
"Körperliche Aktivität wirkt wie ein Breitbandmedikament – sie senkt die Krankheitsaktivität und kann die Basistherapie entlasten", sagt der Rheuma-Spezialist PD Dr. med. Christoph Biehl. Und: "Wir müssen Bewegung systematisch in die Versorgung integrieren." Die Rede ist in erster Linie von strukturierter, verordneter Bewegung – aber der Experte empfiehlt Menschen mit Rheuma auch, lokale Angebote, etwa der Rheuma-Liga, zu nutzen.
In den letzten Jahren hat ein deutlicher Wandel zu Sport bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stattgefunden. Durch zahlreiche wissenschaftliche Studien ist belegt: Sport jedweder Couleur zeigt positive Auswirkungen auf allen Ebenen der Erkrankung.
So wird durch eine sportliche Betätigung die Krankheitsaktivität gesenkt, was wiederum eine Reduktion der Basistherapie ermöglichen kann.
Sport unverzichtbare Therapiekomponente
Körperliche Aktivität stellt daher eine unverzichtbare Komponente im Management rheumatischer Erkrankungen dar. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Bewegung
- Schmerzen lindern,
- die Muskulatur stärken und
- die Lebensqualität verbessern kann.
Zudem verringert ein aktiver Lebensstil das Risiko für Begleiterkrankungen wie Übergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen und Depressionen, die häufig mit rheumatischen Erkrankungen assoziiert sind.
Bewegung und Knochen
Eine große Auswertung zeigt: Wer sich regelmäßig bewegt, hat messbar stärkere und stabilere Knochen. Besonders hilfreich bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind Aktivitäten, die das Skelett tragen oder fordern, z.B.
- zügiges Gehen,
- Treppensteigen,
- Übungen mit dem eigenen Körpergewicht,
- Krafttraining oder auch
- Sprungübungen.
Diese Formen der Bewegung gingen mit besseren Messwerten an Wirbelsäule und Oberschenkel einher; keine der untersuchten Aktivitätsarten schnitt nachteilig ab.
Bewegung gegen Erschöpfung
Für Patient*innen mit systemischem Lupus erythematodes deutet eine Studie darauf hin, dass ein strukturiertes, betreutes Intervall-Training (HIIT) gleich doppelt nützt: Die Ausdauerleistung verbesserte sich deutlich – und die belastende Erschöpfung, die Fatigue, nahm spürbar ab. Bei einigen Teilnehmenden lag die Fatigue nach dem Programm sogar nicht mehr im klinisch auffälligen Bereich.
Fachgesellschaften empfehlen angepasstes Training
Gesellschaften, wie die European League Against Rheumatism (EULAR) oder das American College of Rheumatology haben spezifische Bewegungsempfehlungen für Patient*innen mit entzündlichen Arthritisformen herausgegeben. Diese Empfehlungen beinhalten sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining, wobei die Intensität und Dauer an die individuellen Fähigkeiten der Patienten angepasst werden sollten.
Doch trotz allen Fortschritts klaffen mancherorts Realität und Wunsch noch auseinander. So zeigen nationale Studien, dass durch die koordinierte Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Rheumatologen und Patienten die Zeit bis zur Diagnose verkürzt werden kann, aber auch, dass es viele Gründe gibt, eine sportliche Betätigung zu vermeiden.
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie sieht daher dringenden Bedarf, sporttherapeutischer Ansätze stärker in der Therapie inflammatorischer Erkrankungen zu integrieren, um die Therapieergebnisse zu verbessern.
Sport und Bewegung fungieren als "Breitbandmedikament", das nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das psychische Wohlbefinden der Betroffenen fördert. Die Implementierung evidenzbasierter Bewegungsempfehlungen sollte daher als integraler Bestandteil der Behandlung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen angesehen werden, um die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten nachhaltig zu verbessern.
Quelle: Pressekonferenz Deutscher Rheumatologiekongress 2025
- Dreher M, Kosz M, Schwarting A. [Physical activity, exercise and nutrition in rheumatism: Adjuvant treatment options for inflammatory-rheumatic diseases]. Orthopade 2019; 48:917-926
- Dreher M, Witte T, Hoeper K et al. Rheuma-VOR study: optimising healthcare of rheumatic diseases by multiprofessional coordinating centres. Annals of the rheumatic diseases 2024; https://ard.eular.org/article/S0003-4967(24)00343-1/fulltext
- Leyk D. The preventive and therapeutic roles of regular physical activity. Deutsches Arzteblatt international 2009; https://di.aerzteblatt.de/int/archive/article/66573


