NachrichtenUmweltstressoren machen krank

Zwischen 16 und 22 Prozent der weltweiten Todesfälle werden allein durch chemische Umweltverschmutzung verursacht. Forscher arbeiten an Präventionsstrategien.

Rauch aus Kohlekraftwerk
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Umweltmediziner*innen gehen davon aus, dass zwei Drittel der chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind.

Umweltstressoren wie Luftverschmutzung, Lärm, ungesunde Städteplanung und Klimawandel erhöhen das Risiko für chronische, nicht-übertragbare Krankheiten (NCDs) wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenso wie die traditionellen Risikofaktoren Rauchen, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.

Umweltstressoren machen krank

Große epidemiologische Studien haben gezeigt, dass fast zwei Drittel der jährlichen Todesfälle weltweit durch chronische, nicht übertragbare Krankheiten verursacht werden. An erster Stelle stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Alterung der Bevölkerung und Umweltstressoren wie Boden-, Wasser-, Luft- und Lärmbelastung, ungesunde Stadtgestaltung und ungesunde Lebensgewohnheiten tragen dazu bei.

Umweltmediziner*innen gehen davon aus, dass

  • zwei Drittel der chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten auf die Summe aller Umwelteinflüsse zurückzuführen sind,
  • 16 bis 22 Prozent der weltweiten Todesfälle (9 bis 12,6 Millionen) allein durch chemische Verschmutzung verursacht werden.

Exposom-Konzept als Basis für Präventionsstrategien

Das Exposom-Konzept beschreibt die schädlichen biochemischen und metabolischen Veränderungen, die durch verschiedene Umwelteinflüsse gleichzeitig auftreten und schließlich zu Gesundheitsschäden und vorzeitigem Tod führen können.

Expositionen mit Entzündungen, nachteiligen Stoffwechselveränderungen und dysregulierter DNA-Methylierung (epigenetische Veränderungen) in Zusammenhang stehen und zu erhöhtem Blutdruck und anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.

So befasst sich das 2020 gestartete European Human Exposom-Network mit der Untersuchung von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit der Europäer*innen. Es werden beispielsweise mehr als 22 Millionen Arbeitnehmer*innen auf ihre Exposition am Arbeitsplatz untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf chemischen Toxinen, Lärm und psychosozialen Belastungen. Darüber hinaus werden mehr als 2 Millionen Proband*innen mit verschiedenen Techniken und Methoden untersucht, um Zusammenhänge zwischen Exposition und Gesundheit zu finden.

„Das Exposom-Konzept ist ein wichtiger neuer Ansatz zur Untersuchung von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit und kann dazu beitragen, Präventionsstrategien zu entwickeln, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische, nicht übertragbare Krankheiten zu senken“, so die Autoren Thomas Münzel und Andreas Daiber vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

Quelle: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung