
Die Resultate der internationalen PADOVA-Studie ebneten den Weg für die Zulassungsstudie der ersten krankheitsmodifizierenden Therapie von Parkinson mit dem Wirkstoff Prasinezumab. Das Fachjournal The Lancet hat nun die Ergebnisse der PADOVA-Studie (klinische Phase-II-Studie), bei der die Wirkung der Substanz untersucht wurde, veröffentlicht.
Vielversprechende Ergebnisse mit dem Antikörper Prasinezumab
Seit dem Jahr 2021 erhalten zunächst 534 Betroffene mit der Parkinson-Krankheit eine monatliche Infusion an 110 Zentren in Europa, den USA und Kanada. Die Hälfte von ihnen erhält eine Infusion mit dem Antikörper Prasinezumab, die andere Hälfte bekommt ein Placebo.
Dabei nutzten die Wissenschafter*innen ein für die Parkinson-Erkrankung neues Studiendesign: Bei den Betroffenen, die sich zu Studienbeginn alle in einem Parkinson-Frühstadium (max. 3 Jahre nach Diagnose) bei stabiler symptomatischer Therapie befanden, bestimmten sie die Zeit bis zum nächsten klinisch relevanten Ereignis. Das bedeutet: bis zur nächsten eindeutigen motorischen Verschlechterung der Krankheit.
- Dieser sogenannte Time-to-Event-Endpunkt trat bei Betroffenen unter Placebo im Schnitt nach 49,7 Wochen ein.
- Unter der Antikörpertherapie mit Prasinezumab verzögerte sich die Verschlechterung durchschnittlich um 11,4 Wochen auf 61,1 Wochen und erreichte damit nicht ganz den Schwellenwert für statische Signifikanz.
Für die Forscher*innen gibt es jedoch Signale genug, um die Wirksamkeit der Substanz anzuerkennen und mit PARAISO eine Zulassungsstudie (Phase III) zu beginnen. Diese startete in Europa mit Jahresbeginn, in den USA bereits im Vorjahr.
„Rund 75 Prozent der Proband*innen bekamen als symptomatische Therapie L-Dopa. Die übrigen erhielten sogenannte MAOB-Hemmer. Betrachtet man ausschließlich die 75 Prozent der Betroffenen, die mit L-Dopa behandelt wurden, zeigt sich der Effekt eindeutig. Er wird deutlicher sichtbar, weil die untersuchte Betroffenengruppe homogener war und weniger Anpassungen der symptomatischen Parkinsontherapie notwendig waren. Der Time-to-Event-Endpunkt trat unter Placebo im Schnitt nach knapp 49 Wochen ein. Unter der Antikörpertherapie mit Prasinezumab verzögerte sich die Verschlechterung nun signifikant um rund 16 Wochen auf mehr als 64 Wochen“, kommentiert Mitautor Prof. Klaus Seppi von der Uni Innsbruck.
Demnach sei der Antikörper Prasinezumab derzeit das vielversprechendste und am weitesten entwickelte Medikament bei Parkinson, bei dem die bislang erhobenen Studiendaten auf einen krankheitsmodifizierenden Effekt hindeuten. Das tatsächliche Ausmaß dieses Effekts sei jedoch noch nicht abschätzbar. Gleichzeitig gilt die Therapie als gut verträglich.
Ziel: Protein Alpha-Synuclein
Prasinezumab zielt auf das Protein Alpha-Synuclein, um es außerhalb der Nervenzellen des Gehirns abzufangen, zu binden und abzubauen. So soll die Schädigung der Nervenzellen reduziert werden. Bei Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, verklumpt dieses Protein und breitet sich vermutlich über synaptische Verbindungen auf die weiteren Nervenzellen aus, die dadurch geschädigt werden und zugrunde gehen können.
„Der Großteil der Wissenschafter*innen, die sich mit Morbus Parkinson beschäftigen, geht davon aus, dass dieses verklumpte Alpha-Synuclein ein Krankheitstreiber ist“, sagt Seppi. Der Antikörper Prasinezumab wird den Betroffenen mit Parkinson in den Studienzentren einmal im Monat als so genannte passive Impfung in Form einer Infusion weiterhin verabreicht, um künftig auch Langzeitauswertungen durchführen zu können. In Innsbruck erhalten aktuell 20 Proband*innen den Antikörper.
Mit fortschreitender Erkrankung nimmt der Grad der Beeinträchtigung der Betroffenen mit Parkinson zu. „Krankheitsmodifizierende Therapien sollen das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, sodass bestimmte Meilensteine der Erkrankung später erreicht werden. Ziel ist eine längere bessere Lebensqualität und Selbständigkeit der Betroffenen, verbunden mit einer Entlastung des Gesundheitssystems und geringeren Folgekosten. Unser ultimatives Ziel ist, mit krankheitsmodifizierenden Therapien beginnen zu können, noch bevor die Krankheit ausbricht. Der erste Schritt könnte vielleicht mit diesem Antikörper getan werden, wenn sich das in der Phase-III-Studie bestätigt“, so Seppi.
Quelle: Medizinische Universität Innsbruck




