüren und respektieren Sie unbedingt Bewegungs- und Spannungsgrenzen Ihres Körpers! Verringern Sie den Kontakt zwischen Finger und Hals, während der Kopf in die Mittelstellung zurückgeht.

Üben Sie 3 mal 15 Wiederholungen zu jeder Seite.

Bitte beachten: Konzentrieren Sie sich gut bei dieser Übung und nehmen Sie sich viel Zeit für die Wahrnehmung.

Wirkung

  • Sie trainieren kontrollierte Bewegungen von Kopf und Halswirbelsäule.
  • Zusätzlich werden Ihre seitlichen Halsmuskeln entspannt. Das entlastet den Nacken.
  • Sie können wieder befreit über die Schulter blicken.

Ausgangsstellung

Sie stehen, die Beine hüftbreit auseinander, eine knappe Armlänge von einer Wand oder Tür entfernt.

Vorbereitung

  • Legen Sie Ihre Handflächen auf Augenhöhe an die Wand. Ihre Fingerspitzen zeigen nach oben.
  • Gehen Sie langsam in die Kniebeuge, bis Ihr oberer Rücken angenehm gestreckt ist.
  • Ihr Kinn ist sanft eingezogen, der Nacken ist lang.

Bewegungsausführung: Ziehen Sie Ihre Schultern tief und lösen Sie eine Hand von der Wand. Halten Sie den gestreckten Arm für die 3 Sekunden von der Wand entfernt. Führen Sie nun die Hand zurück und lösen Sie die andere.

Heben Sie jede Hand 6-mal ab und machen Sie 3 Durchgänge.

Bitte beachten: Zwischen den Durchgängen können Sie die Übungsposition verlassen und die Schultern und den Rücken lockern.

Hinweis: Eine leichte Abhebebewegung der Hand reicht schon aus, um die gewünschten Erfolge zu erzielen! Achten Sie auf eine saubere Ausführung.

Wirkung

  • Sie aktivieren sehr stark Ihre Rückenstrecker und die Schultermuskeln.
  • Ihre Brustwirbelsäule wird ordentlich gestreckt. Das verbessert Ihre Haltung und entlastet den Nacken.

Arndt Fengler ist begeisterter Physiotherapeut, Lehrer für kinesiologisches Taping und Faszien-Therapie sowie Buchautor. Er lebt und arbeitet in der Schweiz.

Web: www.arndtfengler.ch

Youtube: @carmelaundarndtfengler