MangelernährungErnährungsstatus: Mängel erkennen im Krankenhaus

Mangelernährung in Krankenhäusern ist kein Randproblem. Das Uniklinikum Leipzig ist eine der wenigen deutschen Kliniken, die Ernährungsscreening und Ernährungstherapie anbieten.  

Ernährungsberaterin tippt auf Tastatur, daneben liegen Obst und Gemüse
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Eine frühzeitige Ernährungstherapie bei Mangelernährung unterstützt die Therapie und Genesung bis hin zur Reduktion des Sterblichkeitsrisikos.

Mangelernährung in Krankenhäusern wird oft kaum oder viel zu spät wahrgenommen. Expert*innen gehen davon aus, dass rund 20 bis 30 Prozent aller Krankenhauspatient*innen in Deutschland mangelernährt sind.

Am Universitätsklinikum Leipzig wurde ein flächendeckendes stationäres Ernährungsscreening etabliert. Nun wird dieser Ansatz gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse in einem Qualitätsvertrag Mangelernährung verstetigt und ausgebaut. Andere Krankenkassen wie die BARMER und die DAK sind bereits nachgezogen.

Mangelernährung und Ernährungstherapie im klinischen Alltag prüfen

Seit Jahresende 2024 bieten das Leipziger Uniklinikum und die Techniker Krankenkasse in diesem Rahmen eine umfassende Diagnostik, Therapie und Prävention von Mangelernährung an. Die Leipziger screenen bereits seit Jahren alle stationären Patient*innen auf eine drohende oder bestehende Mangelernährung. Ziel ist, während des Klinikaufenthaltes ein Ernährungsregime zu erstellen, das weiterführend umgesetzt werden kann.

Hintergrund ist die große Rolle der oft nicht erkannten Mangelernährung vor allem bei schwerkranken Patient*innen. Durch Mangelernährung können Therapie und Genesung nachhaltig beeinträchtigt werden. Und der Bedarf ist groß: Daten belegen, dass 20 bis 30 Prozent aller Krankenhauspatient*innen mangelhaft ernährt sind. Besonders betroffen sind:

  • Menschen im höheren Alter,
  • Menschen mit chronischen und gravierenden Erkrankungen, 
  • rund ein Drittel der Krebs- und Tumorpatient*innen,
  • Patient*innen nach chirurgischen Eingriffen im Magen-Darm-Bereich.

Ziel des Vertrags ist es, die Umsetzung eines routinemäßigen Screenings auf Mangelernährung mit folgender Ernährungstherapie im klinischen Alltag zu prüfen.

"So können standardisierte Fragen zum Gewichtsverlauf und anschließend zum Beispiel nach Kau- und Schluckbeschwerden auf Ernährungsprobleme hinweisen und damit die Indikation zur Ernährungstherapie begründen", erläutert Ernährungstherapeut Lars Selig. Das Ernährungsteam arbeite bei der Umsetzung dann eng mit Ärzten und Pflegepersonal der jeweiligen Stationen zusammen.

Das Leipziger Uniklinikum verfügt dabei über einen entscheidenden Vorteil - ein großes Ernährungsteam. Nur 3 bis 5 Prozent aller deutschen Kliniken haben Ernährungsteams, was die ernährungsmedizinische Versorgung erschwert. Auch deshalb fiel die Wahl der Techniker Krankenkasse auf das UKL als Vertragspartner. 

Frühzeitige Ernährungstherapie hat viele Vorteile

Eine frühzeitige Ernährungstherapie hat nachweislich viele positive Effekte bis hin zur Reduktion des Sterblichkeitsrisikos bei schwerkranken Patient*innen. Dafür sei die verlässliche Identifizierung Betroffener grundlegend. 

Mit dem Qualitätsvertrag Mangelernährung könne das Screening mit anschließender Ernährungstherapie für Versicherte der teilnehmenden Kassen auch auf abgesicherter Grundlage angeboten werden. Bislang wurden Screening und Ernährungstherapie von den Krankenkassen nicht finanziert. 

Hintergrund

Der Qualitätsvertrag Mangelernährung ist zum 1.12.2024 in Kraft getreten und endet am 31.12.2027. Der Vertragszeitraum ist geteilt in die Nullwertmessung (1.12.2024 - 31.05.2025) und den Interventionszeitraum (1.6.2025 - 31.12.2027). Die im Vertrag festgelegten Leistungen werden also erst ab dem 1.6.2025 durchgeführt. Damit können die Vertragsleistungen erst später in Anspruch genommen werden. Inzwischen sind mit der DAK sowie ab 1.3.2025 der BARMER weitere Krankenkassen dem Vertrag beigetreten.   

Quelle: Universitätsklinikum Leipzig