HitzeHitzestress begünstigt neurologische Erkrankungen

Migräne, MS, Querschnittslähmung: Hitze setzt Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen besonders zu und kann die Symptome deutlich verschlechtern.

Thermometer vor gleißender Sonne, Symbolbild für Hitze
Günter Albers/stock.adobe.com

Durch den Klimawandel werden heißere Sommer und starke Hitzephasen immer wahrscheinlicher.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Augsburg hat gezeigt, dass nächtliche Hitzeereignisse die Schlaganfallrate erhöhen.

Bei chronischen neurologischen Erkrankungen wie Migräne, MS oder Querschnittslähmung können Hitzephasen die Symptome verschlechtern. Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) hat dafür einen von ihrer Arbeitsgruppe Neurologie entwickelten Leitfaden für Betroffene und Behandelnde herausgegeben. 

Delir, Migräne, MS, Querschnittslähmung

Eine hitzebedingte neurologische Komplikation ist das Delir, ein v.a. im Alter häufig vorkommender Verwirrtheitszustand. Nachlassendes Durstgefühl im Alter kann an heißen Tagen aufgrund von Flüssigkeitsmangel zum Delir führen. Das kann schwerwiegende Folgen haben, z.B. daraus resultierende Stürze mit Knochenbrüchen.

Für Menschen, die unter chronischen neurologischen Erkrankungen leiden, sind hohe Temperaturen besonders belastend und können den Gesundheitszustand deutlich verschlechtern:

  • Migräne: Hitzewellen können die Häufigkeit von Migräneattacken erhöhen bzw. auslösen. Auch Dehydratation und Schlafmangel sind Triggerfaktoren für Migräneattacken und während Hitzeperioden besonders häufig.
  • Multiple Sklerose (MS): Mehr als die Hälfte der Menschen mit MS erlebt eine Symptomverschlechterung bei Hitze, das sog. Uthoff-Phänomen. Ursache sind unvollständig abgeheilte Entzündungsherde im zentralen Nervensystem, die v.a. bei Hitze die Weiterleitung von Nervensignalen behindern. Sobald die Hitze nachlässt, klingen diese verstärkten Beschwerden zwar wieder ab. Allerdings erschweren sie Betroffenen die ohnehin belastenden Hitzetage zusätzlich.
  • Querschnittslähmung: Menschen mit Rückenmarksverletzungen und Querschnittslähmung sind nicht nur in ihrer Mobilität eingeschränkt. Sie leiden häufig auch unter einer eingeschränkten Temperaturregulation des Körpers. Zudem sind sie teilweise auf externe Geräte angewiesen. Dies macht sie besonders anfällig für Hitzestress.

KLUG hat zum Hitzeaktionstag am 5. Juni 2024 einen Leitfaden für Betroffene und Behandelnde veröffentlicht. Darin werden u.a. empfohlen:

  • Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung
  • Kühlhalten des Körpers
  • Vermeidung von Dehydration durch ausreichende Trinkmengen
  • ggf. Anpassung der Medikamentendosis

Vulnerable Gruppen schützen

Die gesundheitliche Gefahr von Hitze werde immer noch unterschätzt, sagt Prof. Peter Berlit von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Die Maßnahmen bei Hitze müssten insbesondere von vulnerablen Gruppen wie älteren Menschen oder Menschen mit bestehenden neurologischen Erkrankungen ernstgenommen werden.

Doch auch der Ursache – dem Klimawandel – müsse entgegengewirkt werden. Dr. Ameli Breuer von der AG Neurologie bei KLUG ergänzt dazu: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, über die erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise aufzuklären und die Gesundheitsberufe zu befähigen, Akteurinnen und Akteure der notwendigen Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft zu werden, in der wir gesund leben können. Denn die Gesundheit der Menschen hängt von der Gesundheit der Ökosysteme ab."

Durch die Klimakrise werden heißere Sommer und starke Hitzephasen immer wahrscheinlicher. So war der Sommer 2022 in Europa der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und forderte zehntausende hitzebedingte Todesfälle. Hitzeperioden haben in vielerlei Hinsicht tiefgreifende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Hitze erhöht v.a. das Risiko für neurologische Erkrankungen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie