
“Fühlt der Patient sich gesehen und ernstgenommen, schafft das Vertrauen und trägt auch zur Compliance bei und erwiesenermaßen zur besseren Wirkung dessen, was ich ihm verordne”, sagt der Allgemeinarzt Prof. Peter Gündling. Warum und wie sich evidenzbasierte Medizin sehr gut in der integrativmedizinischen Praxis anwenden lässt.
Evidenzbasierte Medizin spart Kosten und macht die Menschen gesünder
Der kanadische Mediziner Prof. David L. Sackett (1934 - 2015) war der Pionier der evidenzbasierten Medizin (EbM). Für ihn sollte sich moderne Therapie auf 3 Säulen stützen:
- randomisierte, (placebo-)kontrollierte Studien,
- die Erfahrung des Arztes,
- die Wünsche des Patienten.
Sacketts Dreiklang lasse sich hervorragend in der integrativmedizinischen Praxis anwenden: “Lange wurde über Patienten entschieden und nicht gemeinsam mit ihnen eine Entscheidung gefunden”, so Gündling, “auch insofern ist das Drei-Säulen-Modell von Prof. Sackett etwas sehr modernes.”
Das Modell nach Sackett erachtet nicht nur Forschung und Studien als therapieentscheidend. Es berücksichtigt ebenso die Individualität des Patienten sowie das Miteinander von Arzt und Patient auf Augenhöhe. Das schaffe nicht nur Vertrauen, sondern trage auch zur Compliance bei.
Zwischen Studienlage und Patient*innenwünschen
Ärzt*innen stehen zwischen Studien und Patient*innen als vermittelnde, abwägende Säule. “Hier kommt meine Erfahrung ins Spiel, die ich über Jahrzehnte mit meinen Patient*innen gesammelt habe”, sagt Gündling. Er fragt seine Patient*innen auch, was zu ihren Beschwerden geführt habe. Damit binde man die Patient*innen mit in die Therapie ein und kommt besser an die Erkrankungsursachen heran. Dazu brauche der Patient oder die Patientin konkrete Anweisungen. “Es reicht nicht, einfach nur zu sagen: Sie müssen abnehmen und sich mehr bewegen.”
“Ich bin ein Freund der integrativen Medizin weil sie auch therapeutisch Angebote macht, die der konventionellen Medizin nicht zur Verfügung stehen”, fasst Gündling zusammen. Natürlich sei diese Vorgehensweise zeitaufwendiger als nur leitliniengerecht vorzugehen und ein Rezept auszustellen. Sie spare aber mittel- und langfristig Kosten weil sie unnötige Kosten vermeide. Und sie mache die Menschen gesünder.
Beispiel Bluthochdruck
Hypertonie ist auch in Gündlings Praxis häufig. “Die externe Evidenz (also die Studienlage) zeigt uns, dass Bluthochdruck eine gefährliche Krankheit ist, die zu mehr Herzinfarkten, Niereninsuffizienzen, Augenproblemen, Schlaganfällen führen kann. Und es gibt wissenschaftlich geprüfte Medikamente dagegen, das ist eine Tatsache.”
Hier bringt der Mediziner seine Erfahrung ein und vermittelt zwischen Patientenwunsch und externer Evidenz: “Statt nur ein Medikament zu verordnen oder zu sagen, Sie müssen abnehmen und sich mehr bewegen, prüfe ich gemeinsam mit dem Patienten, welche Sportarten für ihn individuell geeignet sind und wie er seinen Stress bei der Arbeit konkret mindern kann.”
Außerdem bekomme der Patient eine genaue Anleitung, wie er Verfahren der 9integrativen Medizin einbeziehen kann. Zum Beispiel wie er zu Hause Kneipp'sche Kniegüsse durchführt, die eine Hypertonie nachweislich günstig beeinflussen können.
Prof. Dr. med. Peter Gündling führt seit 37 Jahren als Allgemeinarzt eine ganzheitliche Praxis im hessischen Bad Camberg. Zu seinen Schwerpunkten zählen Kneipp-Therapie, Phytotherapie, Ernährungsmedizin und Fasten. Seit 2006 leitet er als Studiendekan den Masterstudiengang Naturheilkunde und komplementäre Medizin an der Carl Remigius Medical School.
Quelle: Initiative Gesunde Vielfalt


