LungeZu viel Zucker und Fett schädigen die Lunge

Eine ungesunde Ernährung kann die Lunge schädigen. Bewegung hingegen bietet mögliche Schutzwirkungen.

Illustration: Alveolen - Lungenbläschen
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Adipokine aus Fettgewebe können die Lungenbläschen schädigen und den Gasaustausch erschweren.

Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat herausgefunden:

Nicht nur Rauchen, auch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel können die Lunge schädigen.

Im Rahmen des Projekts „Lifestyle factors in respiratory health and disease“ untersuchen die Wissenschaftler*innen, wie Ernährung, Bewegung und Tabakrauch die Gesundheit der Lunge beeinflussen. Ziel ist es, das Zusammenspiel zwischen der Lunge und anderen Organen auf molekularer Ebene zu entschlüsseln.

Adipokine und ihre Rolle in der Lunge

Im Mittelpunkt der Forschung stehen sogenannte Adipokine: Diese Botenstoffe werden vom Fettgewebe produziert und erfüllen wichtige Funktionen im Körper. Adipokine könnten jedoch auch das Lungengewebe, insbesondere die Lungenbläschen (Alveolen), negativ beeinflussen. Die Alveolen sind für den Gasaustausch zwischen Blut und Lunge zuständig und von Epithelzellen ausgekleidet, die das Surfactant produzieren. Surfactant reduziert die Oberflächenspannung in den Lungenbläschen und sorgt dafür, dass sie sich gleichmäßig öffnen und der Gasaustausch funktioniert.

„Zuviel Kohlenhydrate und Fett in der Nahrung verändern die Surfactant-Produktion und das Lipid-Gleichgewicht in den AT2-Zellen und sorgen dafür, dass sich die Gefäße in der Blut-Luft-Schranke verdicken und die Alveolarwände weniger elastisch sind, was den Gasaustausch erschwert“, erklärt PD Dr. Julia Schipke.

Ungesunde Ernährung und Bewegung im Fokus

Das Team untersucht die Auswirkungen einer ungesunden, zucker- und fettreichen Ernährung in Mausmodellen. Ziel ist es herauszufinden, welche Effekte diese Ernährung in verschiedenen Lebensphasen auf die Lunge hat. Einige der Mäuse erhalten Zugang zu einem Laufrad, um zu testen, wie körperliche Aktivität die negativen Auswirkungen auf die Lunge mindern kann.

Bewegung könnte helfen, da Muskelzellen ebenfalls Botenstoffe, sogenannte Myokine, produzieren, die möglicherweise die Lungengesundheit verbessern. „Wir wollen jetzt herausfinden, welche molekularen und strukturellen Veränderungen in der Lunge stattfinden und welche Botenstoffe diese Vorgänge im Einzelnen steuern“, so Dr. Schipke.

Übertragbarkeit auf den Menschen

Die im Mausmodell identifizierten Adipokine und Myokine wollen die Forscher*innen in menschlichen Zellkulturen sowie Lungenschnitten aus explantierten Organen überprüfen. Laut Dr. Schipke sind Maus und Mensch in diesem Fall gut vergleichbar, da beide ein ähnliches Surfactant-System haben und ihr Stoffwechsel ähnlich auf ungesunde Ernährung reagiert. Die Ergebnisse der Studie könnten langfristig dazu beitragen, Lungenschäden durch Übergewicht früher zu erkennen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover