Rhizarthrose4 Übungen bei Rhizarthrose

Solange es möglich ist, muss das Daumensattelgelenk beweglich gemacht oder gehalten werden. Physiotherapeutin Daniela Neye hat 4 Übungen. 

Frau umfasst mit der linken Hand den rechten Daumen
H. Münch/Thieme
Rhizarthrose führt zu Funktionsbehinderungen zunächst des Daumens, in der Folge aber der ganzen Hand.

Arthrose im Daumensattelgelenk

Die Rhizarthrose ist die häufigste Arthrose-Form an der Hand. Sie tritt meist ab dem 50. Lebensjahr auf, bei Frauen wesentlich häufiger als bei Männern. Auch hier stehen Hormonveränderungen in den Wechseljahren im Verdacht, die Arthrose zu begünstigen, die Bänder zu lockern und damit das Gelenk instabil werden zu lassen.

Obgleich man es vermuten könnte, hat sich ein Zusammenhang zwischen schwerer körperlicher Arbeit und der Entstehung von Rhizarthrose nicht bestätigt. Es zeigte sich lediglich ein erhöhtes Risiko bei Arbeiten mit sich wiederholenden, monotonen Bewegungen des Daumens ohne Pausen.

Das Daumensattelgelenk sitzt an der Basis des Daumens in der Nähe des Handgelenks und wird wegen seiner Form Sattelgelenk genannt. Hier werden die wichtigsten Daumenbewegungen ausgeführt: den Daumen den Fingern gegenüberzustellen und den Daumen abspreizen. Diese beiden Bewegungen ermöglichen überhaupt erst das Greifen von Gegenständen.

Nehmen Sie zur Verdeutlichung mal in Zeitlupe einen Apfel in die Hand und beobachten Sie genau, was dabei passiert: Erst öffnet sich die Hand und der Daumen spreizt sich ab, dann beugen sich die Finger und der Daumen stellt sich ihnen gegenüber, bis alle gemeinsam zugreifen – genial!

Die Erkrankung beginnt langsam mit belastungsabhängigen Schmerzen, die sich im Ruhezustand wieder geben. Typisch sind Schmerzen bei Alltagsaktivitäten wie beim Wringen, Öffnen von Schraubverschlüssen, Schreiben, Schneiden oder beim Drehen eines Schlüssels. Hinzu kommt das Gefühl der Instabilität des Daumens. Die im Röntgenbild sichtbare Ausprägung der Rhizarthrose
lässt dabei wenig Schlüsse auf den Schmerz und die subjektiv empfundene Einschränkung zu – wie so häufig sagt das Röntgenbild nicht viel über den aktuellen Zustand aus.

Die fortgeschrittenen Stadien der Rhizarthrose zeichnen sich durch eine Gelenkkapselschwellung direkt am Sattelgelenk aus und durch ein Unvermögen, den Daumen so abzuspreizen, dass er in einer Linie mit der gestreckten Handfläche liegt (parallel zu ihr und nicht darüber!). Um die Bewegungseinschränkung des langsam steif werdenden Sattelgelenks zu kompensieren, kommt es zu einer Überstreckung des Daumengrundgelenks dem sogenannten Forestier-Zeichen. Die zunehmende Instabilität des Grundgelenks ist daher ein Folgeschaden der Rhizarthrose. Im weiteren Verlauf wird die Daumenmuskulatur immer schwächer.

Der Teufelskreis beginnt, es folgen Funktionsbehinderungen der ganzen Hand:

  • Der Daumen kann nicht mehr richtig abgespreizt und gestreckt werden.
  • Als Ausgleich für die mangelnde Streckfähigkeit des Daumensattelgelenks knickt das Grundgelenk sichtbar ab und entwickelt eine Überstreckbarkeit – das Gelenk wird instabil und schwach.
  • Das Aufsammeln von kleinen Gegenständen (z.B. Münzen) wird immer mühsamer.
  • Gegenstände können nicht mehr über einen längeren Zeitraum gehalten werden und fallen aus der Hand.
  • Alle Greif- und Drehbewegungen schmerzen und strahlen bis in das Handgelenk aus: Das Drehen des Schlüssels im Schloss, das Öffnen von Flaschen und Gläsern – alles wird zur Qual.

Wichtig – darauf müssen Sie achten!

Die Arthrose im Daumensattelgelenk ist nicht nur für die Versteifungen direkt am Sattelgelenk verantwortlich und dafür, dass das Grundglied immer weiter Richtung Handfläche gezogen wird, sondern auch für das Gelenk darüber – das Daumengrundgelenk, das versucht, die Steifigkeit auszugleichen, und dann überbeweglich wird. Wir haben somit Schäden an zwei Gelenken des Daumens!

Packen wir das Übel an der Wurzel! Das bedeutet: Solange es noch möglich ist, muss das Daumensattelgelenk wieder beweglich gemacht oder zumindest beweglich gehalten werden, damit sich der Daumen wieder als ganzer Finger abspreizen und strecken kann (und nicht nur im Grundgelenk). Um das zu erreichen, muss das Daumensattelgelenk intensiv behandelt werden.

  • Umgreifen Sie den zu behandelnden Daumen mit der anderen Hand so, dass der kleine Finger fast am Handgelenk anliegt und ziehen Sie den Daumen in die Länge.
  • Halten Sie die Stellung 2–3 Sekunden und lösen Sie den Zug wieder.

Wiederholung: täglich 5- bis 6-mal

Achtung:

  • Bei dieser Übung kann es ein wenig im Daumensattelgelenk zwicken. Das ist völlig ungefährlich. Sie dehnen dabei das Daumensattelgelenk auf und halten es beweglich.
  • Um das Daumensattelgelenk auseinanderzuziehen, benötigen Sie nicht viel Kraft.
  • Lehnen Sie Ihren Ellenbogen gebeugt an Ihren Bauch.
  • Greifen Sie den zu behandelnden Daumen mit Mittel-, Ring- und kleinem Finger und halten Sie ihn fest. Daumen und Zeigefinger umschließen das Daumensattelgelenk.
  • Nun ziehen Sie sanft den Daumen in die Länge.
  • Halten Sie diese Stellung 2–3 Sekunden.

Wiederholung: Diese Übung über den Tag verteilt immer wieder machen, mindestens 10-mal täglich.

Achtung:

  • Achten Sie darauf, dass Sie den Daumen nicht nach oben oder nach unten ziehen, sondern nur in die Länge.
  • Führen Sie die Übung gern mit beiden Daumen durch.
  • Nehmen Sie einen glatten Ball oder einen Apfel in die eine Hand und positionieren Sie den Daumen so, dass ein C entsteht. Die Handfläche sollte eng am Ball liegen (Bild links).
  • Nun rutschen Sie mit dem Daumen am Ball in Richtung Zeigefinger (Bild rechts) und dann entgegengesetzt so weit wie möglich nach unten, so dass wieder ein C entsteht.

Wiederholung: 2-mal 10 Wiederholungen mit kurzer Pause zwischen den beiden Durchgängen

Achtung:

  • Wenn der Daumen Richtung Zeigefinger rutscht, neigt man dazu, die Handfläche vom Apfel entfernen zu wollen, weil das weniger anstrengend ist. Sollten Sie das bemerken, halten Sie den Apfel mit Ihrer anderen Hand zusätzlich fest und drücken Sie ihn ein wenig in die übende Hand.
  • Üben Sie gern mit beiden Daumen nacheinander, das hält auch den (noch) nicht schmerzenden Daumen beweglich.
  • Legen Sie Ihre zu behandelnde Hand auf den Schoß oder auf ein Kissen.
  • Setzen Sie die Fingerspitzen der anderen Hand auf den Daumenballen und schieben Sie mit etwas Druck die Muskeln des Daumens nach außen.
  • Suchen Sie die schmerzhaften Punkte und halten Sie dort den Druck, bis die Spannung und der Schmerz nachlassen.

Wiederholung: 10-mal jede Seite

Achtung:

  • Dies ist eine Übung, die verspannte Daumenmuskeln entspannen soll. Das darf im Muskel also ruhig ein wenig zu merken sein – ganz so, wie bei einer Nackenmassage auch.
  • Machen Sie es sich möglichst bequem, lagern Sie die Hand gut und achten Sie darauf, dass Sie nicht in den Schultern verspannen.
  • Behandeln Sie gern beide Daumen.