
Ernährungsmuster mit hohem Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren reduzieren das viszerale Fettgewebe unabhängig von einer Gewichtsabnahme. Damit senken sie auch das kardiometabolische Risiko bei älteren Menschen.
Das zeigen aktuelle Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „NutriAct“. Die Erkenntnisse könnten neue Wege zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eröffnen und zu verbesserten Ernährungsempfehlungen für die Bevölkerung ab 50 führen.
Zwei Ernährungsweisen im Vergleich
In der NutriAct-Ernährungsstudie haben Wissenschaftler*innen die Auswirkungen eines speziellen Ernährungsmusters auf das viszerale Fettgewebe und das kardiometabolische Risikoprofil untersucht.
Für die 3-jährige Studie wurden 502 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 80 Jahren per Zufallsprinzip einer Interventionsgruppe oder einer Kontrollgruppe zugeordnet.
Die Interventionsgruppe folgte dem NutriAct-Ernährungsmuster mit einem hohen Anteil an einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vorwiegend pflanzlichen Proteinen und Ballaststoffen. Sie erhielten dafür speziell hergestellte Lebensmittel und nahmen innerhalb von 12 Monaten an 11 Kleingruppensitzungen einschließlich Ernährungs-, Koch- und Lebensstilberatung teil.
Die Kontrollgruppe ernährte sich entsprechend den Standard-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und erhielt ein Jahr lang 3 Ernährungsberatungen sowie einige kostenlose konventionelle Lebensmittel.
MRT-Untersuchung zeigt klare Ergebnisse
Zur Analyse des viszeralen Fettgewebes wurde bei einer Teilgruppe von 300 Proband*innen zu Beginn und nach 12-monatiger Ernährungsintervention eine Untersuchung im Magnetresonanztomographen (MRT) durchgeführt. Die MRT ist gegenüber der üblicherweise genutzten Messung des Taillenumfangs viel präziser und gilt als Goldstandard.
Ergebnisse
- Die MRT-Untersuchung zeigte eine signifikante Reduktion des viszeralen Fettgewebes bei der Interventionsgruppe.
- Bei der Kontrollgruppe gab es keine Veränderungen.
„Diese Reduktion wurde maßgeblich durch die erhöhte Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren vermittelt und ging mit einer Verbesserung des kardiometabolischen Risikomarkers LDL-Cholesterin einher. Die veränderte Aufnahme von einfach ungesättigten Fettsäuren, Proteinen und Ballaststoffen scheint hier nicht der wesentliche Treiber für den Effekt auf das viszerale Fettgewebe gewesen zu sein“, sagt Prof. Knut Mai vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.
Interessanterweise war dieser Effekt unabhängig vom leichten Gewichtsverlust in beiden Gruppen. Da unterstreiche die Bedeutung der spezifischen Nährstoffzusammensetzung.
Die Erkenntnisse tragen dazu bei, das Verständnis über die Rolle von bestimmten Nährstoffen und Ernährungsmustern bei der Reduktion des viszeralen Fettgewebes und der Verbesserung des kardiometabolischen Profils zu vertiefen.
Ernährungsempfehlungen für 50 Plus optimieren
„Die Ergebnisse sind besonders relevant für ältere Menschen, die ein erhöhtes Risiko für kardiometabolische Erkrankungen haben“, erklärt Nina Meyer, Erstautorin der Studie. „Die spezifische Ernährungsweise könnte als präventive Maßnahme gegen solche Erkrankungen dienen, ohne dass eine drastische Gewichtsreduktion notwendig und ein Verlust der Muskelmasse zu befürchten ist.“
Die Erkenntnisse der Studie könnten genutzt werden, um Ernährungsempfehlungen für Menschen ab 50 Jahre zu verbessern und die individuelle Ernährungsberatung anzupassen. „Das NutriAct-Ernährungsmuster kann im Vergleich zu anderen Diätformen einfacher in den Alltag integriert werden und dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der breiten Bevölkerung zu senken“, sagt Meyer.
In zukünftigen Untersuchungen wollen die Forschenden die zugrunde liegenden Mechanismen dieser Effekte weiter aufklären und den Einfluss des Ernährungsmusters auf andere kardiovaskuläre Systeme, wie zum Beispiel die Herzfunktion, genauer analysieren.
Hintergrund: NutriAct-Ernährungsmuster
Zusammensetzung der Nahrung [tägl. Aufnahme in % der Gesamtenergie] in der NutriAct-Ernährungsstudie:
Fett: 35-40 %
- gesättigte Fettsäuren: ≤ 10 %
- einfach ungesättigte Fettsäuren: 15-20 %
- mehrfach ungesättigte Fettsäuren: 10-15 %
Eiweiß: 15-25 %
Kohlenhydrate: 35-45 %
Ballaststoffe: ≥ 30 g
Kontrolldiät:
Fett: 30 %
- gesättigte Fettsäuren: ≤ 10 %
- einfach ungesättigte Fettsäuren: ≥ 10 %
- mehrfach ungesättigte Fettsäuren: 7-10 %
Eiweiß: 15 %
Kohlenhydrate: 55 %
Ballaststoffe: ≥ 30 g
Die Studie wurde von Wissenschaftler*innen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchgeführt und im Fachjournal Nutrients veröffentlicht.
Taillenumfang richtig messen
Der Taillenumfang wird idealerweise vor dem Frühstück gemessen.
Stellen Sie sich mit dem Gesicht zum Spiegel, die Füße ca. 15 cm auseinander. Der Oberkörper sollte frei sein. Die Messstelle befindet sich in der Mitte zwischen dem untersten Rippenbogen und dem Oberrand des Beckenknochens. Atmen Sie bei der Messung aus (ohne den Bauch einzuziehen).
Der Taillenumfang sollte
- bei Frauen nicht über 88 cm und
- bei Männern nicht über 102 cm liegen.
Bei größeren Werten liegt eine bauchbetonte Adipositas vor und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Typ-2-Diabetes ist deutlich erhöht. Personen, die einen größeren Taillenumfang und einen BMI über 25 kg/m2 haben, sollten ihre Hausärztin bzw. ihren Hausarzt für einen weiteren Risikocheck aufsuchen.
Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke


