Umwelt und Herz-Kreislauf-ErkrankungenUmweltverschmutzung erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Etwa 9 Mio. Menschen weltweit sterben pro Jahr vorzeitig an den Folgen der Umweltverschmutzung. Sie erhöht insbesondere das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Hitze und Smog über Skyline einer Großstadt
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Die gesundheitlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung sind weltweit zu spüren. Sie führen jedoch v.a. in Entwicklungsländern zu hohen Sterblichkeitsraten.

Ein internationales Forschungsteam hat in einer aktuellen Übersichtsarbeit gezeigt, dass Umweltverschmutzung durch Schadstoffe wie Pestizide, Schwermetalle und Mikroplastik erheblich zur Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Die Studie hebt die dringende Notwendigkeit globaler Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit hervor.

Umweltverschmutzung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Reviews Cardiology, machen deutlich, dass Schadstoffe im Boden und Wasser ein großes Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Jährlich sterben weltweit etwa 9 Millionen Menschen frühzeitig an den Folgen der Umweltverschmutzung, davon rund 5,5 Millionen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders stark betroffen sind Länder wie Indien, China, Nigeria und Indonesien, in denen die Sterblichkeitsraten durch Schadstoffe besonders hoch sind.

Schadstoffe als versteckte Gefahrenquelle

Besonders gefährlich sind Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber. Blei allein ist für etwa die Hälfte aller durch chemische Schadstoffe verursachten Gesundheitsprobleme verantwortlich. Diese Schwermetalle führen zu oxidativem Stress in den Zellen, was Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkte begünstigt. Mikro- und Nanoplastik, die vermehrt in Lebensmitteln und Trinkwasser vorkommen, verursachen ebenfalls Zellschäden und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

"Unsere Gesundheit hängt direkt mit der Gesundheit unserer Umwelt zusammen", sagt Prof. Thomas Münzel von der Uni Mainz.

Luftverschmutzung und globale Erwärmung verschärfen die Situation

Neben den chemischen Schadstoffen stellt auch die Belastung durch feinen Staub wie Wüsten- und Saharastaub eine erhebliche Gefahr dar. Jährlich sterben rund 770.000 Menschen an herzbedingten Folgen dieser Luftverschmutzung. Die globale Erwärmung wird laut der Studie die Belastung durch diese Partikel weiter verstärken und damit auch die Gesundheitsrisiken erhöhen.

Entwicklungsländer besonders betroffen

Die Studie zeigt, dass über 90 % der durch Umweltverschmutzung bedingten Todesfälle in Entwicklungs- und Schwellenländern auftreten. Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver industrieller Aktivität und unkontrollierter Nutzung von Pestiziden, da dort oft keine ausreichenden Maßnahmen zur Kontrolle von Schadstoffen existieren.

Dringender Aufruf zu globalen Maßnahmen

Die Forschenden fordern rasches Handeln, um die chemische Belastung der Umwelt zu verringern und dadurch die weltweite Gesundheitskrise zu lindern. „Die Bekämpfung der Boden- und Wasserverschmutzung ist entscheidend, um die steigende Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzudämmen“, erklärt Prof. Münzel. Der Artikel appelliert insbesondere an Mediziner*innen, Umweltfaktoren stärker in die Risikoanalyse ihrer Patient*innen einzubeziehen.

Über die Studie

Die Übersichtsarbeit wurde von Expert*innen aus Kardiologie, Umweltchemie und Epidemiologie erstellt und fasst die neuesten Forschungsergebnisse zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung zusammen. Zu den beteiligten Institutionen gehören die Universitätsmedizin Mainz, das Max-Planck-Institut für Chemie und das Global Observatory on Planetary Health am Boston College. Die Studie verdeutlicht, dass Umweltverschmutzung nicht nur ein ökologisches Problem darstellt, sondern auch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringt.

Quelle: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung