Vitamin DVitamin D: Wer profitiert von der Einnahme?

Der Internist PD Dr. Stephan Scharla hat ein Update, welche Risikogruppen von einer Vitamin-D-Gabe profitieren, und ob gesunde Erwachsene Vitamin D supplementieren sollten.

Eine Hand hält eine Vitamin-D-Kapsel vor sonnigem blauem Himmel
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Die moderne Lebensweise verhindert in vielen Fällen eine ausreichende Vitamin-D-Bildung im Organismus.

Gerade in den Wintermonaten ist eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung wichtig. Das Sonnenlicht, das der Organismus für die Bildung von Vitamin D benötigt, fehlt in den meisten Regionen Nordeuropas. Über die Ernährung kann der Bedarf nicht ausreichend gedeckt werden. Relevante Mengen sind in nur wenigen Nahrungsmitteln enthalten - in fettigen Fischen wie Lachs, Makrele, Hering, Forelle. Geringe Mengen sind zum Beispiel in Eiern oder Pilzen enthalten. Allerdings müsste man, um ausreichend mit Vitamin D versorgt zu sein, rund 10 Eier täglich verzehren.

Der Internist PD Dr. Stephan Scharla hat ein Update, wer von einer Supplementation mit Vitamin D profitiert.

Wie kommt es zu Vitamin D-Mangel?

Zu einem Vitamin-D-Mangel kommt es bei

  • Mangel an Sonnenbestrahlung,
  • Verwendung von Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor,
  • bei dunkler Hautpigmentierung (in unseren Breiten),
  • bei verhüllender Bekleidung.

Vitamin D wird im Körper zu einem aktiven Hormon verstoffwechselt (beteiligt sind Leber und Niere), dem Calcitriol (1,25-dihydroxyvitamin D). Calcitriol gelangt über die Blutbahn in die Zielorgane wie Darm, Knochen, Nebenschilddrüse sowie viele andere Organe. Aber auch andere Zellen wie Immunzellen sind in der Lage, lokal Calcitriol zu bilden.

Welche Folgen hat Vitamin-D-Mangel?

Schwerer Vitamin-D-Mangel führt zu einer

  • gestörten Knochenneubildung und
  • verminderten Knochenmineralisierung

Diese Krankheitsbilder werden bei Kindern als Rachitis und als Osteomalazie bei Erwachsenen bezeichnet.

Leichter Vitamin-D-Mangel begünstigt den Knochenabbau und Osteoporose. Darüber hinaus ist Vitamin-D-Mangel mit vielen Erkrankungen assoziiert, z.B.

  • Immunschwäche,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Krebserkrankungen,
  • Diabetes mellitus.

 Allerdings wurde die Kausalität nicht für alle Erkrankungen nachgewiesen.

Wem wird die Vitamin-D-Supplementation regelhaft empfohlen?

  • Eine Vitamin-D-Supplementation erfolgt regelhaft im Säuglingsalter zur Rachitis-Vorbeugung: Eine der erfolgreichsten Präventionsmaßnahmen überhaupt!
  • Auch für Kinder und Jugendliche wird heute eine Supplementation empfohlen, da eine ausreichende Sonnenexposition und gesunde Lebensweise oft nicht mehr gegeben sind.
  • Zudem wird für Schwangere eine Vitamin-D-Supplementation empfohlen und in Deutschland inzwischen auch fast immer durchgeführt (Kombipräparate mit Jod, Folsäure, Vitamin D).
  • Auf der anderen Seite des Altersspektrums wird eine Supplementation bei Hochbetagten empfohlen, da ältere Menschen in der Haut nicht mehr so gut Vitamin D bilden können und häufig nicht mehr so oft ins Freie gehen.

Welche weiteren Risikogruppen gibt es? 

Besondere Risikogruppen für Vitamin-D-Mangel sind:

  • Menschen mit dunkler Hautpigmentation, die in nördlichen Breitengraden leben,
  • Nachtschichtarbeiter,
  • Menschen mit kulturellen Gewohnheiten, die verhüllende Kleidung empfehlen.
  • Weiterhin gibt es eine Vielzahl von Erkrankungen, die eine Vitamin-D-Behandlung erfordern wie Osteoporose oder Magen-Darm-Erkrankungen.

Welche Effekte kann die Vitamin-D-Gabe bei Erkrankungen haben?

In Interventionsstudien wurden positive Effekte einer Vitamin-D-Supplementation auf den Knochen- und Mineralhaushalt bei Risikogruppen nachgewiesen: Bei älteren Menschen wurden eine Verminderung der Sturzhäufigkeit, Verhinderung von Frakturen sowie geringere Sterblichkeit gezeigt. Zudem konnte eine Vitamin-D-Gabe die Mortalität bei Krebserkrankungen senken.

Metaanalysen haben gezeigt, dass Vitamin D das Risiko für Autoimmunerkrankungen und bei älteren Menschen das Risiko für Atemwegsinfektionen vermindern kann.

Bei Risikogruppen reicht Sonnenlicht im Allgemeinen nicht aus, sondern es ist eine Supplementation zu empfehlen. Gesunde Erwachsene mit normaler Lebensweise benötigen jedoch keine Supplementation: Interventionsstudien zur Vitamin-D-Supplementation konnten bei gesunden Erwachsenen keine positiven Effekte hinsichtlich Knochenbruchrate, Sturzrate, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektionen nachweisen.

Sollten gesunde Erwachsene Vitamin D supplementieren?

Dr. Staphan Scharla ordnet ein: Es wird für gesunde Erwachsene derzeit keine allgemeine Empfehlung zur Vitamin-D-Supplementation abgegeben. Allerdings ist eine individuelle Selbstmedikation mit Vitamin D nicht schädlich und kostengünstig, sodass nichts gegen eine präventive Einnahme im Rahmen der individuellen Gesundheitsvorsorge spricht.

  • Die empfohlene Dosierung liegt zwischen 800 und maximal 3000 Einheiten täglich (20 μg - 75 μg tgl.).
  • Üblich sind meist 1000 Einheiten täglich (25 μg tgl.).
  • Die tägliche Einnahme ist höher dosierten Bolus-Gaben im Intervall vorzuziehen.

Zu hohe Dosierung vermeiden 

Scharla warnt vor zu hohen Dosierungen: Denn diese können den Blutkalzium-Spiegel anheben und zu Gefäß- und Nierenverkalkungen führen. Aber auch wenn der Blutkalziumspiegel normal ist, kann der Knochenabbau durch zu viel Vitamin D bereits gesteigert sein und das Knochenbruchrisiko sogar steigen.

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie/27.11.2025/Ni