
In einer Studie zeigten 70% der normalgewichtigen Typ-2-Diabetiker eine Remission, wenn sie ca. 10% ihres Körpergewichts verloren. Die Studie liefert einen Beleg, dass jeder Mensch eine "persönliche Fettschwelle" hat: eine Grenze für die Fettmenge in Leber und Bauchspeicheldrüse, bevor sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Wird diese Fettschwelle überschritten, ist demnach die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes (T2D) auch bei Normalgewicht möglich. Die Studie wurde auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Stockholm vorgestellt.
Ein BMI über 30 bildet einen Risikofaktor für T2D. Vorangegangene Forschungen der Newcastle University hatten gezeigt, wie und warum ein intensives Programm zur Gewichtsreduktion Typ-2-Diabetiker mit Fettleibigkeit oder Übergewicht in Remission bringen kann. Allerdings sind etwa 15 % der Typ-2-Diabetiker nicht übergewichtig und man nimmt an, dass die Erkrankung in diesen Fällen andere Ursachen hat.
In der ReTUNE-Studie (Reversal of Type 2 Diabetes upon Normalisation of Energy Intake in the Non-obese) wurde untersucht, ob Gewichtsverlust bei Menschen mit einem BMI unter 27 kg/m2 eine Diabetesremission möglich ist. Dahinter steht die These, dass jeder Mensch eine persönliche Fettschwelle hat, mit der der Körper umgehen kann, ohne einen T2D zu entwickeln.
An der Studie nahmen 20 Männer und Frauen mit T2D (durchschnittlicher BMI 24,8 kg/m2, Durchschnittsalter 59 Jahre) teil. Sie absolvierten ein Gewichtsreduktionsprogramm, bei dem sie 2 Wochen 800 Kalorien pro Tag (aus kalorienarmen Suppen und Shakes und nicht stärkehaltigem Gemüse) zu sich nahmen, gefolgt von 4 bis 6 Wochen, in denen sie ihr neues Gewicht stabil hielten. Die Teilnehmer*innen durchliefen bis zu 3 Runden dieses Gewichtserhaltungszyklus, bis sie 10-15% ihres Körpergewichts verloren hatten. Die Ergebnisse wurden zu Studienende mit einer Kontrollgruppe verglichen, bestehend aus 20 Personen ohne Diabetes, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und BMI abgestimmt waren.
Ergebnisse
- 14 der 20 Teilnehmer*innen (70%) mit Typ-2-Diabetes gingen in Remission. Dieser Anteil war ähnlich groß wie in früheren Studien mit übergewichtigen und fettleibigen Typ-2-Diabetiker*innen. Als Remission wird ein HbA1c-Wert unter 48 mmol/mol für mindestens 6 Monate definiert, ohne Medikation.
- Die Studienteilnehmer*innen hatten bei der Remission im Schnitt 7,7 kg abgenommen (10,7% des Ausgangsgewichts). Das Gewicht blieb zwischen 6 und 12 Monate stabil.
- Der durchschnittliche BMI sank von 24,8 auf 22,4 und das Gesamtkörperfett von 32,1% auf 27,7%.
- Spezielle MRT-Scans zeigten, dass der Fettgehalt in Leber und Bauchspeicheldrüse erheblich sank.
Obwohl die durchschnittliche Leberfettmenge bei den Studienteilnehmer*innen mit 4,1% als unauffällig angesehen wurde, war diese etwa dreimal höher als bei gesunden Kontrollen mit gleichem Gewicht und fiel auf 1,4%, nahe dem gesunden Kontrollniveau. Das Fett in der Bauchspeicheldrüse reduzierte sich von durchschnittlich 5,8 auf 4,3%. Die Aktivität der insulinproduzierenden Zellen normalisierte sich.
Die Forscher schlussfolgern aus den Ergebnissen, dass T2D bei normalgewichtigen Menschen durch die gleichen Faktoren verursacht wird wie bei Übergewichtigen oder Fettleibigen. Mit etwa 10% Gewichtsverlust hätten Normalgewichtige eine sehr gute Chance, eine Remission ihres Typ-2-Diabetes zu erreichen, so Prof. Roy Taylor von der Newcastle University, Hauptautor der Studie. Die Ergebnisse stützen zudem die These einer genetisch bestimmten persönlichen Fettschwelle, nämlich dass Typ-2-Diabetiker*innen mehr Körperfett besitzen als sie individuell bewältigen können, so Tylor weiter.
Quelle: Pressemitteilung/Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD)


