
Wann spricht man von Hypermenorrhoe?
Vielleicht hast Du Dich schon mal gefragt, ob Deine Periode eigentlich noch normal ist oder schon zu stark. Von einer Hypermenorrhoe spricht man, wenn die Blutung zwar in einem normalen Zeitraum stattfindet (also meist nicht länger als etwa 7 Tage und in einem regelmäßigen Zyklus), aber ungewöhnlich stark ausfällt. Als grobe medizinische Orientierung gilt ein Blutverlust von mehr als 80 ml pro Zyklus. Praktischer gesagt: Im Alltag lässt sich das einfach daran erkennen, wie oft Du Deine Hygieneprodukte wechseln musst: Wenn Du regelmäßig mehr als 5 Binden oder Tampons pro Tag benötigst, sie sehr schnell durchbluten oder Du sogar nachts wechseln musst, kann das ein Hinweis auf eine zu starke Periode sein.
Auch Dein eigenes Empfinden spielt eine wichtige Rolle. Wenn Du das Gefühl hast, dass Dich Deine Blutung im Alltag einschränkt oder deutlich stärker ist als früher, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn selbst wenn Dauer und Zyklus „im Rahmen“ liegen, kann die Intensität der Blutung ein Zeichen dafür sein, dass Dein Körper Unterstützung braucht.
Welche Ursachen kann eine starke Periode haben?
Eine starke Periode hat oft keine einzelne Ursache, sondern entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Häufig spielen hormonelle Ungleichgewichte eine Rolle, z.B. wenn im Zyklus zu wenig Progesteron vorhanden ist. Dadurch kann sich die Gebärmutterschleimhaut stärker aufbauen und wird später entsprechend intensiver abgestoßen. Auch körperliche Ursachen wie Myome, Polypen, Endometriose oder Probleme mit der Schilddrüse können zu verstärkten Blutungen führen. Darüber hinaus beeinflussen aber auch äußere Faktoren wie Stress oder starke Gewichtsveränderungen die Regelblutung, denn auch sie können ein hormonelles Ungleichgewicht fördern, das wiederum die Blutung beeinflusst.
Welche Symptome treten bei Hypermenorrhoe zusätzlich auf?
Eine sehr starke Periode betrifft oft nicht nur die Blutungsmenge selbst, sondern kann sich auf den ganzen Körper auswirken.
Viele Frauen fühlen sich während oder nach der Menstruation erschöpft, müde oder weniger belastbar. Das kann unter anderem daran liegen, dass durch den erhöhten Blutverlust auch Eisen verloren geht. Ein möglicher Eisenmangel kann sich durch Blässe, Schwindel oder Konzentrationsprobleme bemerkbar machen.
Häufig treten zusätzlich stärkere Unterleibsschmerzen oder ein Druckgefühl im Bauch auf. Manche Frauen berichten auch von Kreislaufproblemen oder dem Gefühl, sich während der Periode wie ausgeknockt zu fühlen.
All diese Symptome sind Signale des Körpers, die zeigen, dass er gerade mehr leisten muss als sonst. Es lohnt sich, sie ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen, denn eine starke Regelblutung lässt sich naturheilkundlich oft gut behandeln.
Überblick: Welche Heilpflanzen können bei starker Periode helfen?
Wenn es um eine sehr starke Menstruation geht, werden in der Pflanzenheilkunde gezielt Heilpflanzen ausgewählt, die adstringierend, blutstillend und regulierend auf die Gebärmutterschleimhaut wirken. Eine wichtige Rolle spielen dabei u.a. Gerbstoffe. Sie haben die Fähigkeit, Gewebe und Gefäße zusammenzuziehen und können so dazu beitragen, eine zu starke Regelblutung abzuschwächen. Idealerweise wählt man Kräuter aus, die zudem auch gefäßstabilisierend, krampflösend und entzündungshemmend sind und einen Bezug zur Frauenheilkunde haben.
3 klassische Heilpflanzen, die ich in Beratungen bei Hypermenorrhoe gerne nutze, sind Schafgarbe, Frauenmantel und Hirtentäschel.
Schafgarbe
Die Schafgarbe (Achillea millefolium) enthält eine Kombination aus Gerbstoffen, Flavonoiden und ätherischem Öl. Diese Inhaltsstoffe wirken nicht nur blutstillend, sondern auch krampflösend und entzündungshemmend. Dadurch kann Schafgarbe besonders dann hilfreich sein, wenn eine starke Blutung mit Unterleibsschmerzen einhergeht. Gleichzeitig unterstützt sie die Durchblutung im Beckenbereich auf sanfte Weise und kann so regulierend auf den gesamten Zyklus wirken.
Frauenmantel
Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist bekannt für seinen hohen Gehalt an Gerbstoffen, die ihm seine typisch zusammenziehende Wirkung verleihen. Darüber hinaus enthält er Flavonoide und Bitterstoffe, die den Hormonhaushalt unterstützen können. Frauenmantel wird traditionell eingesetzt, um die Gebärmutterschleimhaut zu stärken und zu regulieren. Gerade bei wiederkehrend starken Blutungen kann er helfen, den Zyklus insgesamt etwas auszugleichen und die Intensität der Menstruation zu mildern.
Hirtentäschel
Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ist hinsichtlich einer starken Regelblutung mein persönlicher Favorit in diesem Trio. Es wird traditionell vor allem dann eingesetzt, wenn die Blutung sehr stark oder plötzlich verstärkt ist. Die blutstillenden Eigenschaften sind unter anderem den Gerbstoffen, Flavonoiden sowie biogenen Aminen zuzuschreiben. Sie sollen das Gewebe zusammenziehen und die Gefäße stabilisieren, wodurch die Blutung schwächer wird. Wissenschaftliche Gremien wie die Kommission E und das HMPC bestätigen diese Wirkung. In meiner Erfahrung ist es oft genau die Pflanze, zu der ich greife, wenn Frauen sich von der starken Regelblutung überfordert fühlen und sich schnelle Unterstützung wünschen. Gleichzeitig lässt es sich gut mit anderen Frauenkräutern kombinieren, sodass ich es sowohl akut als auch begleitend im Zyklus einsetze.
Rezeptanleitung: Kräutermischung bei starker Regel
Die folgende Kräutermischung ist als praxisnahes Lehrbeispiel gedacht, wie sich Heilpflanzen bei starker Menstruation sinnvoll kombinieren lassen. In einer individuellen Beratung würde ich die Zusammensetzung jedoch immer anpassen. Je nach Ursache, Konstitution und Begleitsymptomen können Kräuter ergänzt, reduziert oder ausgetauscht werden.
- 25 g Hirtentäschelkraut (Herba Bursae pastoris)
- 25 g Schafgarbenkraut (Herba Achilleae millefolii)
- 20 g Frauenmantelkraut (Herba Alchemillae vulg.)
- 15 g Brennnesselblätter (Folia Urticae)
- 15 g Melissenblätter (Folia Melissae)
Diese Mischung kann als Tee oder Tinktur zubereitet werden.
Zubereitung als Tee
Für eine Tasse nimmst du 1-2 TL der Mischung und übergießt sie mit 250 ml heißem, abgekochtem Wasser. Den Tee abgedeckt 10–15 Minuten ziehen lassen, anschließend abseihen. 2 - 3 Tassen über den Tag verteilt trinken.
Als Tinktur
Dosierung: 3-mal täglich 10-25 Tropfen.
Hinweise zu Kontraindikationen
Auch wenn es sich um traditionelle Heilpflanzen handelt, sind einige Punkte zu beachten:
- Bei bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen mit Wassereinlagerungen sollte man die Anwendung von Brennnessel fachkundig abklären lassen.
- Mit der Schafgarbe muss man bei Korbblütlerallergie vorsichtig sein.
- Hat man das Gefühl, von der Mischung als Tee Verstopfung zu bekommen, sollte man auf Tinktur umsteigen.
Wann sollte ich mit starker Periode zum Arzt gehen?
Auch wenn eine stärkere Periode in vielen Fällen gut mit natürlichen Mitteln begleitet werden kann, gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist, ärztlichen Rat einzuholen. Vor allem dann, wenn die Blutung plötzlich deutlich stärker wird, länger als etwa 7 Tage anhält oder Du das Gefühl hast, dass sich Dein Zyklus stark verändert hat. Ebenso gilt: Wenn Du sehr häufig Tampons oder Binden wechseln musst (z.B. stündlich) oder große Blutklumpen bemerkst, sollte das medizinisch abgeklärt werden.
Ein weiteres wichtiges Signal ist Dein allgemeines Befinden. Wenn Du Dich während oder nach der Periode ungewöhnlich erschöpft, schwindelig oder kraftlos fühlst, könnte ein durch den Blutverlust entstandener Eisenmangel dahinterstecken. Auch starke Schmerzen, die über das hinausgehen, was Du sonst kennst, sind ein Grund, genauer hinzuschauen. Dein Körper gibt Dir hier wertvolle Hinweise, die Du ernst nehmen darfst.
Mir ist dabei wichtig zu sagen: Es geht nicht darum, sofort vom Schlimmsten auszugehen. Vielmehr schafft eine therapeutische Abklärung Klarheit und Sicherheit. So können mögliche Ursachen wie Myome, hormonelle Ungleichgewichte oder andere Veränderungen erkannt oder auch ausgeschlossen werden. Naturheilkunde und Schulmedizin schließen sich dabei nicht aus, sondern können sich sinnvoll ergänzen.
Was kannst du langfristig für dich tun?
Auch wenn Heilpflanzen eine wertvolle Unterstützung sein können, lohnt es sich, bei einer starken Periode immer auch einen Schritt weiterzugehen und die Ursache genauer zu verstehen. Denn nur wenn klar ist, warum die Blutung so stark ist, lässt sich langfristig wirklich etwas verändern. Dabei kann es hilfreich sein, Dich fachkundig begleiten zu lassen.
Im Alltag kannst Du Deinen Körper zusätzlich sanft unterstützen: Eine nährstoffreiche Ernährung mit viel buntem Gemüse versorgt dich mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen; gerade auch im Hinblick auf den erhöhten Bedarf bei stärkerem Blutverlust.
Während der akuten Blutung kann ein kühler Eisbeutel in ein Handtuch gewickelt und auf den Unterbauch gelegt, helfen, die Blutung etwas zu dämpfen. Auch solltest Du Dir in dieser Zeit mehr Ruhe gönnen.
Wichtig ist vor allem: Du musst damit nicht einfach leben. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, den eigenen Zyklus besser zu verstehen und mit den Methoden, die zu Dir passen, Schritt für Schritt mehr Balance zu finden.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
Ruby Nagel
Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Pflanzenheilkunde




