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Haben Sie schon einmal von Alexander Selkirk gehört? Nein? Das ging mir bis vor Kurzem genauso. Er hat Anfang des 18. Jahrhunderts 4 Jahre und 4 Monate auf einer einsamen Insel etwa 850 km vor der chilenischen Küste gelebt. Ganz bestimmt jedoch kennen Sie die Romanfigur des Robinson Crusoe! Zu der wurde der Autor Daniel Dafoe inspiriert, nachdem er von Selkirks Erlebnis erfuhr.
Und ganz sicher wurden Sie auch schon einmal gefragt, welche Bücher oder Dinge Sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Das ist ein wunderschönes Gedankenexperiment und lädt uns dazu ein über das Wesentliche nachzudenken. Was ist uns wirklich wichtig? Und: was davon ist so gut, dass wir es auf eine Reise unbestimmter Dauer mitnehmen möchten, ohne dessen überdrüssig zu werden?
Obwohl meine Begeisterung für Körperübungen in meinem Bekanntenkreis hinlänglich bekannt ist, musste ich mir die folgende Frage selbst stellen.
Welche Übungen würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen?
Oder anders formuliert, welche Übungen würde ich für den Rest meines Lebens machen, wenn ich mich auf 4 beschränken müsste? So ein imaginärer Inselaufenthalt bringt jede Menge körperliche Herausforderungen mit sich. Alexander Selkirk hat sich zwei Hütten gebaut und Ziegen gejagt, um zu überleben. Im Gegensatz zu inselfernen Vielsitzern, dürfte sein Alltag recht bewegungsorientiert gewesen sein.
Dennoch möchte ich an dieser Stelle auf die Vorteile aufmerksam machen, die ein regelmäßig absolviertes Übungsprogramm mit sich bringt. Denn etwas haben Gestrandete und Menschen, die nur vom Aussteigerdasein träumen gemeinsam. Beide brauchen einen guten Freund.
Beste Begleitung für die Insel? Ein gesunder Körper!
Die Inselfrage bündelt unsere Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Was bleibt uns, wenn wir auf fast alles verzichten müssten, das uns jetzt gerade wichtig scheint? Ganz klar, sind unsere wichtigsten Güter mentale und körperliche Gesundheit. Beides wird durch ein wiederkehrendes Bewegungsritual gestärkt.
Betrachten Sie Ihren Körper doch einmal wie einen lebenslangen Weggefährten, der Sie treu überallhin begleitet. Dann bietet das Training die Gelegenheit, bei der Sie diesem Freund mit voller Aufmerksamkeit begegnen und ihm Gutes tun können. Es ist eine Möglichkeit sich für treue Dienste zu bedanken und diese wichtige Beziehung immer wieder zu pflegen. Während Robinson irgendwann seinen Freitag traf, blieben in der Realität die meisten Gestrandeten auf sich gestellt. Umso wichtiger erscheint es mir, Körper und Geist fit zu halten.
Das 4-Ever-Progamm
Auch wenn bei Ihnen in absehbarer Zeit kein Inselaufenthalt geplant sein sollte, möchte ich Ihnen dieses Training ans Herz legen.
Egal, welche Herausforderungen Ihr Alltag bereithält. Mit diesem Programm sind Sie vorbereitet.
Es konzentriert sich darauf, Ihnen mit dem kleinstmöglichen Aufwand den bestmöglichen Nutzen zu generieren. Jede der vorgestellten Übungen lässt sich in unzähligen Varianten verfeinern und steigern.
Üben Sie langsam und konzentriert. Das erleichtert es Ihnen eigene Grenzen zu spüren und zu respektieren. Nutzen Sie die Trainingszeit gern wie eine Achtsamkeitsmeditation. So stärkt das Programm auch Ihre mentalen Kräfte und bringt Sie in tieferen Kontakt zu dem besten Freund den Sie haben!
Kniebeuge

Sollte sich die Größe meines Reisegepäcks zur einsamen Insel auf eine Übung reduzieren, wäre die Kniebeuge meine klare Favoritin!
Die Kniebeuge wird gern als die Königin der Ganzkörperübungen bezeichnet. Schon in ihrer einfachen Grundvariante spricht sie eine Fülle wichtiger Muskeln an, mobilisiert viele Gelenke, aktiviert unseren Stoffwechsel und fördert die Hormonausschüttung.
Sie lässt sich fast grenzenlos variieren und eigenen Bedürfnissen perfekt anpassen. So können Sie in der angebotenen Variante Ihre Körperstreckung betonen. Wenn Sie sich zusätzlich beim Hinuntergehen auf Ihre Zehenspitzen heben, wird die Kniebeuge zu einer kniffligen Gleichgewichtsübung.
Ausgangsstellung
- Sie stehen im hüftweiten Stand.
- Die Arme befinden sich gestreckt neben dem Körper.
Ausführung
- Sie senken sich hinab in die Kniebeuge. Gehen Sie in den ersten Wiederholungen nicht zu tief und später nur bis auf 90° in den Knien.
- Der Oberkörper neigt sich während der Abwärtsbewegung gestreckt nach vorne.
- Die Arme werden gestreckt bis neben den Kopf geführt.
- Danach steigen Sie langsam wieder auf in den Stand. Währenddessen senken Sie die Arme wieder neben den Körper.
Häufigkeit: 2-3 Einheiten pro Woche, 3 x 15 Wiederholungen
Standwaage


Auch diese Übung schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie steigert Ihre Trittsicherheit und Ihren Gleichgewichtssinn. Das kann für ausgedehnte Erkundungsgänge über Ihr Inselreich von größtem Vorteil sein. Bein- und Rückenmuskeln werden gekräftigt und Sie strecken Ihren Oberkörper.
Die sich verbessernde Körperhaltung hat viele Vorteile: Sie entlastet den Rücken von Inselbewohnern, genauso wie von Büromenschen, die nur von langen Strandspaziergängen träumen dürfen. Sie lässt Sie tiefer atmen. Das spendet pure Lebensenergie und hilft dem Körper zu entgiften.
Außerdem zeigt sich in Studien, dass eine bessere Haltung unsere Stimmung hebt. Ein perfektes Mittel gegen Insel- oder Alltagskoller!
Ausgangsstellung
- Hüftbreiter Stand. Bewusst mit den Füßen Kontakt zum Boden aufnehmen.
- Dann die gestreckten Arme nach oben in Verlängerung des Körpers heben.
- Die Schulterblätter nach hinten-unten ziehen.
- Ziehen Sie den Nabel sanft in den Körper, um Ihre Körpermitte zu stabilisieren.
Ausführung
- Neigen Sie sich vor und strecken Sie dabei das rechte Bein in Verlängerung des Körpers.
- In der Endposition bilden die Arme, der Rücken und das Bein eine schöne waagrechte Linie.
- Danach wechseln Sie die Seite.
Häufigkeit: 2-3 Einheiten pro Woche, 3 x 15 Wiederholungen
Planke

Die Planke ist von 3000 vor Christus bis in späte 19. Jahrhundert fester Bestandteil des Schiffsbaus gewesen. Unzähligen Seeleuten haben die festen Holzelemente zuverlässigen Halt auf hoher See geboten. So wundert es nicht das die Planke auch im übertragenen Sinne für Stabilität und Sicherheit steht.
Im Sportbereich steht die Bezeichnung für eine Übung, die unsere Ganzkörperspannung und insbesondere die tiefen Bauchmuskeln trainiert. Zusätzlich aktivieren Sie in dieser wundervollen Halteposition die Stützkraft Ihrer Schultern. Zu "plankieren" fördert Disziplin und Willenskraft. Zwei Eigenschaften, die Sie bestens brauchen können, wenn es auf Ihrer einsamen Insel mal nicht so rosig zugeht!
Ausgangsstellung
- Begeben Sie sich in die Bauchlage.
- Die Hände liegen übereinander unter der Stirn.
- Der Kopf befindet sich in entspannter Ruheposition.
Ausführung
- Stellen Sie die Fußspitzen hüftbreit auseinander auf den Boden.
- Stützen Sie sich auf die angewinkelten Unterarme. Die Ellenbogen befinden sich direkt unter den Schultern.
- Die Position für 20 Sekunden halten. Tief und gleichmäßig atmen.
- Den Körper wieder zum Boden absenken und in der Ursprungsposition 10 Sekunden entspannen.
Häufigkeit: 2 – 3 Einheiten pro Woche, 15 Wiederholungen
Seitstütz


Auf entlegenen Inseln und im richtigen Leben kann es auch mal stürmisch werden. Natürlich haben wir alle am liebsten Rückenwind! Der kann uns gerne dabei unterstützen leichtfüßig im Leben voranzuschreiten und unsere Ziele mit wenig Kraftverbrauch zu erreichen. Anders steht es da mit Gegenwind! Wenn er nicht gerade als Fahrtwind in einem Cabrio oder auf einer schönen Fahrradtour entsteht, ist er kein gern gesehener Gast in unserem Alltag. Es gibt wohl kaum jemanden, der mit diesen beiden Luftströmungen noch nie konfrontiert wurde. Dabei ist bei anderen Kräften viel mehr Vorsicht geboten! Wenn uns eine Böe von der Seite erwischt, kann es uns den Halt nehmen und wir drohen zu stürzen. Selbst andauernde leichte Seitenwinde bergen die Gefahr, uns von unserem Kurs abzubringen.
Bezogen auf unseren Körper sind Seitenkräfte auch nicht ungefährlich. Deshalb möchte ich Ihnen den Seitstütz für das 4-Ever-Programm empfehlen. Trainieren Sie die seitlich gelegenen Muskeln Ihres Körpers und geben Sie ihm den Halt, den er auf Schritt und Tritt braucht.
Ausgangsstellung
- Sie befinden sich im Seitstütz.
- Das abgehobene Becken bildet mit Knien und Schultern eine Linie.
- Die Knie sind um 90° angewinkelt.
Ausführung
- Die Schultermuskulatur gezielt aktivieren.
- Senken Sie das Becken so weit, dass es den Boden ganz leicht den berührt.
- Dann heben Sie es wieder an.
- Arbeiten Sie in langsamen und fließenden Bewegungen.
Häufigkeit: 2-3 Einheiten pro Woche, 3 x 15 Wiederholungen
Arndt Fengler

Arndt Fengler ist begeisterter Physiotherapeut, Lehrer für kinesiologisches Taping und Faszien-Therapie sowie Buchautor. Er lebt und arbeitet in der Schweiz.
Web: www.arndtfengler.ch
Youtube: @carmelaundarndtfengler


