HeilpflanzenDer Heilpflanzengarten im Mannheimer Luisenpark

Der Heilpflanzengarten im Mannheimer Luisenpark bietet mit über 200 Pflanzenarten spannende Einblicke in die Naturapotheke – für Laien, Studierende und Fachleute.

Luisenpark Mannheim mit Blick auf die Gondolettas und den Fernmeldeturm.
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Der Luisenpark in Mannheim.

In Nordbaden gibt es mehrere kleine Arzneipflanzengärten, so im ehemaligen Kloster Lorsch, im Schlosspark Weinheim und im Luisenpark Mannheim. Die Universität Heidelberg besitzt zwar einen Studiengang Pharmazie und einen Botanischen Garten, jedoch leider keinen ausgewiesenen Arzneipflanzengarten. Unter den bestehenden Gärten der Region ist der Heilpflanzengarten im Mannheimer Luisenpark am informativsten und am besten konzipiert.

Der Mannheimer Luisenpark, der sich in zwei Areale (Unterer Luisenpark [öffentlich] und Oberer Luisenpark [kommerziell]) aufteilt, kann auf eine längere Geschichte zurückblicken. Geplant wurden die Parkanlagen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Zunächst entstand 1892 auf 10 ha der Untere Luisenpark, der nach der badischen Großherzogin Luise (Tochter des Kaisers Wilhelm I) benannt wurde. Die Anlage des Oberen Luisenparks mit weiteren 20 ha erfolgte ab 1897; ein beliebtes Palmenhaus wurde 1908 errichtet. Nachdem das Palmenhaus im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, erfolgte ein Neubau eines größeren Pflanzenschauhauses 1958. Wichtig für die weitere Gestaltung und Ausbau des Luisenparks waren die Bundesgartenschauen von 1969 und 2023. Ab 1975 wurde der Obere Luisenpark eingezäunt und als Stadtpark mit Eintrittsgebühr betrieben. Neben dem großen Pflanzenschauhaus wurden im Oberen Luisenpark ein Citrusgarten, ein Heilpflanzengarten, ein Schauweinberg, Aquarien und diverse Volieren und Freianlagen für Vögel und Schmetterlinge angelegt, in denen Pflanzen und Tiere erlebnisorientiert zu entdecken sind. Der Luisenpark ist ein lokaler Schwerpunkt für Weißstörche, die hier seit 1985 eine größere Population mit über 45 Brutpaaren aufbauen konnten; auch rund 25 Paare Graureiher haben sich hier angesiedelt sowie Halsbandsittiche und Nilgänse als Neozoen.

Botanisch ist der Luisenpark durch über 3000 Bäume in 130 Arten und 100 Straucharten interessant. Besucher können sich zudem an gut geplanten und farblich ansprechenden Blumenbeeten mit mehr als 300 000 Einzelpflanzen erfreuen. Im Pflanzenschauhaus werden diverse tropische und subtropische Pflanzen, wie Kaffee- und Gummibäume, Riesenbambus, Baumfarne, Orchideen, Kakteen und andere Sukkulenten kultiviert. Im 2001 eröffneten Citrusgarten kann man über 150 Arten und Sorten diverser Citrus-Arten (Apfelsinen, Zitronen, Mandarinen), im Farngarten über 150 Farnarten kennenlernen.

Der Heilpflanzengarten

Der Heilpflanzengarten wurde 2007 auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern errichtet. Die Planung lag bei der Grünen Schule Luisenpark; unterstützt wurde und wird der Garten vom Förderkreis Freunde des Luisenparks e.V. Im modernen Teil des kleinen Gartens sind die Beete strahlenförmig, im traditionellen Teil geometrisch angeordnet ([Abb. 1], [2]). Der Garten richtet sich vorwiegend an ein breites Publikum, bietet aber auch interessante Einblicke für Pharmazeuten und Mediziner. Ein kleiner Pavillon mit Schautafeln ([Abb. 2]) lädt zum Verweilen und Informieren ein. Die Schautafeln erläutern den Hintergrund der Heilpflanzenforschung von der Vergangenheit, der traditionellen Medizin bis zur modernen Phytotherapie sowie den Sekundärstoffen und ihrer evolutionären und ökologischen Bedeutung. Bei der Erstellung der Texte war der Verfasser federführend.

Die Arzneipflanzen sind thematisch nach den verschiedenen medizinischen Indikationen angepflanzt. Indikationen, die auf eigenen Schautafeln vorgestellt werden ([Abb. 3]), umfassen Erkrankungen des Nervensystems, Störungen von Herz und Kreislauf, Venen, Magen, Darm und Leber, Niere und ableitenden Harnwege. Weitere Arzneipflanzen werden bei Rheuma, Schmerz, Husten und Erkältung verwendet. Pflanzen der Chinesischen Medizin (TCM), Kinder- und Frauenheilkunde und Homöopathie werden kurz thematisiert. Natürlich wird auch auf Gift- (Fingerhut, Eisenhut) und Rauschpflanzen (Tollkirsche, Stechapfel) eingegangen. Ein so kleiner Garten kann natürlich nicht alle Arzneipflanzen demonstrieren und alle Aspekte der Arzneipflanzenkunde behandeln. Bei der Auswahl von immerhin 200 meist mehrjährigen Arten mussten Aspekte wie Kultivierbarkeit und Relevanz berücksichtigt werden. Nahezu alle „klassischen“ Pflanzen der Phytomedizin, insbesondere Arten mit ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Alkaloiden sind vertreten, aber auch Arten, die man in Arzneipflanzengärten eher weniger antrifft, wie Ginseng und Eleutherococcus ([Abb. 4]). Der Heilpflanzengarten ist gut gepflegt; die Namenschilder der Pflanzen sind korrekt und stehen auch bei den richtigen Pflanzen (was leider nicht bei allen kleineren Gärten der Fall ist).

Für den interessierten Laien, aber auch für Schulklassen und studentische Arzneipflanzenexkursionen bietet der Heilpflanzengarten spannende Erlebnisse und vermittelt einen Einstieg in die wichtige Thematik der Arzneipflanzen und der Phytomedizin. Die Grüne Schule Luisenpark bietet zudem regelmäßig Führungen zu den Heilpflanzen, aber auch zu den mannigfaltigen Insekten an, die im Luisenpark eine hohe Biodiversität aufweisen. Infos zu Veranstaltungen im Luisenpark und Führungen im Heilpflanzengarten.

Prof. Dr. Michael Wink
Seniorprofessor
Universität Heidelberg, Institut fürPharmazie und Molekulare Biotechnologie