ErnährungTyp-2-Diabetes: Länger leben mit pflanzenbetonter Ernährung

Menschen mit Typ-2-Diabetes können ihr Leben durch pflanzenbetonte Kost verlängern, vorausgesetzt die Qualität der pflanzlichen Lebensmittel ist hochwertig.

Bowl mit Avocado, Quinoa, Sprossen, Kürbiskernen, Broccoli, Orange, Radicchio, Alfalfa
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Pflanzenbasiert, nährstoffreich, hochwertig: Eine solche Ernährung kann auch das Leben bei Typ-2-Diabetes verlängern.

Pflanzenbetonte Ernährung ist gesund und kann die Lebenserwartung steigern. Das gilt auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ), der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) haben dies nun in einer großen Kohortenstudie bestätigt.

Aber: Der bloße Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte reicht nicht aus – entscheidend ist die Qualität der pflanzlichen Lebensmittel. Besonders profitieren Menschen mit höherem HbA1c-Wert, größerem Bauchumfang oder einer frühen Diabetesdiagnose.

Pflanzenbetonte Ernährung bringt Überlebensvorteil

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie versterben im Durchschnitt früher als Menschen ohne Diabetes. Ernährung spielt eine entscheidende Rolle im Krankheitsverlauf. Bislang unklar war, ob eine pflanzenbetonte Ernährung, bei der vorrangig Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen gegessen werden, auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes einen klaren Überlebensvorteil bringt. Zu einer vegetarischen beziehungsweise pflanzenbetonten Ernährung wird zwar von Ernährungsberater*innen ermutigt, doch stammen viele Belege aus der Allgemeinbevölkerung und nicht speziell aus Diabetes-Studien.

Das Forschungsteam ging dieser Frage nach. Sie werteten die Daten von 4829 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes aus der UK Biobank aus. Die Gesundheit der Teilnehmenden wurde über mehr als 11 Jahre verfolgt. Dabei zeigte sich:

  • Personen mit einer stark pflanzenbetonten Ernährung hatten ein um 21 Prozent niedrigeres Sterberisiko als jene, die weniger pflanzliche Lebensmittel verzehrten.
  • Eine ungesunde pflanzenbetonte Ernährung – geprägt von raffinierten Getreideprodukten, gezuckerten Getränken und frittierten Lebensmitteln – war mit einem um 24 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden.

Für wen der Nutzen besonders groß ist

Die Forschenden schauten auch, ob sich die Zusammenhänge in bestimmten Diabetes-Subtypen unterscheiden. Solche Untergruppen sind wichtig, weil Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr unterschiedlich betroffen sind – etwa was den Zeitpunkt der Diagnose, die Blutglukoseeinstellung oder den Bauchumfang betrifft.

Besonders deutlich war der Nutzen einer pflanzenbetonten Ernährung bei Menschen

  • mit höherer Langzeitglukose (HbA1c-Wert),
  • größerem Bauchumfang,
  • frühem Erkrankungsalter oder
  • längerer Krankheitsdauer.

"Das deutet darauf hin, dass pflanzenbetonte Ernährungsformen besonders bei Menschen mit ungünstigen Stoffwechselwerten oder erhöhtem Risiko wirksam sind und einen wichtigen Beitrag zu einer personalisierten Ernährungsmedizin für Menschen mit Typ-2-Diabetes leisten können", erklärt Dr. Sabrina Schlesinger vom Deutschen Diabetes Zentrum.

"Bisher gibt es für Menschen mit Diabetes vor allem allgemeine Ernährungsempfehlungen – personalisierte Empfehlungen wären daher ein neuer und vielversprechender Ansatz", ergänzt Edyta Schaefer, Erstautorin der Studie.

Weitere Studien seien aber notwendig, um konkrete Ernährungsempfehlungen für unterschiedliche Diabetes-Subtypen abzuleiten.

„Unsere Studie zeigt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes von einer pflanzenbetonten Ernährung profitieren können – vorausgesetzt, die Ernährung ist qualitativ hochwertig“, betont der Endokrinologe Prof. Michael Roden. Wichtig sei, bewusst auf nährstoffreiche Lebensmittel zu setzen.

Infokasten: Pflanzliche Ernährungsformen im Überblick

Pflanzenbetonte Ernährung

Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse stehen im Mittelpunkt. Allerdings gibt es Unterschiede: Eine gesunde Form umfasst viel Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse. Eine weniger gesunde Form basiert stärker auf Weißbrot, Süßwaren oder frittierten Snacks. Auf tierische Lebensmittel wird nicht vollständig verzichtet.

Vegetarische Ernährung

Vegetarisch lebende Menschen verzichten auf Fleisch und Fisch, nehmen aber in der Regel Milchprodukte und Eier zu sich. Je nach Ausprägung unterscheidet man verschiedene Varianten, etwa Ovo-Lacto-Vegetarier (mit Milch und Eiern) oder Ovo-Vegetarier (mit Eiern, ohne Milchprodukte).

Vegane Ernährung

Vegan lebende Menschen ernähren sich ausschließlich pflanzlich und verzichten vollständig auf tierische Produkte – also auch auf Milch, Eier oder Honig.

Quelle: Deutsches Diabetes-Zentrum