KopfschmerzMigräne: Riechtraining erhöht Schmerzwahrnehmungsschwelle

Süßes Parfüm, Zigarettenrauch, Essen: Gerüche können Migräneattacken triggern. Ein konsequentes Riechtraining kann helfen.  

Riechen, Nase, Orange, Frau riecht an Orange
Evgenia/stock.adobe.com

Bei Menschen mit Migräne ist die Geruchswahrnehmung häufig geringer als bei Gesunden.

Etwa 8 bis 10 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Migräne. Eine neue Studie hat genauer untersucht, in welchem Ausmaß Gerüche, Geruchswahrnehmung und Migräneattacken zusammenhängen. Etwa ein Drittel der von chronischer Migräne Betroffenen leidet demnach an permanenter Geruchsüberempfindlichkeit, der sog. Osmophobie: Bestimmte Gerüche werden als besonders unangenehm und belastend empfunden und können eine Migräneattacke triggern.

Dr. Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzsprechstunde am Uniklinikum Dresden, berichtete über die wichtigsten Ergebnisse auf einer Pressekonferenz anlässlich des Kopfschmerztags und gab einen Ausblick, wie eine Osmophobie therapeutisch angegangen werden kann.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • 62% der Studienteilnehmer*innen bejahten eine erhöhte Sensitivität für Gerüche während einer Migräneattacke.
  • 38% gaben vor einer Migräneattacke und 32% zwischen den Migräneattacken eine Osmophobie an.
  • Am häufigsten wurden genannt: süßes Parfüm, Essensgerüche und Zigarettenrauch, aber auch Abgase, verbrauchte Raumluft, Blumen, Lack und Benzin.
  • Die Krankheitslast durch Migräne steigt bei Osmophobie und umgekehrt.

Die Frage, ob Migränepatient*innen generell ein besseres Geruchsvermögen aufweisen, konnte in früheren Studien nicht bestätigt werden: Menschen mit Migräne hatten eher eine schlechtere olfaktorische Wahrnehmung als Gesunde, dies betraf auch Migränepatient*innen mit Aura. Frühere Forschungen hatten herausgefunden, dass morphologische Zusammenhänge für die schlechtere Geruchswahrnehmung bestehen. So war das Volumen des für die Verarbeitung von Geruchsinformationen wichtigen Bulbus olfactorius im MRT bei Migränepatient*innen geringer als bei Gesunden.

Therapiepotenzial durch Riechtraining

In 2 Studien am Universitätsschmerzzentrum Dresden wird ein strukturiertes Riechtraining für Migränepatient*innen evaluiert. Bisher vorliegende Ergebnisse zeigen: Durch das Riechtraining verbessert sich die Geruchswahrnehmung, die Schmerzempfindlichkeit bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Migräne wird reduziert.

Im Rahmen der Studie Riechtraining für Patient*innen mit Kopfschmerzen erhalten die Teilnehmer*innen über einen Zeitraum von 3 Monaten ein strukturiertes Riechtraining. Die Patient*innen erhalten dabei verschiedene Duftrichtungen zur Auswahl, die sie dann in Form von Riechstiften 2x täglich selbst einsetzen.

Goßrau sieht im Riechtraining großes Potenzial für eine weitere nichtmedikamentöse Schmerztherapie sowie einer Chronifizierung durch die Desensitisierung vorzubeugen.

Quelle: Pressekonferenz/DMKG