
Die aktualisierte S3-Leitlinie versammelt die neusten Erkenntnisse und Empfehlungen in Bezug auf Diagnostik, Therapie und Nachsorge der pAVK und setzt einen Schwerpunkt auf die ganzheitliche Therapie der Patient*innen.
Insbesondere wird der Stellenwert der Bewegungstherapie hervorgehoben: „Erstmals gibt es zahlreiche detaillierte Empfehlungen zu Art und Dauer des Gefäßtrainings“, berichtet Dr. Ulrich Rother. „Leider besteht in Deutschland eine Unterversorgung in Bezug auf Gefäßsportgruppen und das, obwohl die Wirksamkeit des Bewegungstrainings eindeutig belegt ist“, kritisiert der Gefäßchirurg vom Uniklinikum Erlangen. Denn zentral für eine Verbesserung der Symptome sei eine Lebensstiländerung, bei der Gefäßtraining in mehrfacher Hinsicht helfe: "Durch die Gruppendynamik fällt es leichter, Risikofaktoren wie Rauchen, falsche Ernährung und Bewegungsmangel zu bekämpfen.“
Gehtraining bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (paVK)
Zentral für eine Verbesserung der paVK-Symptome ist eine Lebensstiländerung. Dazu gehören Gehtraining und körperliche Aktivität. Laut Leitlinie hat sich Gehtraining als wichtigste nichtmedikamentöse Therapie in Studien bewährt:
- Überwachtes strukturiertes Gefäßtraining, z.B. in Gefäßsportgruppen, ist wirksam. Die Verlängerung der schmerzfreien und maximalen Gehstrecke durch Gehtraining konnte in Studien eindeutig nachgewiesen werden.
- Auch strukturiertes häusliches Bewegungstraining mit Zielvorgaben wird empfohlen, wenn überwachtes Gehtraining nicht möglich ist.
Quelle: S3-Leitlinie paVK
Nützliche Links
Gefäßsportgruppen nach Postleitzahlgebieten: www.deutsche-gefaessliga.de/gefaesssportgruppen
Weiterführende Infos zu Bewegung und Gehtraining bei paVK: www.gesundheitsinformation.de
Auch dem demografischen Wandel trägt die Aktualisierung der Leitlinie Rechnung: Ein neues Kapitel widmet sich der Therapie und Nachsorge von geriatrischen Patient*innen. In der Leitlinie neu aufgenommen sind u.a. die Schlussfolgerungen aus zwei Studien, die Klarheit geschaffen haben, wann welches Verfahren zur Wiederherstellung der Blutzirkulation besonders geeignet ist, wenn der Verlust einer Extremität droht.
„Ob endovaskulär, also mit Hilfe eines Katheters, oder offen chirurgisch vorgegangen werden soll, können wir inzwischen anhand definierter Kriterien besser beurteilen. Das bedeutet für die Betroffenen ein besseres Ergebnis und die Chance, einer Amputation zu entgehen“, erläutert Rother.
Hintergrund: Periphere arterielle Verschlusskrankheit
Zwischen 3 und 10 Prozent der Menschen in Deutschland leiden an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Die Risikofaktoren Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, familiäre Vorbelastung und fortgeschrittenes Alter lassen aber vorhersehen, dass diese Zahl eher steigen als sinken wird.
Es beginnt mit Schmerzen in den Waden: Die Gehstrecken, die ohne Schmerzen zurückgelegt werden können, werden kürzer. Betroffene müssen immer mehr Pausen einlegen – bleiben vor jedem Schaufenster stehen. So beginnt die pAVK, die im Anfangsstadium auch Schaufensterkrankheit oder Claudicatio intermittens genannt wird. „Ablagerungen in den Arterien verringern den Durchfluss des Blutes, das führt zu einer Unterversorgung im umliegenden Gewebe. Betroffene leiden aber nicht nur an einer pAVK“, erläutert Ulrich Rother.
„Die Betroffenen sind mehrfacherkrankt: Viele haben zusätzlich Diabetes Typ 2, Übergewicht und Bluthochdruck und tragen also ein hohes Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Die ganzheitliche Therapie der pAVK ist deswegen ein zentraler Punkt der neuen Leitlinie.“
Die aktualisierte Version der S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der pAVK ist im Oktober 2024 erschienen und wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) vorgestellt. Eine Patienten-Version der Leitlinie ist für das kommende Jahr geplant.
Die Leitlinie ist in Zusammenarbeit verschiedener Fachgesellschaften unter Mitwirkung der DGG entstanden.
Quelle: DGG


