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Das Absinken der weiblichen Geschlechtshormone mit Einsetzen der Perimenopause kann zu vielfältigen Symptomen führen. (Was sich in der Perimenopause ändert, können Sie hier nachlesen.) Eine häufige Begleiterscheinung ist die Gewichtszunahme, die durch Östradiolmangel begünstigt wird.
Östradiol hat zahlreiche Wirkungen auf den weiblichen Organismus:
- Es steigert die Glukoneogenese der Leber.
- Es beeinflusst das zentrale Nervensystem, erhöht die Nahrungsaufnahme und den Grundumsatz.
- Es erhöht die Insulinsensitivität an der Skelettmuskulatur und damit die Glukoseaufnahme.
- Es verbessert die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse.
- Es wirkt als Appetitzügler an den Östrogen-alpha-Rezeptoren im zentralen Nervensystem.
- Es erhöht den Grundumsatz.
Aus diesen Gründen führt der Östradiolmangel in der Perimenopause häufig zur Gewichtszunahme. Der Energiebedarf sinkt. Der Körper der Frauen verändert sich durch die Gewichtszunahme. Nahmen die Frauen in jüngeren Jahren eher am Po zu, bemerken sie nun einen “Menobauch”. Die zugenommenen Kilos zeigen sich nun am Bauch als viszerales Fett. Gerade dieser Menobauch stört viele Frauen, die zu mir in die Praxis kommen, sehr, und sie möchten ihn gern wieder loswerden.
Gut zu wissen: Ernährungsberatung
Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen eine Ernährungsberatung, wenn sie von Ernährungsmediziner*innen, Diätassistent*innen oder Ökotropholog*innen durchgeführt wird. Daher lohnt es sich immer, sich einmal beraten zu lassen, bevor Folgeerkrankungen entstehen.
Warum viszerales Fett schädlich sein kann
Das viszerale Fett hat nicht nur optische Auswirkungen. Es führt zur Freisetzung von Wachstumsfaktoren, die unter anderem Angiogenese fördern, den Sauerstoffverbrauch sowie die Ausschüttung von Sauerstoffradikalen erhöhen. Sauerstoffradikale können Schäden hervorrufen, die wiederum eine niedrig gradige Entzündung nach sich ziehen.
Gewicht ist nicht gleich Gewicht
Bei Frauen sollte ab der Menopause nicht nur der BMI bestimmt, sondern auch der Taillenumfang gemessen werden. Auch eine Bioimpedanzanalyse (BIA) bietet sich an. Damit wird die Körperzusammensetzung analysiert, also die fettfreie Masse (Magermasse) und die Fettmasse. Mit dem Drei-Kompartiment-Modell wird die fettfreie Masse zusätzlich in die Körperzellmasse und die extrazelluläre Masse aufgeteilt.
Denn Gewicht ist nicht gleich Gewicht: So können durch eingelagertes Wasser Ödeme auftreten. Die Waage zeigt dann ein höheres Gewicht an, das jedoch nicht durch Fetteinlagerung bedingt ist.
Parameter zur genaueren Gewichts-Messung und Referenzwerte
- BMI > 30
- Bauchumfang >= 88cm
- Taillen-Hüft-Verhältnis >=0,8
- Oberarmumfang >=32cm
Manche Beschwerden der Wechseljahre wie Hitzewallungen können durch eine moderate Gewichtsabnahme in ihrer Stärke reduziert werden. Auch regelmäßige Bewegung und die Einnahme von Vitamin E reduzieren Hitzewallungen.
Die Prävalenz von Übergewicht hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht. So nimmt die deutsche Bevölkerung im Alter im Schnitt alle 10 Jahre 6 bis 8 Kilogramm zu. Bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren sind es durchschnittlich 10 Kilogramm!
Momentan sind 40% der Frauen übergewichtig und 15% adipös. Ein Zustand, den ich aus meiner Praxis nur zu gut kenne und der auch die steigende Nachfrage nach der „Abnehm-Spritze“ erklärt.
Weniger, aber nicht zu wenig: Gesund abnehmen
Eine Gewichtsabnahme kann erreicht werden, indem die Frauen
- zunächst ihren BMR und PAL bestimmen (s. Abnehmen in den Wechseljahren),
- dann ein Kaloriendefizit von 300 bis 500 Kilokalorien täglich einplanen,
- sich nährstoff- und eiweißreich, kohlenhydratreduziert und fettarm ernähren.
Wie viele Kalorien sind (un-)gesund?
Eine Diät sollte fettarm, kohlenhydratreduziert und eiweißreich sein. Aber Achtung:
- Bei einer Diät unter 1400 Kalorien ist eine bedarfsgerechte Ernährung meist nicht mehr möglich und es kommt zu einem Nährstoffmangel.
- Niedrigkalorische Diäten sollten mittels bilanzierter Shakes durchgeführt werden.
Wird eine Diät durchgeführt sollte der Eiweißanteil nicht nur 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht betragen, sondern 1-1,2 g und ungefähr 20% des Energiebedarfs ausmachen. Dies führt zu einer ausreichenden Sättigung und kann, in Kombination mit ausreichend Bewegung, einem Muskelabbau entgegenwirken.
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen Frauen in den Wechseljahren:
- Reduktion von Salz auf 5 g pro Tag, um einem Hypertonus entgegenzusteuern.
- 5 Portionen Gemüse und Obst pro Tag. Von diesen 500g sollte der Großteil Gemüse (300 bis 400g) sein.
- Eine Portion Nüsse, Kerne und Samen.
- Vollkornprodukte statt Weißmehlprodukte. Haferflocken und Roggenbrot, die reich an Beta-Glucan sind, sowie andere ballaststoffreiche Getreideprodukte wie Vollkornreis oder Nudeln.
- Reichlich ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Oliven- und Rapsöl vorkommen.
- 2 Portionen Fisch pro Woche, wenig Fleisch. Eher helles, mageres Fleisch. Auch Wildbret ist zu empfehlen.
- Fettarme Milchprodukte.
- Wenig Zucker und Verzicht auf Süßgetränke.
Nährstoffreiche Dauerernährung: Mittelmeer- und Nordic Diet
Als nährstoffreiche Dauerernährung kommen ab der Perimenopause 2 Ernährungsformen in Betracht, die wir Ernährungsmediziner*innen gern anführen: Die Mittelmeerdiät oder die Nordic Diet.
Beide können Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und einigen Krebserkrankungen entgegenwirken. Außerdem ist es mit ihnen möglich, Gewicht zu reduzieren und zu halten.
Das Steroidhormon Östradiol beeinflusst unsere Haut und Schleimhäute, was sich bei einem Östradiolmangel als Trockenheit bemerkbar machen kann. Aber auch die Darmschleimhaut mit ihrer Flora verändert sich in den Wechseljahren. So bemerken einige Frauen neu auftretende Verdauungsstörungen, die sie bisher nicht kannten wie Dysbiose, Blähungen und weitere Magen-Darm-Beschwerden.
Auch die Histaminintoleranz wird gehäuft ab der Perimenopause diagnostiziert (s. Artikel Histaminintoleranz), da eine Östrogendominanz die Empfindlichkeit für Histamin verstärken kann. Daher stellen Frauen vor der Periode nun neue Unverträglichkeiten fest. Zum Beispiel auf Tomaten, Hartkäse, Sauerkraut, Essig, Erdbeeren und Zitrusfrüchte.
Die Darmflora kann unseren Östrogenhaushalt mitbestimmen, da Bakterien mit Beta-Glucuronidase-Aktivität die Menge an Östrogen modulieren kann. Dieses Darmmikrobiom nennt man Östrobolom.
Auch hier wirkt sich eine ballaststoffreiche Ernährung mit mehr als 30 g positiv aus. Wichtig ist jedoch eine schrittweise Erhöhung, da es sonst zu Blähungen führen kann.
Gut zu wissen: Ballaststoffe
Ballaststoffe wirken als Blutzuckerstabilisatoren, führen zu einer guten Sättigung und können die Blutfette positiv beeinflussen.
Fazit
Die wichtigsten Faktoren für mehr Wohlbefinden in der Perimenopause sind:
- Ausreichend Schlaf mit mindestens 7 besser 8 Stunden. Gute Schlafhygiene und regelmäßig früh zu Bett gehen.
- Bewegung für 150 min pro Woche sowie Krafttraining, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken und die Knochengesundheit zu fördern. Ab dem 30. Lebensjahr beträgt der Verlust an Muskulatur 1% jährlich.
- Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung, die genügend Eiweiß enthält wie die mediterrane oder nordische Ernährung. Reichlich Ballaststoffe mit mindestens 30 g pro Tag. Bei den Vitaminen und Spurenelementen sind insbesondere Vitamin D, Kalzium, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin C und B-Vitamine hervorzuheben.
- Genügend Flüssigkeit, um Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen auszugleichen.
- Lifestyleänderungen mit mehr Bewegung, mehr Schlaf, ausreichend Pausen, Atemübungen, weniger Alkohol und Rauchverzicht.
2 Rezepte für die Perimenopause
Wintersalat mit Früchten

Ergibt 1 Schüssel, Zubereitungszeit 10 Min.
Zutaten
- 1 Radicchio
- 1 roter und 1 gelber Chicorée
- 2 getrocknete Pflaumen
- 1 säuerlicher Apfel wie Topaz oder Braeburn
- 1 EL Reissirup
- 1 EL Apfelessig
- 1 EL Sahne,
- 2 EL Muttersaft von der schwarzen Johannisbeere oder Aronia (Alternativ 2 EL Apfelsaft)
- 4 EL Rapsöl
- Pfeffer, Salz
Zubereitung
- Die Salate waschen, trockenschleudern und in Streifen schneiden.
- In einer Schüssel das Dressing anrühren.
- Die Pflaumen kurz in Wasser einweichen, dann ausdrücken und würfeln.
- Den Apfel waschen, das Kerngehäuse entfernen und ebenfalls würfeln.
- Alle Salatzutaten miteinander vermischen. Mit Salz abschmecken.
Hierzu passt ein Nussbrot.
Forelle aus dem Pergament mit Drillingen

Für 2 Personen
Zubereitungszeit 20 Min. + Backzeit 30 Min.
Zutaten
- 2 mittelgroße Forellen
- 2 EL Rapsöl
- Salz Pfeffer
- 1 Knoblauchzehe
- 200 g Drillinge oder andere kleine festkochende Kartoffeln
- 2 EL Olivenöl
- 2 Stängel Rosmarin
- 2 Stängel Thymian
- 1 Zitrone
Zubereitung
- Die Forellen waschen. Den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze aufheizen.
- Die Knoblauchzehe schälen und kleinhacken. Eine Marinade aus Rapsöl, Salz, Pfeffer und dem Knoblauch herstellen.
- 2 Bögen Backpapier hinrichten und je eine Forelle darauflegen. Mit der Marinade bepinseln, einrollen und mit hitzebeständigem Garn die Enden verschließen. Dann auf ein Backblech legen.
- Die Kartoffeln waschen, halbieren und auf ein weiteres Backblech legen. Die restliche Marinade mit 2 EL Rapsöl strecken und über den Kartoffeln verteilen. Die Kräuter waschen, abzupfen und über die Kartoffeln geben.
- Alles zusammen 30 Min. im Backofen garen. Wer mag, kann den Fisch anschließend mit Zitronensaft beträufeln.
Tipp: Gelingt auch wunderbar mit Dorade, ist aber nicht so reichhaltig an Omega-3-Fettsäuren.
Dr. med. Daniela Oltersdorf

Daniela Oltersdorf ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ernährungsmedizinerin und Buchautorin. Sie ist in eigener Praxis in Calw mit dem Schwerpunkt Ernährungsmedizin niedergelassen.
www.ernaehrungsmedizinoltersdorf.de
Instagram: @dr.danielaoltersdorf
- Pavlidou E, Papadopoulou SK, Seroglou K et al. Revised Harris-Benedict Equation: New Human Resting Metabolic Rate Equation. Metabolites 2023; 13(2):189
- Duralde ER, Sobel TH, Manson JE. Management of perimenopausal and menopausal symptoms. BMJ 2023; 382:e072612. doi: 10.1136/bmj-2022-072612. Erratum in: BMJ. 2023 Aug 29;382:p1977
- Erdélyi A, Pálfi E, Tűű L et al. The Importance of Nutrition in Menopause and Perimenopause-A Review. Nutrients 2023; 16(1):27


