ErnährungstherapieKartoffel- und Hafertage

Kartoffel- und Hafertage können insbesondere bei Typ-2-Diabetes, Adipositas, Hypertonie, aber auch bei Schmerzerkrankungen hilfreich sein.

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Kartoffeln in Korb mit kariertem Tuch
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Einige Tage Intensivdiät als Kur: Abwechslungsreiche Kartoffel- oder Hafertage gehören traditionell seit Jahrzehnten zur Ernährungstherapie des KfN in München.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kartoffeltage kommen in Betracht bei chronisch entzündlichen Erkrankungen, bei Schmerzerkrankungen und v.a. bei den klassischen Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas, arterielle Hypertonie oder metabolisches Syndrom.
  • Sie wirken entwässernd, blutdrucksenkend und entzündungshemmend.
  • Im KfN dauert die Kartoffelkur meist 5 aufeinanderfolgende Tage.
  • Haferkuren eignen sich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, bei metabolischem Syndrom und zur Prävention bei Gesunden.
  • Sie gehen meist über 3 Tage und verteilen 120 g Hafer auf 3 fettarme Mahlzeiten mit insgesamt 1200–1300 kcal; sie können alle 4–8 Wochen wiederholt werden.
  • Haferkuren wirken präbiotisch und senken den Blutzucker und glykämischen Index sowie Gesamt- und LDL-Cholesterin.

Stellenwert der Ernährungstherapie im Krankenhaus für Naturheilweisen

Die Ernährungstherapie ist im Münchner Krankenhaus für Naturheilweisen (KfN) fester Teil des naturheilkundlichen Konzepts. Sie besteht aus Vollwertkost im Sinne der Planetary Health Diet.

Als intensivdiätetische Maßnahmen gehören traditionell auch Haferkuren über 3 Tage, insbesondere bei Typ-2-Diabetes, oder 5 Kartoffeltage bei klassischen Stoffwechselerkrankungen oder chronisch entzündlichen Erkrankungen zum ernährungstherapeutischen Repertoire des KfN.

Die klassische Naturheilkunde nach Kneipp umfasst 5 Säulen:

  • Ordnungstherapie,
  • Bewegungstherapie,
  • Hydro- und Thermotherapie,
  • Phytotherapie und
  • Ernährungstherapie.

Im KfN stellt die Ernährungstherapie einen zentralen Baustein des multimodalen naturheilkundlichen Behandlungskonzepts dar. Wir verfügen über eine eigene Küche mit speziell geschultem Personal, deren Basis eine Vollwertkost im Sinne einer Planetary Health Diet ist. Die Vollwertkost besteht so weit wie möglich aus natürlichen Lebensmitteln, die frisch und abwechslungsreich kombiniert werden. Frisches Obst und Gemüse dienen als natürlicher Lieferant für Vitamine, Mineralstoffe und gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe.

Um möglichst viele Nährstoffe zu erhalten, werden die Lebensmittel schonend und mit gesunden Fetten und Ölen zubereitet. Ein Teil des Gemüses wird als Rohkost, zum Beispiel in Form kalter Salate verzehrt. Bevorzugt werden möglichst wenig verarbeitete saisonale Lebensmittel aus der Region, die biologisch produziert werden, sowie Fleisch aus artgerechter Tierhaltung.

Budgetplanung: Für die Küche des KfN ist ein deutlich höheres Budget eingeplant, als im DRG-System üblicherweise vorgesehen. Diese bewusste Entscheidung für eine kostenintensivere Küche muss natürlich durch das Gesamtkonzept refinanzierbar sein und ist am KfN auch inhaltlich unabdingbar mit dem integrativen Behandlungskonzept verbunden.

Unsere Köch*innen und Diätassistent*innen halten für die Patient*innen Ernährungsvorträge, führen individuelle Ernährungsberatungen durch und begleiten intensivdiätetische Maßnahmen. Dazu gehören z.B. ein kurzes therapeutisches Heilfasten, aber auch unsere sogenannten Kartoffel- und Hafertage.

Kartoffel- und Hafertage haben sich im KfN tausendfach bewährt und sind eine jahrzehntelange Tradition. Dennoch hinterfragen wir natürlich regelmäßig, ob unsere intensivdiätetischen Maßnahmen auch den neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen standhalten oder gegebenenfalls überdacht werden müssten.

Kartoffeltage

Kartoffeltage sind in erster Linie eine besonders natriumarme und kaliumreiche, basische Kostform. Alle Gerichte werden ohne Salz zubereitet und sind natürlich rein vegetarisch.

Im KfN führen wir in der Regel 5 aufeinanderfolgende Kartoffeltage durch.

Langfristig können die Patient*innen im ambulanten Rahmen 1–2 sogenannte Entlastungstage pro Woche durchführen, um die positiven Effekte langfristig aufrechtzuerhalten. Dabei muss es sich dann nicht immer um einen Kartoffeltag handeln; alternativ können auch Reis- oder Obsttage durchgeführt werden.

Wirkung

Die Wirkung der Kartoffeltage kann man vor allem als entwässernd, mit Drainageeffekt auf das Bindegewebe, blutdrucksenkend und entzündungshemmend beschreiben. Als Teil eines langfristigen Ernährungskonzepts können sie sinnvoll zu einer Gewichts- und Stoffwechselregulierung beitragen. Dementsprechend kommen Kartoffeltage bei chronisch entzündlichen Erkrankungen oder Schmerzerkrankungen, aber vor allem bei den klassischen Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas, arterieller Hypertonie oder metabolischem Syndrom in Betracht. Bei einer Herzinsuffizienz können sie den Kreislauf und damit das Herz entlasten helfen.

In Abhängigkeit von der individuellen Salzsensitivität und den vorbestehenden Ernährungsgewohnheiten kann es während der 5 Kartoffeltage durchaus zu einem Gewichtsverlust von mehreren Kilogramm kommen, wobei es sich in erster Linie um einen Wasserverlust handelt. Nach Ende der Kartoffeltage lässt es sich dann auch nicht vermeiden, dass das Körpergewicht wieder etwas ansteigt, da nun eben wieder vermehrt Wasser eingelagert wird.

Neben einzelnen Entlastungstagen kann man langfristig auch den Verzicht auf Zusalzen empfehlen, alternativ können beispielsweise Kräutersalze zum Einsatz kommen.

Im Verlauf der Kartoffeltage können Blutdruckmedikamente und Diuretika regelhaft reduziert oder sogar gänzlich pausiert werden. Nach Ende der Kartoffeltage muss die Dosierung dieser Medikamente, auch in Abhängigkeit vom künftigen langfristigen Ernährungskonzept, dann meist wieder etwas gesteigert werden, aber in aller Regel nicht mehr auf das Niveau vor Beginn der intensivdiätetischen Maßnahme.

Praxistipp

Gegen Ende der Kartoffeltage sollten die Elektrolyte, vor allem der Natriumwert und die Nierenretentionsparameter laborchemisch kontrolliert werden, gerade wenn die Entwässerung in Form eines deutlichen Gewichtsverlusts ausgeprägt ist.

Gegebenenfalls müssen die Kartoffeltage auch mal abgebrochen und gelegentlich für einige Tage Kochsalz oral substituiert werden.

Vorsicht: Bei Niereninsuffizienz oder vorbekannter Neigung zur Hyponatriämie ist die Indikation für Kartoffeltage kritisch zu sehen.

Praktische Ausführung

Pro Kartoffeltag werden im KfN 500 g Kartoffeln serviert, etwa zwei Drittel der Menge mittags und ein Drittel abends. Die Zubereitung ist salzfrei und fettarm; als Beilage gibt es Gemüse und Obst, gewürzt wird mit salzfreien Kräutermischungen. Zum Frühstück gibt es abwechselnd Müsli und Roggenvollkornknäckebrot mit Konfitüre und wenig Butter.

Ein Kartoffeltag enthält bei uns 1200–1300 kcal. Damit sind die 5 Tage Kartoffeldiät auch eine hypokalorische Kostform, was natürlich einen Teil des therapeutischen Effekts ausmacht.

Tagesplan: Beispielgerichte

  • Früh: Müsli abwechselnd mit 3 Scheiben Roggenvollkornknäckebrot mit Konfitüre und 15 g Butter
  • Mittag: Pellkartoffeln mit Kräuterquark, Kartoffelbrei mit Schmortomate, Bircher-Kartoffeln mit Gemüse, Petersilienkartoffeln mit Gemüse, Butterkartoffeln mit Kräuterquark
  • Abend: Kartoffelsuppe in Würfeln, Kartoffel-Sellerie-Pfanne, Kartoffel-Zucchini-Pfanne, Kartoffelgulasch, Kartoffel-Karotten-Pfanne mit Kokosmilch.

Mittags und abends gibt es noch einen kleinen Blattsalat bzw. eine Rohkost als Beilage und Obst als Nachspeise.

Inhaltsstoffe

Wenn man sich die Kartoffel detaillierter ansieht, dann fallen natürlich vor allem ihre Natriumarmut (ca. 15 mg pro 100 g) und ihr Kaliumreichtum mit durchschnittlich über 400 mg pro 100 g auf.

Natrium und Kalium regulieren im menschlichen Körper u.a. den Gefäßtonus und den Wasserhaushalt. Dabei wirken Natrium und Kalium quasi wie Antagonisten zueinander, d.h., es kommt vor allem auf das richtige Verhältnis dieser beiden zueinander an. Die moderne Ernährungsweise fördert allerdings eine Verschiebung dieses Verhältnisses zugunsten des Natriums.

Kalium gehört zu jenen Mineralstoffen, bei denen ein Mangel inzwischen weit verbreitet ist. Umfragen zufolge führen nur die wenigsten Menschen die empfohlene Tagesdosis zu. Um die Kaliumspeicher im Körper aufrechtzuerhalten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Aufnahme von 4000 mg pro Tag. Allerdings enthalten hauptsächlich pflanzliche Lebensmittel größere Mengen Kalium, von denen wir aber durchschnittlich zu wenig konsumieren.

Tägliche Aufnahme von Natrium und Kalium

Anzustreben ist:

  • eine tägliche Aufnahme von weniger als 2 g Natrium,
  • aber auf jeden Fall mehr als 3,5 g Kalium.

Eine Metaanalyse bestätigte die Feststellung, dass die durchschnittliche Kaliumzufuhr bei Menschen zu niedrig ist. Das erhöht nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch für Typ-2-Diabetes [1]. Wie sehr dies den Blutdruck beeinflussen kann, zeigt ein Blick nach Dänemark. Dort wurde der hohe Lakritzkonsum (natriumreich und kaliumarm) für 3% der Bluthochdruckerkrankungen verantwortlich gemacht.

Für ein Gemüse haben Kartoffeln einen hohen Kohlenhydratanteil mit rund 15 g pro 100 g, aber trotzdem eine geringe Energiedichte im Vergleich zu den üblichen Alternativen wie Reis und Nudeln. Die Energiedichte einer Kartoffel liegt bei etwa 70 kcal pro 100 g, die von Reis bei 120 kcal pro 100 g und die von Nudeln bei 130 kcal pro 100 g.

Die Kartoffel an sich hat einen sehr niedrigen Fettgehalt von 0,1 g pro 100 g, wobei der letztendliche Fettgehalt eines Kartoffelgerichts natürlich von der Art der Zubereitung abhängt, siehe beispielsweise Pommes frites. Außerdem sind Kartoffeln reich an sekundären Pflanzenstoffen und Vitaminen, wie z. B. Vitamin C, B1, B3 und B6, und reich an Magnesium, Eisen und Zink. Die Kartoffel liefert vergleichsweise wenige, aber dafür hochwertige Aminosäuren und weist von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten das größte Kontingent an verwertbarem Eiweiß auf.

Der Clou: Retrogradierte Stärke

Bei der sogenannten retrogradierten Stärke handelt es sich dann noch um einen besonderen ernährungstherapeutischen Clou zunächst gekochter und dann abgekühlter stärkehaltiger Lebensmittel, wie eben z.B. Kartoffeln, aber natürlich auch Nudeln oder Reis und andere.

Beim Abkühlen bildet sich resistente Stärke (kompakte Kristallstrukturen), die vom Körper nicht mehr abbaubar ist. Auf diese Weise geht das entsprechende stärkehaltige Lebensmittel bei gleichem Sättigungseffekt nicht mehr in vollem Umfang in die Kalorien- bzw. Kohlenhydratbilanz ein und weist einen niedrigeren glykämischen Index auf.

Resistente Stärke

Mit der Möglichkeit, nach dem Kochen und Abkühlen resistente Stärke zu bilden, wird die Kartoffel für einige Ernährungsexpert*innen sogar für Low-Carb-Rezepte interessant.

Zusammenfassend kann man also durchaus resümieren:

  • Kartoffeln können, natürlich in Abhängigkeit von der Zubereitung, durchaus Teil eines gesunden und ausgewogenen Speiseplans sein.
  • Ihre entwässernden Effekte sind auch noch intensivdiätetisch nutzbar.

Hafertage

Diabetes mellitus Typ 2 ist die klassische Indikation für Hafertage mit dem Ziel, die Insulinsensitivität der Zellen wieder zu erhöhen. Eine Insulinresistenz ist im klinischen Alltag eine große Herausforderung; die immer höher werdenden Insulindosen fördern wiederum die Adipositas, sodass ein Teufelskreis entsteht.

Bis in die 1970er-Jahre hinein waren Hafertage jahrzehntelang ein fester Bestandteil der Diabetesbehandlung. Seit rund 15 Jahren erleben die Hafertage ein „Revival“ und ihre Effekte sind mittlerweile wissenschaftlich vielfach belegt.

Tagesplan: Hafertage

  • Im KfN führen wir in der Regel 3-tägige Haferkuren durch.
  • Pro Tag verteilt man dabei etwa 120 g Hafer (Rohgewicht) auf 3 Mahlzeiten.
  • Langfristig können die Patient*innen für einen dauerhaften Effekt 2–3 Hafertage alle 4–8 Wochen wiederholen oder auch immer wieder einzelne Hafertage in den Ernährungsplan einstreuen.

Die Gerichte werden fettarm zubereitet: So kommen auf diese Weise, ähnlich wie bei den Kartoffeltagen, 1200–1300 kcal pro Tag zusammen. Dabei gibt es je nach Geschmack süße Gerichte (z.B. mit Beeren und Zimt) oder herzhafte Gerichte (z.B. in Gemüsebrühe gekochter Hafer).

Inhaltsstoffe

Pro 100 g Hafer sind rund 10 g Ballaststoffe enthalten, davon etwa 4,5 g Beta-Glucane. Dieser Ballaststoffanteil bindet Flüssigkeit, sodass im Dünndarm eine viskose Masse entsteht. Daher werden die komplexen Kohlenhydrate des Hafers nur langsam aufgenommen, was zu einem langsameren Anstieg der Blutglukose und des Insulinspiegels führt, vor allem im Vergleich mit ballaststoffärmeren Kohlenhydratlieferanten. Beta-Glucane senken zudem den Cholesterinspiegel und wirken präbiotisch.

Der Anteil löslicher Ballaststoffe ist bei Hafer besonders hoch. Zudem decken 100 g Hafer den Tagesbedarf von 6 der 8 essenziellen Aminosäuren. Der Fettgehalt ist mit 7 g pro 100 g recht hoch, Hafer enthält jedoch vor allem mehrfach ungesättigte Fettsäuren. 100 g Hafer decken 33% des Tagesbedarfs an essenziellen Fettsäuren. Auch der Eisengehalt ist sehr hoch und vergleichbar mit dem vieler Fleischsorten. Zudem ist Hafer reich an Kieselsäure, die bei oraler Aufnahme nachweislich die Barrierefunktion der Darmwand verbessert, wobei diese vermutlich wiederum ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Diabetes mellitus ist.

Der durch die Ballaststoffe des Hafers viskose Speisebrei führt dazu, dass neben Stärke auch Lipide und Proteine verlangsamt aufgenommen werden. Es kommt zu einer Senkung des Gesamt- und LDL-Cholesterins, des glykämischen Index sowie der postprandialen Blutzuckerwerte bei schneller einsetzendem Sättigungsgefühl [2].

Wirkung

Sulfonylharnstoffe sollten bereits 2 Tage vor Beginn der Hafertage abgesetzt werden. Die Langzeitinsulingabe sollte bereits am Vorabend des ersten Hafertages auf etwa 50–60% reduziert werden. An den Hafertagen selbst kann die Insulindosis auf 20–40% reduziert oder sogar ganz abgesetzt werden. Natürlich sind engmaschige Blutzuckerkontrollen erforderlich. Der Effekt hält auch noch 4 Wochen nach der Intervention an, sodass z.B. 2 Hafertage alle 4 Wochen oder 1 Hafertag wöchentlich für einen Langzeiteffekt ausreichend sind [3][4].

In In-vivo- und Tierversuchen hatte Vollkorn-Haferkost einen günstigen Einfluss auf die Zusammensetzung des Mikrobioms und kann als präbiotisch bezeichnet werden. Für das Mikrobiom von Menschen mit Typ-2-Diabetes ist u.a. die relative Armut an Butyrat-produzierenden Darmbakterien charakteristisch.

Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die als Energielieferant für das Darmepithel dient und antikanzerogene Effekte aufweist. Sie entsteht im Darm beim Abbau pflanzlicher Ballaststoffe durch die gesunde Darmflora. Durch konzentrierte Hafer-beta-Glucane zeigte sich schlussendlich eine Zunahme der Konzentration von Butyrat im Dickdarm. Sie können also den charakteristischen Mikrobiomveränderungen bei Diabetes-Patient*innen entgegenwirken [5][6].

In den vergangenen Jahren hat man zudem noch weitere Wirkmechanismen der antidiabetogenen Wirkung des Hafers identifiziert. So kommt es beispielsweise durch Hafer-beta-Glucan zu einer Down-Regulation des SGLT-1-Rezeptors sowie des Glukose-Transportproteins-2 in Darmzellen und damit zu einer Hemmung der Glukoseaufnahme aus der Nahrung. Bestimmte Haferproteine wirken auch hemmend auf DPP-4, analog den als Antidiabetika eingesetzten synthetischen DPP-4-Hemmern. Die Beta-Glucane wiederum können Reparatureffekte auf die Betazellen des Pankreas initiieren und die Gluconeogenese hemmen bzw. die Glycolyse in der Leber aktivieren.

Ein weiterer Bestandteil des Hafers ist Avenanthramid, ein Polyphenol. Dieses zeigt eine antiproliferative Wirkung auf glatte Gefäßmuskel- und Endothelzellen und erhöht die endotheliale Stickstoffmonoxid-Produktion. Damit assoziiert man eine schützende Wirkung des Hafers vor Arteriosklerose sowie blutdrucksenkende Wirkungen. In Versuchen mit Ratten zeigten sich zudem ausdauersteigernde und regenerationsfördernde Wirkungen auf die Skelettmuskulatur.

Fazit

In der näheren Zukunft werden die oben angedeuteten, weiteren ernährungstherapeutischen Effekte des Hafers sicherlich mehr und mehr wissenschaftlich evaluiert werden. Aber bereits heute kann man Hafer nicht nur Menschen mit Diabetes, sondern auch Menschen mit metabolischem Syndrom und präventiv auch Gesunden mit Fug und Recht als wesentlichen Nahrungsbestandteil empfehlen.

Robert Schmidt
2005 Approbation, 2005–2013 Facharztausbildung Innere Medizin Krankenhaus Peißenberg, Krankenhaus für Naturheilweisen (KfN) und Krankenhaus Starnberg, 2013 Anerkennung Facharzt Innere Medizin, 2014–2020 Zusatzbezeichnungen Naturheilkunde und Homöopathie. Seit 07/2020 Ärztliche Leitung des KfN, München.

  1. Wouda RD, Boekholdt SM, Khaw KT. et al. Sex-specific associations between potassium intake, blood pressure, and cardiovascular outcomes: the EPIC-Norfolk study. Eur Heart J 2022; 43: 2867-2875
  2. Queenan KM, Stewart ML, Smith KN. et al. Concentrated oat beta-glucan, a fermentable fiber, lowers serum cholesterol in hypercholesterolemic adults in a randomized controlled trial. Nutrition J 2007; 6: 6
  3. Hou Q, Li Y, Li L. et al. The metabolic effects of oats intake in patients with type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis. Nutrients 2015; 7: 10369-10387
  4. Lammert A, Kratzsch J, Selhorst J. et al. Clinical benefit of a short term dietary oatmeal intervention in patients with type 2 diabetes and severe insulin resistance: a pilot study. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2008; 116: 132-134
  5. Connolly ML, Tuohy KM, Lovegrove JA. Wholegrain oat-based cereals have prebiotic potential and low glycaemic index. Br J Nutrition 2012; 108: 2198-2206
  6. Murphy P, Bello FD, OʼDoherty JV. Effects of cereal β-glucans and enzyme inclusion on the porcine gastrointestinal tract microbiota. Anaerobe 2012; 18: 557-565