DepressionDepression: Psychotherapie verändert Hirnstruktur ähnlich wie Medikamente

Die Veränderungen betreffen Bereiche der Emotionsverarbeitung, die einen Zuwachs an grauer Gehirnmasse zeigen. Die Effekte sind ähnlich denen in Medikamentenstudien.

Psychotherapiestunde: Therapeutin sitzt auf Sessel mit Block und Stift, Klientin sitzt ihr gegenüber auf einem Sofa
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Die kognitive Verhaltenstherapie bewirkt positive Veränderung der Denkmuster, Emotionen und Verhaltensweisen. Im MRT zeitigt sie einen Zuwachs an grauer Gehirnmasse in Bereichen, die Emotionen verarbeiten.

Psychotherapie führt zu messbaren Veränderungen der Hirnstruktur. Das haben Forschende in einer Studie am Beispiel der kognitiven Verhaltenstherapie nachgewiesen.

Hierfür untersuchte das Team die Gehirne von 30 Patient*innen mit einer akuten Depression. Die meisten davon zeigten nach der Therapie Veränderungen in Bereichen, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind. Die beobachteten Effekte ähneln denen, die bereits aus Studien zu Medikamenten bekannt sind.

Weltweit sind rund 280 Millionen Menschen von einer schweren Depression betroffen. Dabei kommt es zu Veränderungen der Hirnmasse des vorderen Hippocampus und der Amygdala – beide Areale sind Teil des limbischen Systems und vorwiegend für die Verarbeitung und Kontrolle von Emotionen verantwortlich. Eine in der Psychotherapie etablierte Behandlungsmethode ist die kognitive Verhaltenstherapie.

"Die kognitive Verhaltenstherapie bewirkt eine positive Veränderung der Denkmuster, Emotionen und Verhaltensweisen. Wir gehen davon aus, dass dieser Prozess auch mit funktionellen und strukturellen Veränderungen im Gehirn verbunden ist. Für Therapien mit Medikamenten oder Elektrostimulationen ist dieser Effekt bereits nachgewiesen, für die Psychotherapie allgemein bislang jedoch nicht valide", sagt Prof. Ronny Redlich von der Uni Halle-Wittenberg.

Veränderte Hirnstruktur im MRT

Der Nachweis ist den Forschenden nun gelungen - in einer Studie mit 30 an einer akuten Depression leidenden Menschen. Die Gehirne der Betroffenen wurden vor und nach 20 Sitzungen einer Verhaltenstherapie mit der strukturellen Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht.

"MRT-Aufnahmen liefern Informationen über Form, Größe und Lage von Gewebe", erklärt die Psychologin Esther Zwiky. Zusätzlich wurden klinische Interviews geführt, um die Symptome der Erkrankung, etwa Schwierigkeiten beim Identifizieren und Beschreiben von Gefühlen, zu analysieren. Außerdem nahmen zu Vergleichszwecken 30 gesunde Kontrollpersonen an der Studie teil, die keine Therapie durchliefen.

Zuwachs an grauer Gehirnmasse

Die Ergebnisse der Studie sind deutlich: 19 von 30 Patient*innen hatten nach der Therapie kaum noch eine akute depressive Symptomatik. Erstmals haben die Forschenden auch konkrete anatomische Veränderungen dokumentiert. "Wir haben eine deutliche Zunahme des Volumens grauer Hirnmasse in der linken Amygdala und im vorderen rechten Hippocampus festgestellt", sagt Esther Zwiky. Die Forschenden sehen hier einen klaren Zusammenhang mit den Symptomen:

Personen mit höherem Zuwachs grauer Hirnmasse in der Amygdala zeigten auch einen stärkeren Rückgang ihrer Gefühlsstörungen.

Kognitive Verhaltenstherapie wirksam

"Dass die kognitive Verhaltenstherapie wirkt, war bereits bekannt. Jetzt haben wir erstmals einen validen Biomarker für den Effekt von Psychotherapie auf die Hirnstruktur. Einfacher ausgedrückt: Psychotherapie verändert das Gehirn", erklärt Redlich.

Redlich betont, dass es keine grundsätzlich bessere oder schlechtere Therapie gibt – bei manchen Menschen schlagen Medikamente besser an, bei anderen funktionieren Elektrostimulationen sehr gut, dritten wiederum hilft Psychotherapie am besten. "Umso erfreulicher ist, dass wir durch unsere Studie zeigen konnten, dass Psychotherapie auch aus medizinisch-naturwissenschaftlicher Sicht eine gleichwertige Alternative ist", so der Psychologe.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg