HerzinsuffizienzWachsende Herausforderung für die Herzmedizin

Herzinsuffizienz bedeutet für die meisten Erkrankten eine chronische Einschränkung. Aber: Moderne Therapien können das Leben deutlich verbessern.

Tablet mit Schriftzug "Herzinsuffizienz" und ein Stethoskop
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Atemnot bei Belastung, Leistungseinschränkung, Wassereinlagerungen im Körper sowie schlechtere Lebensqualität: Herzinsuffizienz markiert einen starken Einschnitt in das Leben der Patient*innen.

Herzinsuffizienz bleibt trotz medizinischer Fortschritte eine der großen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Zwar kann die Erkrankung in wenigen Fällen, etwa nach einer ausgeheilten Herzmuskelentzündung oder durch die Korrektur eines Herzklappenfehlers, geheilt werden. Doch für die meisten Betroffenen bedeutet sie eine chronische Einschränkung ihrer Lebensqualität. Moderne Therapien, von Medikamenten bis hin zu innovativen Implantaten, tragen jedoch dazu bei, die Symptome zu lindern und das Leben der Patient*innen zu verlängern.

Medikamente als Basis der Therapie

„Mit Medikamenten können wir die Sterblichkeit senken und bei Patient*innen mit einer chronischen Herzschwäche zu einer besseren Lebensqualität verhelfen sowie das Fortschreiten der Herzinsuffizienz verlangsamen“, erklärt Prof. Holger Thiele von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Aktuelle Behandlungsleitlinien empfehlen eine Kombination aus 4 Hauptgruppen von Medikamenten: Betablocker, ACE-Hemmer oder ARNIs (Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren), MRA (Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten) und SGLT-2-Hemmer. Diese Medikamente stabilisieren das Herz und verringern das

Risiko lebensgefährlicher Rhythmusstörungen

Patient*innen, die unter Wassereinlagerungen (Ödemen) leiden, erhalten zudem Diuretika. Sie helfen, die überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper zu entfernen. Herzinsuffizienzmedikamente gehören mittlerweile zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln, wie der Herzbericht zeigt. Allein Angiotensinhemmstoffe wurden 2022 in 10,8 Milliarden Tagesdosen verordnet, Betablocker in 2,1 Milliarden Tagesdosen.

Implantate bei fortgeschrittener Herzschwäche

Reichen Medikamente nicht aus, kommen oft implantierbare Geräte wie Herzschrittmacher oder Defibrillatoren zum Einsatz. Herzschrittmacher helfen bei zu langsamen oder schwachen Herzschlägen, während Defibrillatoren bei gefährlich unregelmäßigem Herzschlag eingesetzt werden. Besonders effektiv ist die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT), die die Kontraktion der Herzkammern synchronisiert und so die Pumpfunktion des Herzens verbessert. 2022 wurden in Deutschland 12.849 CRT-Geräte neu implantiert.

Die telemedizinische Überwachung solcher Geräte durch spezialisierte Teams gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dies ermöglicht eine bessere Betreuung der Patient*innen und fördert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachgebieten. Besonders die Heart Failure Units (HFUs), eine Initiative der DGK und anderer Fachgesellschaften, spielen eine zentrale Rolle. Aktuell gibt es rund 235 HFU-Zentren in Deutschland.

Vorhofflimmern und Herzschwäche: Katheterablation als mögliche Lösung

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Begleitdiagnosen bei Patient*innen mit Herzschwäche und erhöht das Risiko für Schlaganfälle und eine verschlechterte Prognose erheblich. Eine bewährte Methode zur Behandlung ist die Katheterablation, bei der krankhafte Herzgewebe, die für das Flimmern verantwortlich sind, verödet werden. 2022 wurden in Deutschland 107.886 solcher Eingriffe durchgeführt.

„Vorhofflimmern zu beseitigen, hat immer positive Effekte auf eine Herzschwäche, bei jedem Schweregrad“, betont Prof. Andreas Voigtländer, Vorsitzender der Herzstiftung. Mehr als die Hälfte der abladierenden Zentren in Deutschland führen jährlich über 200 solcher Eingriffe durch, was für eine hohe Qualität der Ablationsbehandlungen spricht.

Herzinfarkt und koronare Herzerkrankung: Lebensrettende Stent-Implantationen

Die koronare Herzkrankheit (KHK) bleibt die Hauptursache von Herzinsuffizienz und Herzinfarkten. Bei der Akutversorgung von Herzinfarkten spielt die perkutane Koronarintervention (PCI) mit der Implantation eines Stents oder Ballons eine entscheidende Rolle. 2022 wurden in Deutschland 295.429 solcher Eingriffe durchgeführt. „Große Herzinfarkte können heute frühzeitiger und effektiver behandelt werden. Somit lassen sich vor allem Todesfälle verhindern. In der Folge gibt es aber mehr Patient:innen mit Herzschwäche oder eine schon bestehende Herzschwäche wird durch einen Herzinfarkt sogar noch verschlechtert“, erklärt Prof. Thiele. Trotz der technischen Fortschritte in der Akutversorgung bleibt jedoch auch die medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes sowie ein gesunder Lebensstil unerlässlich.

Koronare Bypass-Operationen: Häufigste Herzoperation in Deutschland

Die aorto-koronare Bypassoperation (ACB) bleibt die häufigste Herzoperation in Deutschland. 2022 wurden 36.167 dieser Eingriffe durchgeführt, besonders bei Patient*innen mit einer Hauptstammstenose oder einer komplexen Dreigefäßerkrankung, bei denen weniger invasive Verfahren wie eine Ballonaufdehnung oder ein Stent nicht mehr ausreichen. „Die Bypassoperation ist vor allem aufgrund der hervorragenden Langzeitergebnisse für Patient:innen mit komplexer koronarer Mehrgefäßerkrankung und mit komplexen Verengungen (Stenosen) die Therapie der ersten Wahl“, betont Prof. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

Herzklappen- und Herztransplantationen: Optionen für schwerste Fälle

Bei schweren Herzklappenerkrankungen, insbesondere an der Aorten- oder Mitralklappe, kommen zunehmend kathetergestützte Eingriffe wie die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) zum Einsatz. 2022 wurden 23.991 TAVI-Eingriffe durchgeführt, die insbesondere bei älteren oder risikobehafteten Patient*innen eingesetzt werden.

Für Menschen mit Herzschwäche im Endstadium ist die Herztransplantation oft die letzte Option. 2023 warteten in Deutschland 1.094 Patient*innen auf ein Spenderherz, während nur 330 Transplantationen durchgeführt werden konnten. Eine Alternative bieten Herzunterstützungssysteme (LVAD), die 2022 bei 655 Patient*innen implantiert wurden. „Gerade bei der Versorgung von Patient*innen mit schwerer Herzinsuffizienz im Endstadium stellt die LVAD-Therapie einen wichtigen Therapiebaustein dar, der auch von den Kardiolog:innen vermehrt berücksichtigt werden sollte“, erklärt Prof. Voigtländer.

Kardiologische Rehabilitation: Ein unterschätzter Therapieansatz

Eine kardiologische Rehabilitation verbessert nachweislich die Überlebenschancen und Lebensqualität von Herzkranken. Doch nur etwa die Hälfte der Anspruchsberechtigten nimmt diese wichtige Maßnahme wahr, und unter den Teilnehmenden sind deutlich weniger Frauen als Männer. „Wieder zeigen die Zahlen, dass kardiologische Rehabilitation – obwohl sie die Mortalität und Rehospitalisierungen senkt sowie Lebensqualität, depressive Symptome, soziale und berufliche Teilhabe verbessert – nicht ausreichend genutzt wird“, betont Dr. Eike Langheim von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR).

Herzschwäche bei angeborenen Herzfehlern: Komplexe Therapien erforderlich

Rund 8.500 Kinder werden in Deutschland jährlich mit einem Herzfehler geboren, und dank medizinischer Fortschritte erreichen über 90 Prozent dieser Kinder das Erwachsenenalter. Doch viele von ihnen entwickeln später eine Herzschwäche. „Angesichts der Komplexität und Variabilität angeborener Herzfehler haben wir eine sehr heterogene Patient:innengruppe, auf die wir eine Herzinsuffizienztherapie ausrichten müssen“, erklärt Prof. Ulrike Herberg, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK). Die medizinische Nachsorge sollte daher in spezialisierten Zentren erfolgen, um optimale Behandlungsergebnisse zu gewährleisten.

Prävention bleibt entscheidend

Die Fortschritte in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind unbestritten, doch Prävention bleibt der Schlüssel, um das Entstehen von Herzschwäche zu verhindern. Eine konsequente Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen sowie ein gesunder Lebensstil sind essenziell, um die Sterblichkeitsrate weiter zu senken. Die Vermeidbarkeit von Herzschwäche durch Lebensstiländerungen muss noch stärker in den Fokus rücken.

EMAH-Versorgung

Die Behandlung von Herzinsuffizienz bei Patient*innen mit angeborenen Herzfehlern erfordert spezielle Fachkenntnisse. Da es oft an ausreichenden Studiendaten fehlt, profitieren die Betroffenen von einer Anbindung an spezialisierte EMAH-Zentren. Diese Versorgung erfolgt in einem dreistufigen System: Hausärztliche Betreuung in Zusammenarbeit mit EMAH-Praxen, regionale EMAH-Kliniken und überregionale EMAH-Zentren.

Quelle: Deutsche Herzstiftung