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Die Mykotherapie (Pilzheilkunde) besitzt eine lange Tradition auf zahlreichen Kontinenten, wobei ein Großteil des Wissens überwiegend mündlich weitergegeben wurde. Besonders aus der TCM stammen viele schriftliche Überlieferungen zur Anwendung von Vitalpilzen bei den unterschiedlichsten Erkrankungsbildern, bei denen sie auch heute noch zum Einsatz kommen. Dabei hat sich das Anwendungsspektrum sogar noch erweitert und reicht heute von Autoimmunerkrankungen oder Allergien bis hin zur komplementären Krebstherapie und zu modernen Zivilisationskrankheiten.
Vitalpilze, auch Heil- oder medizinisch wirksame Pilze genannt, liefern eine Vielzahl wertvoller Inhaltsstoffe. Gerade hinsichtlich der mit Fettstoffwechselstörungen einhergehenden Erkrankungen bieten diese Inhaltsstoffe eine gute Therapieoption.
Pilze: Ernährungsphysiologisch wertvolles Lebensmittel und Fleischersatz
Pilze erfreuen sich weltweit zunehmender Beliebtheit als kalorienarme, vitalstoffreiche Eiweißlieferanten und wertvoller, klimafreundlicher Fleischersatz. Aus gutem Grund, denn sie enthalten einen hohen Anteil präbiotisch wirkender Polysaccharide, B-Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sowie Antioxidantien. Auch sind sie insgesamt fettarm und liefern gleichzeitig einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Der Eiweißgehalt variiert je nach Pilzart; allerdings enthalten alle Pilze sämtliche essenziellen Aminosäuren. Vergleichbar mit Ovalbumin stellen Pilze daher eine stoffwechselfreundliche Alternative zu tierischem Eiweiß dar. Zusätzlicher Pluspunkt: Das Sättigungsgefühl ist bei Pilzen stärker als z. B. bei Fleisch, so dass sie auch ein Überessen verhindern können [1].
Viele Zuchtpilze können sowohl roh als auch gekocht verzehrt werden und helfen, den Ballaststoffanteil der Nahrung zu erhöhen. Das ist bedeutsam, denn der hohe Fett- und niedrige Ballaststoffgehalt in vielen heutzutage konsumierten Nahrungsmitteln hat negative Folgen für das Mikrobiom und ist häufig an Fettstoffwechselstörungen beteiligt. Die Darmflora kann sich durch Fehlernährung insoweit verändern, dass durch ein ungünstiges Firmicutes-Bacterioidetes-Verhältnis vermehrte Fetteinlagerung und Entzündungen gefördert werden. Das Mikrobiom besitzt bei den meisten Menschen auch bei weitem nicht mehr die Vielfalt, wie man sie bei Naturvölkern findet. Häufig fehlen z. B. jene Bakterien, die für die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (Short Chain Fatty Acids, SCFA) verantwortlich sind. SCFA können High-Fat-Diet-(HFD-)induziertes Übergewicht und eine Insulinresistenz mindern. Überdies sind sie für die Regulierung des Stoffwechsels und die Reduktion von Entzündungen und Krankheiten von Bedeutung [2], [3]. Mit einem regelmäßigen Pilzkonsum kann das Mikrobiom oft schon innerhalb kurzer Zeit zugunsten dieser Bakterien verändert werden. Das Mikrobiom kann den Stoffwechsel, die Stimmung und das Gewicht vielfältig beeinflussen – einer von zahlreichen Mechanismen, an dem Pilze ansetzen.
Wirkungen von Pilzen bei Dyslipidämie
Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann über eine Reduktion der Absorption sowie der endogenen Biosynthese gesenkt werden. Ballaststoffreiche, pflanzliche und pilzliche Lebensmittel reduzieren durch Phyto-/Mycosterine und komplexe Kohlenhydrate wie die Glucane die intestinale Aufnahme von Cholesterin und wirken senkend auf den Gesamtspiegel. Pilzbestandteile können sogar noch mehr, beispielsweise über die Epigenetik. Gene, die an der Cholesterinhomöostase beteiligt sind, können herunterreguliert werden – ein Ansatz, der auch für Simvastatin bekannt ist. Die Wirkung des Vitalpilzes Pleurotus ostreatus auf den Triglyzeridspiegel erklärt man u. a. über eine erhöhte Lipoprotein-Lipase-Aktivität durch gesteigerte Expression. Die entstehenden kurzkettigen Fettsäuren SCFA reduzieren zusätzlich die Bildung von Triglyzeriden.
Durch die antioxidativen Eigenschaften der Pilze kann zudem oxidiertes LDL reduziert und eine Atherosklerose gemindert oder aufgehalten werden. Vitalpilze wie Pleurotus oder Auricularia hemmen kompetitiv die HMG-CoA-Reduktase. Zudem können sie das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin verbessern und den LDL-Cholesterinspiegel senken. Auch fördern sie durch die enthaltenen Glucane die Ausscheidung von Gallensäuren und tragen insgesamt zur Reduzierung der Cholesterinaufnahme bei [4], [5].
Adipositas-Epidemie: Hauptursache für Fettstoffwechselstörungen
Auch schon aus einem „kleinen Bäuchlein“ oder infolge von Fehlernährung kann durch vermehrtes Viszeralfett eine Fettstoffwechselstörung entstehen. Heute haben viele Menschen die Idealmarke des Bauchumfangs von 80 cm für Frauen und 94 cm für Männer leider weit überschritten, wobei für Asiaten übrigens sogar noch niedrigere Werte gelten.
Spätestens ab einem Bauchumfang von 88 bzw. 102 cm ist dringend eine Lebensstiländerung nötig.
Die Bedeutung der Erkenntnis „Genetik ist nichts, die Ernährung alles“ zeigt sich am Beispiel von Japanern, die in die USA auswandern, besonders prägnant. Die traditionell fettarme, vollwertige japanische Kost wird dann meist durch kaloriendichte, ballaststoffarme Zivilisationskost ersetzt. In der Folge verdoppeln sich die LDL-Werte in kürzester Zeit. Prognosen, die voraussagen, dass ab dem Jahr 2048 100 % der US-Amerikaner unter Übergewicht leiden, sind daher nur allzu realistisch [6].
Eine Erhöhung der freien Fettsäuren und Triglyzeride durch fettreiche Kost oder schnell resorbierbare Kohlenhydrate und damit eine gesteigerte Fettoxidation führen zu einer reduzierten Glukoseverwertung, zu Insulinresistenz und damit zum Diabetes. Daher sollte in Prophylaxe und Therapie immer besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Triglyzeride gerichtet werden. Wobei auch die Art des zugeführten Fetts einen Unterschied macht. Schließlich reduzieren gesättigte Fettsäuren auch bereits bei einmaliger Aufnahme die muskuläre Insulinsensitivität stärker als ungesättigte Fettsäuren [7].
Was die intrahepatischen Triglyzeride anbelangt, zeigt sich, dass High-Fat-Low-Carb die Triglyzeride stärker erhöht als Low-Fat-High-Carb [8]. Dies ist auch ein Grund, warum in Tierversuchen meist die High-Fat-Diet zur Erzeugung von Hyperlipidämien und NASH (nicht alkoholische Fettleberhepatitis) verwendet wird. Daran sollte sich aber auch die Ernährungsempfehlung orientieren. Wird allerdings bei Prädiabetes weiterhin fettreich gegessen, erhöht sich der Insulinbedarf zunehmend.
Übergewichtige oder Adipöse schätzen sehr häufig ihr Risiko und die Ursachen für eine Hypercholesterinämie falsch ein und machen gerne allein die Genetik verantwortlich. Dabei trifft die echte familiäre Hypercholesterinämie nur jeden 250. der Betroffenen. Aufklärung ist daher so enorm wichtig, denn das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko wächst mit dem Bauchumfang. Ebenso übrigens auch Immundefizite! Das Hospitalisierungsrisiko bei einer COVID-19-Erkrankung etwa steigt bereits ab einem BMI von 23, was vermutlich durch die chronisch proinflammatorische Stoffwechsellage sowie eine höhere ACE2-Dichte im Fettgewebe bedingt ist [9].
Bauchfett gilt als eigenes endokrines Organ und erzeugt eine proinflammatorische Stoffwechsellage, Hypertonie und hormonelle Dysbalancen. Der entstehende oxidative Stress erhöht massiv das Risiko für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen.
Die einmal entstandene Insulinresistenz hat eine verringerte Aktivität der Lipoproteinlipase zur Folge, und es entstehen hochatherogene β-VLDL, erhöhte Triglyzeride und vermindertes HDL. Die verringerte Lipoproteinlipase-Aktivität führt zu einem postprandial verlangsamten Absinken des Blutfettspiegels und damit zu einer schlechteren Mikrozirkulation [10].
Die Entstehung der Dyslipidämien wird nicht nur mit dem Leberstoffwechsel, sondern auch mit der entzündlichen Stoffwechsellage und dem damit verbundenen oxidativen Stress in Verbindung gebracht. Schließlich ist Cholesterin ja auch ein Reparaturmolekül und Radikalfänger. Zudem ernähren sich die Betroffenen selten antioxidantienreich, was den oxidativen Stress noch weiter begünstigt.
Mit Vitalpilzen gegen Übergewicht
Vitalpilze sind nicht nur ein ideales Nahrungsmittel zur Prävention und Behandlung von Fettleibigkeit, man hat auch zahlreiche Inhaltsstoffe und Mechanismen entdeckt, mit denen es ihnen gelingt, Übergewicht entgegenzuwirken. Schon kleine Mengen an Vitalpilzen wie dem Coprinus und dem Maitake können das gesunde Sättigungsgefühl unterstützen und Heißhungerattacken reduzieren. Letzteres könnte zusätzlich mit der Stabilisierung des Blutzuckerspiegels zusammenhängen, da diese beiden Pilze auch erfolgreich bei Diabetes Typ 2 eingesetzt werden und oft schon nach kurzer Zeit den HbA1c, die Insulinresistenz sowie die Fettstoffwechselwerte verbessern. Um die durch intrazelluläres Fett reduzierte Mitochondrienaktivität wieder zu verbessern, empfiehlt sich der Vitalpilz Cordyceps. Er wird auch allgemein zur Energie- und Leistungssteigerung angewendet [11], [12].
Mykotherapie bei Fettleber
Die nicht alkoholische Fettleber (NAFLD) ist ein besonders in den Industrienationen verbreitetes Gesundheitsproblem, das ernährungs- und lebensstilbedingt ist und eng mit verschiedenen Stoffwechselstörungen zusammenhängt. Erst jüngst konnte man zeigen, dass gesättigtes Fett hierbei einen stärkeren Trigger als Zucker darstellt [13]. Aber auch die zahlreichen Lebensmitteln zugesetzte Fruktose ist zunehmend beteiligt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei diesen Patientinnen und Patienten, und die Dyslipidämie gilt zumindest als eine Ursache für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei NAFLD. Die bislang in Vitalpilzen gefundenen wirksamen Inhaltsstoffe sind zahlreich: So inhibiert z. B. das Ergosterolperoxid die Triglyzerid-Synthese.
Zahlreiche Vitalpilze enthalten auch Trehalose. Diese verhindert die Fruktoseaufnahme in die Leber durch Blockade des Rezeptors Glut-8 und triggert zudem die Autophagie. In einer Untersuchung an Mäusen wurde versucht, die Wirkung von Reishi gegen Fettleber aufzuklären. Bei Mäusen wurde durch fettreiche Kost (HFD) mit und ohne Pilzbestandteile eine Fettleber induziert, die sich jedoch in der Reishi-Gruppe nur deutlich abgeschwächt entwickelte. Auch der durch die HFD erhöhte Nüchternblutzucker und die reduzierte Insulinsensitivität waren in der Reishi-Gruppe weniger ausgeprägt. Ein postulierter Mechanismus ist die Induktion von Enzymen des Energiestoffwechsels, ein weiterer die Modulation der Darmflora. Der Ansatz zur Darmflora ist auch für die Leberkarzinomprophylaxe bedeutsam, da man vermutet, dass über die Nahrung zugeführtes Cholesterin durch die Veränderung der Darmflora das fettleberassoziierte hepatozelluläre Karzinom induziert [14].
Ein weiterer vielversprechender Vitalpilz gegen Fettleber ist der Maitake, der übrigens auch als Speisepilz eine echte Delikatesse ist. In der Naturheilkunde wird der Maitake bei Fettstoffwechselstörungen und dem metabolischen Syndrom als bewährtes Basistherapeutikum eingesetzt. In verschiedenen Tierversuchen konnte er den schädigenden Auswirkungen einer cholesterinreichen Kost wie HDL-Senkung oder LDL- und Triglyzerid-Erhöhung entgegenwirken [15], [16], [17], [18].
Günstiger Effekt von Vitalpilzen bei Diabetes mellitus Typ 2
Diabetes und Fettleibigkeit sind die weltweit am häufigsten auftretenden Krankheiten und haben oft die gleichen hochkalorischen Ursachen. Auch hier ist die Mykotherapie äußerst erfolgversprechend: Vitalpilze beinhalten nicht nur Substanzen, die ein gesundes Gewicht fördern, sondern setzen auch an zahlreichen Mechanismen des Zuckerstoffwechsels an. Die höchste Wirksamkeit zeigt der blutzuckersenkende Schopftintling Coprinus comatus. Durch seinen Inhaltsstoff Comatin hemmt er auch die gefährliche Glykosilierung. Weiterhin schützt er die Betazellen vor dem entzündlichen Zelluntergang, stärkt das antioxidative System und besitzt wie alle Vitalpilze auch präbiotische Eigenschaften. Da auch Stresshormone eine Insulinresistenz und Diabetes triggern können, bieten sich für diese Konstellation Vitalpilze wie Cordyceps und Reishi an. Beide gelten zudem als starke Adaptogene [19].
Senkung des kardiovaskulären Risikos durch Vitalpilze
Fehlernährung, Bewegungsmangel, Stress und Adipositas erhöhen das Risiko für Atherosklerose, Angina pectoris, Herzstillstand, Herzrhythmusstörungen und Tod um ein Vielfaches. Auch hier können Vitalpilze mit ihren antiinflammatorischen und antiatherosklerotischen Eigenschaften ansetzen. Ein wichtiger Vitalpilz in diesem Zusammenhang ist der Auricularia polytricha. Seine Inhaltsstoffe hemmen die Thrombozytenaggregation, wirken fibrinolytisch und senken das LDL-Cholesterin. Gleichzeitig reduziert Auricularia Entzündungen und fördert die Rückbildung von arteriellen Plaques. Ergänzt werden kann Auricularia mit Reishi und Shiitake, die ebenfalls für ihre antiinflammatorischen Eigenschaften bekannt sind. Reishi gilt zudem traditionell als herzstärkend und blutdrucksenkend und wirkt sich günstig auf die Sauerstoffversorgung und die Herzalterung aus [20], [21], [22], [23].
Mykotherapie und oxidativer Stress
Oxidativer Stress ist an zahllosen Erkrankungen beteiligt, so auch bei kardiovaskulären Erkrankungen, Adipositas und Typ-2-Diabetes, und ist natürlich auch bei Rauchern ein Thema.
Wie Untersuchungen zeigen, sind Antioxidantien eine wichtige Säule in der Prävention und der Therapie des Typ-2-Diabetes. Vitalpilze besitzen einen hohen Antioxidantiengehalt, der einen Teil ihrer guten Wirkung bei diesen Erkrankungen erklärt. Oxidativer Stress entsteht auch durch Übergewicht. So fördern beispielsweise die Adipokine aus dem Fettgewebe nicht nur proinflammatorische Interleukine, sondern auch reaktive Sauerstoffspezies. Beim Typ-2-Diabetes entstehen diese durch Hyperglykämien und fördern vaskuläre Komplikationen sowie die Oxidation von LDL. Deshalb wird Cholesterin auch als wichtiger Frühwarnmarker für oxidativen Stress und Zellschädigung angesehen [24], [25].
Serum-Cholesterinspiegel und Krebsrisiko
Cholesterin kann auch eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Sowohl klinische als auch experimentelle Studien belegen, dass Hypercholesterinämie und eine fett- und cholesterinreiche Ernährung die Krebsentwicklung beeinflussen können, etwa bei Darm-, Prostata- oder Brustkrebs. Externes Cholesterin kann den onkogenen Hedgehog-Signalweg direkt aktivieren, und internes Cholesterin kann die mTORC1-Signalübertragung auslösen. Die Cholesterinsynthese und der Cholesterineinstrom sind in Tumorzellen meist erhöht, woraus sich auch der bei einigen Krebspatienten sogar letztlich erniedrigte Cholesterinspiegel erklärt. Je nach Krebsart kann daher in einigen Fällen eine Cholesterinsenkung nützlich sein, um den Cholesterinnachschub für die Krebszellen zu reduzieren [26].
Vitalpilze: Günstig auch in den Wechseljahren
Rund um die Menopause steigt bei vielen Frauen nicht nur das Gewicht, sondern auch Harnsäure- und Cholesterinspiegel. Gegen die lästigen Hitzewallungen sind Vitalpilze wie Cordyceps und Reishi hilfreich, aber auch eine pflanzliche Ernährung kann diese schon um über 80 % reduzieren. Cordyceps unterstützt zudem die Nieren und wirkt harnsäuresenkend. Häufig bauen Frauen in dieser Zeit mehr bzw. zu viel Bauchfett auf. Als effektive Hilfe haben sich hier Vitalpilze wie Coprinus und Maitake bewährt. Maitake wirkt zusätzlich wie Cordyceps noch harnsäuresenkend. Bei auftretenden Ängsten ist Hericium eine gute Unterstützung [27].
Hypertonie und Atherosklerose
Werden bei einem Patienten oder einer Patientin im Rahmen der Fettstoffwechselstörung bereits erhöhte Blutdruckwerte oder eine Atherosklerose festgestellt, können diese mit Vitalpilzen wie Auricularia, Reishi und Shiitake oft wieder in Remission gebracht werden. Speziell diese 3 Pilze besitzen antiatherogene, gefäßentspannende, antiinflammatorische und blutdrucksenkende Eigenschaften.
Ein weiterer interessanter Vitalpilz ist hier auch Pleurotus ostreatus (Austernseitling). Er ist übrigens auch einer der weltweit am häufigsten angebauten Speisepilze. Da er sehr gut und auf vielerlei Substrat gezüchtet werden kann, bietet er neben seinen kulinarischen Vorzügen eine auch in ökologischer Hinsicht wertvolle Eiweißquelle. Zudem liefert er wertvolle B-Vitamine und unterstützt die Eisenversorgung. In der Mykotherapie wird Pleurotus gerne bei Erkrankungen des Bewegungsapparats eingesetzt, wie Verspannungen oder Muskel- und Sehnenbeschwerden. Weiterhin auch in Kombination mit Reishi bei der gutartigen Prostatavergrößerung (BPH), wenn das Wasserlassen erschwert sein sollte.
Pleurotus zeichnet sich durch einen hohen Beta-Glucan-Gehalt aus und ist allein schon deshalb für einen gesunden Fettstoffwechsel interessant. Sein Gehalt an Mevinolin kann eine leichte Hemmung der HMG-CoA bewirken. Die cholesterinsenkende Wirkung wird aber auch durch die Beta-Glucane vermittelt, welche die Gallensäureausscheidung und die Aktivität der Cholesterin-7-α-Hydroxylase erhöhen. Zusätzlich können kurzkettige Fettsäuren, die durch die Verstoffwechselung der Pilzglucane im Mikrobiom entstehen, die De-novo-Synthese von Cholesterin verringern. Der hohe Gehalt an Phenolen im Pleurotus macht ihn zudem zu einem wertvollen Lieferanten von Antioxidantien. In diversen Humanstudien konnte gezeigt werden, dass regelmäßiger Konsum bzw. eine regelmäßige Einnahme von Pleurotus-Pilzpulver positive Effekte auf Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie auf die Lipidperoxidation hatte. Zusätzlich konnte bei hypertensiven Probanden der Blutdruck gesenkt werden [28], [29].
Günstige Vitalpilze bei PCO
Beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO) sind Fettstoffwechselstörungen mit hormonellen Dysbalancen vergesellschaftet und beeinflussen sich gegenseitig. Hier konnte bei PCO-Patientinnen gezeigt werden, dass der Vitalpilz Auricularia die Blutfette und somit auch die hormonelle Situation verbessern kann. Bei Frauen mit bislang unerfülltem Kinderwunsch hat sich insbesondere die Gabe des Maitake als empfehlenswert erwiesen, da er ebenfalls sehr vorteilhaft an der komplexen PCO-Problematik ansetzen kann und die Ovulation fördert [30].
Pilzliche und pflanzliche Ernährung: Fazit
Gesunde pflanzliche Ernährung zeigt den größten Effekt auf den Cholesterinspiegel. Zudem tritt bei dieser sog. „Whole Food, Plant-Based Diet“ nur selten Übergewicht oder Diabetes auf. Weiterhin ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen so gering wie bei kaum einer anderen Kostform. Zudem hat die pflanzliche Ernährung die geringsten Auswirkungen auf Klima und Umwelt – auch ein wichtiger Aspekt, der in der heutigen Zeit nicht ignoriert werden sollte. Pflanzliche Nahrungsmittel besitzen eine hohe Nähr- und Vitalstoffdichte sowie Ballaststoffe, die die Sättigung fördern und wertvollen „Zusatznutzen“ bieten. Grünes Blattgemüse etwa kann die Insulinsensitivität wieder erhöhen. Eine schwerpunktmäßig pflanz- und pilzliche Ernährung ermöglicht durch ihren hohen Gehalt an Ballaststoffen auch ein vielfältiges Mikrobiom, wie man es sonst nur noch bei Naturvölkern findet. Besonders profitieren Bakterien, die komplexe Kohlenhydrate zu SCFA umwandeln und damit Entzündungen reduzieren, Krankheiten – z. B. des Nervensystems – vorbeugen und den Fettstoffwechsel günstig beeinflussen. Bei rein pflanzlicher Ernährung siedeln sich zudem weniger proinflammatorische Keime im Darm an [31], [32], [33], [34]. Auch steigt der Anteil an Milchsäurebakterien, die wiederum einer nicht alkoholischen Fettleber entgegenwirken können [35].
In den USA wird daher bereits Ärztinnen und Ärzten angesichts der drastisch zunehmenden Fettleibigkeit in der Bevölkerung geraten, ihren Patientinnen und Patienten eine rein vegane Ernährung ans Herz zu legen: „Die Forschung zeigt, dass eine pflanzliche Ernährung eine kosteneffektive, risikoarme Intervention ist, die den Body-Mass-Index, den Blutdruck, den HbA1C-Wert und den Cholesterinspiegel senken kann. Sie kann auch die Anzahl der zur Behandlung chronischer Krankheiten benötigten Medikamente reduzieren und die Sterblichkeitsrate bei ischämischen Herzerkrankungen senken. Ärzte sollten in Erwägung ziehen, all ihren Patienten eine pflanzliche Ernährung zu empfehlen, insbesondere denjenigen mit Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Fettleibigkeit“ [36].
Autorin
Dr. Dorothee Bös
hat Biologie studiert und im Fachbereich Medizin promoviert. Sie war viele Jahre Leiterin der therapeutischen Abteilung einer komplementärmedizinischen Praxisklinik. Heute hält sie Vorträge und Schulungen zur Mykotherapie.
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