BrustkrebsMammographie-Screening verringert Brustkrebssterblichkeit deutlich

Unter den Frauen, die am Screening teilnahmen, gingen die Brustkrebs-Todesfälle zwischen 20 und 30 Prozent zurück. Das zeigt eine Studie des Leibniz-Instituts.

Medizinische Illustration: Tumor in der Brust orange eingefärbt
Axel Kock/stock.adobe.com
Etwa jeder vierte Todesfall durch Brustkrebs konnte in der neuen Studie durch eine frühzeitige Diagnose vermieden werden.

"Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Teilnahme am Mammographie-Screening das Risiko, an Brustkrebs zu versterben, deutlich senkt", erklärt Prof. Ulrike Haug vom Leibniz-Institut.

"Die bisherigen Empfehlungen zum Mammographie-Screening stützen sich auf Studien aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Seitdem haben sich sowohl die diagnostischen Verfahren als auch die Therapie von Brustkrebs deutlich verbessert. Deshalb war es notwendig, den Nutzen des Mammographie-Screenings unter den heutigen Bedingungen neu zu untersuchen."

Teilnahme senkt Sterberisiko

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jede achte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Für 18.500 Frauen pro Jahr endet die Erkrankung tödlich. Internationale Studien ließen zwar erwarten, dass mit einem Mammographie-Screening-Programm für Frauen von 50 bis 69 Jahren ein Teil der Brustkrebs-Todesfälle vermieden werden kann. Aber diese Studien wurden vor langer Zeit und damit unter anderen Rahmenbedingungen durchgeführt.

Die neue Studie untersuchte für das deutsche Mammographie-Screening-Programm, wie stark es die Brustkrebssterblichkeit tatsächlich verringert. Die Ergebnisse bestätigen:

  • Das Mammographie-Screening bringt auch unter den heutigen Bedingungen einen deutlichen Nutzen.
  • Von den Frauen, die am Screening teilnahmen, starben im Vergleich zu den Nicht-Teilnehmerinnen 20 bis 30 Prozent weniger an Brustkrebs.
  • Es konnte also etwa jeder vierte Todesfall durch eine frühzeitige Diagnose vermieden werden.

Das Mammographie-Screening-Programm

Das Mammographie-Screening-Programm ist das erste systematische Krebsfrüherkennungsprogramm nach europäischen Qualitätsstandards in Deutschland und das größte Screening-Programm in Europa. Frauen im anspruchsberechtigten Alter erhalten eine schriftliche Einladung zur Mammographie.

Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich dafür entscheidet, kann die Untersuchung in einer von 95 zertifizierten Screening-Einheiten durchführen lassen. Das Programm richtet sich an symptomfreie Frauen. Frauen mit Symptomen oder mit vorangegangener Brustkrebserkrankung erhalten die nötigen Untersuchungen im Rahmen der regulären Krankenversorgung.

Früherkennung mit Röntgenstrahlung nur mit Zulassung

An augenscheinlich gesunden, also symptomfreien Menschen sind Röntgenuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten nur dann erlaubt, wenn die Untersuchung durch das Bundesumweltministerium zugelassen wurde. Voraussetzung ist, dass der Nutzen das mit der Untersuchung verbundene Strahlenrisiko deutlich übersteigt. Für ein Mammographie-Screening-Programm für Frauen von 50 bis 69 Jahren fiel diese Bewertung Anfang der 2000er-Jahre positiv aus. Seit 2018 ist das Bundesamt für Strahlenschutz für die Nutzen-Risiko-Bewertung zuständig.

Über die Studie

Die aus 4 aufeinanderfolgenden Forschungsprojekten bestehende Studie wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz fachlich und administrativ koordiniert. Die eigentlichen Forschungsarbeiten führte die Universität Münster zusammen mit dem Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen, dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen und dem SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen durch.

Das Bundesumweltministerium, das Bundesgesundheitsministerium sowie die Kooperationsgemeinschaft Mammographie trugen gemeinsam die Kosten von rund 10 Millionen Euro. Über die grundsätzlichen Inhalte des Forschungsprojektes entschied ein Steuerungsgremium, das von einem unabhängigen Wissenschaftlichen Beirat beraten wurde.

Der umfangreiche Ergebnisbericht (500 Seiten) mit detaillierter Darstellung der Methoden und Ergebnisse der Studie "Evaluation der Brustkrebsmortalität im deutschen Mammographie-Screening-Programm" steht im Digitalen Online Repositorium und Informations-System DORIS unter nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0221-2025062052653 zur Verfügung.

Quelle: Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Teilnahme am Mammographie-Screening das Risiko, an Brustkrebs zu versterben, deutlich senkt. Dank des Einsatzes moderner Methoden der kausalen Inferenz sind die Ergebnisse sehr belastbar. Zum einen konnten wir Verzerrungen durch die Art des Studiendesigns vermeiden. Zum anderen konnten wir sicherstellen, dass die unterschiedlichen Risikoprofile zwischen Teilnehmerinnen und Nicht-Teilnehmerinnen adäquat berücksichtigt wurden. Umfassende begleitende Analysen bestätigten die Belastbarkeit unserer Ergebnisse. Bisher gibt es weltweit keine andere Beobachtungsstudie, die das Mammographie-Sceening so rigoros und methodisch fundiert bewertet hat.“

Sie fügt an: „Für die Durchführbarkeit dieser Art von Studien sind Krankenkassendaten mit langer Beobachtungszeit unentbehrlich. Deshalb nahmen die am BIPS gepflegten Daten von vier gesetzlichen Krankenkassen eine zentrale Rolle ein. Diese hochwertige Datenbasis konnte für die Studie sogar noch um Daten der BARMER ergänzt werden, die an der Universität Bremen ausgewertet wurden. Dadurch konnten wir im kassenbasierten Ansatz insgesamt 37 Prozent der Frauen im anspruchsberechtigten Alter in Deutschland abdecken. Die Studie zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial Krankenkassendaten für die Bewertung von Vorsorgemaßnahmen haben, vorausgesetzt, sie sind über lange Zeiträume verfügbar.“