KomplementärmedizinNeuer Forschungsstandort für Komplementärmedizin

Akupunktur, Yoga, Heilpflanzen: Die Uni Tübingen und der Stuttgarter Bosch Health Campus haben ein Forschungsnetzwerk gegründet, um komplementäre Verfahren systematisch zu untersuchen.

2 Akupunkturnadeln auf einem chinesischen Nadelhalter
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Am deutschen Cochrane-Standort wird u.a. Akupunktur bei Spannungskopfschmerz untersucht.

Komplementärmedizinische Verfahren wie Akupunktur, Yoga oder Heilpflanzen werden von vielen Menschen genutzt. Doch ihre Wirksamkeit und Sicherheit sind nicht immer ausreichend wissenschaftlich belegt.

An der Uni Tübingen und am Bosch Health Campus in Stuttgart wurde ein neuer Forschungsstandort des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Complementary Medicine gegründet. Unter der Leitung von Prof. Holger Cramer soll er die Forschung zu Komplementärmedizin in Deutschland voranbringen. 

Wie gut wirkt Komplementärmedizin?

Mehr als zwei Drittel der Deutschen nutzen komplementärmedizinische Verfahren. Wie gut wirken sie im Vergleich zu einer schulmedizinischen Behandlung? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es? Und wie sicher sind die Verfahren?

Prof. Holger Cramer erklärt: „Komplementärmedizinische Verfahren haben Potenzial, die konventionelle Medizin sinnvoll zu ergänzen, etwa in der Schmerztherapie, bei psychischen Erkrankungen oder der begleitenden Versorgung von an Krebs erkrankten Menschen. Dafür ist es essenziell, ihre Sicherheit und Wirksamkeit systematisch zu untersuchen und die Ergebnisse dieser Forschung transparent zu machen.“ Cramer leitet das Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin und Gesundheit am Bosch Health Campus.

Fundiertes Wissen in der Komplementärmedizin

„Mit der Gründung von Cochrane Complementary Medicine Germany schaffen wir eine Plattform, um die Forschung in diesem Bereich zu stärken und wissenschaftliche Erkenntnisse für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Cramer. 

Cochrane ist ein unabhängiges, internationales Forschungsnetzwerk, das seit 1993 systematische Übersichtsarbeiten erstellt. Cochrane Reviews liefern fundierte wissenschaftliche Bewertungen medizinischer Verfahren und dienen als verlässliche Entscheidungsgrundlage für Patient*innen, Ärzt*innen und das Gesundheitswesen.

Für einen Cochrane Review sichten Autor*innen zunächst sämtliche verfügbare Evidenzen zu einer konkreten Fragestellung. Dann bewerten sie die Studienergebnisse nach den strengen Kriterien der weltweit als Goldstandard anerkannten Methodik von Cochrane und fassen sie in einer systematischen Übersichtsarbeit zusammen. Diese ist über die Cochrane Library weltweit zugänglich.

Tübingen und Stuttgart forschen zu Yoga bei Diabetes und Akupunktur

Das Forschungsfeld Cochrane Complementary Medicine widmet sich der wissenschaftlichen Bewertung komplementärmedizinischer Methoden wie Yoga, Akupunktur oder Heilpflanzen. Cochrane Complementary Medicine hat Forschungsstandorte in den USA, China, Korea und der Schweiz.

Am neuen Standort in Deutschland werden zunächst Themen wie Yoga bei Diabetes, Akupunktur bei Spannungskopfschmerz und Echinacea in der Vorbeugung von Infekten in Cochrane Reviews adressiert. Weitere patientenrelevante Themen sollen folgen. Zusätzliche Schwerpunkte sind die Weiterentwicklung der Forschungsmethodik im Bereich der Komplementärmedizin sowie die Verbreitung der Ergebnisse von Cochrane Reviews.

Quelle: Universitätsklinikum Tübingen