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Der Pilz Psilocybe mexicana ist in der öffentlichen Wahrnehmung als „Magic Mushroom“ bzw. psychedelische Rauschdroge und weniger als Arzneidroge bekannt. Doch diese Betrachtungsweise könnte sich ändern, zumindest was den Hauptwirkstoff Psilocybin betrifft. Von einer langen Anwendungsgeschichte geprägt, beginnend mit der Verwendung des Pilzes durch indigene Priester Mittelamerikas in schamanischen Ritualen, soll der pharmakologisch aktive Inhaltsstoff Psilocybin nun Eingang in die Therapie psychiatrischer Erkrankungen finden.
Auf einen Blick
Psilocybe mexicana R. Heim ist ein Pilz mit langer ethnopharmakologischer Tradition, der als wirkungsbestimmende Inhaltsstoffe Psilocybin und Psilocin enthält. Die psychostimulierende, halluzinogene Wirkung wurde bisher vor allem in traditionellen Zeremonien der indigenen Bevölkerung Mittel- und Südamerikas genutzt. Die Eignung als Therapeutikum für verschiedene psychische Krankheiten, wie der Depression, soll in aktuellen klinischen Studien untersucht werden. Noch ist die Studienlage nicht ausreichend und sind zugrundeliegende Mechanismen nicht abschließend geklärt.
Etymologie
Psilocybe mexicana ist vom Griechischen abgeleitet und bedeutet „kahler Kopf“. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die makroskopische Beschreibung des Pilzes, der auch als Mexikanischer Kahlkopf bezeichnet wird. Der Pilz ist auch als Teonanacatl bekannt, abgeleitet vom aztekischen „teotl“ (Gott) und „nanacatl“ (Pilz). In Mexiko nennt man ihn bzw. die Droge „Fleisch der Götter“. Weitere volkstümliche Namen sind u. a. Mexikanischer Zauberpilz, „Nashwinmush“ (Mixe für Erdpilz/Weltenpilz) oder „Nize“ (Mazatekisch für Kleiner Vogel) [1].
Mykologie
Psilocybe mexicana R. Heim oder Mexikanischer Kahlkopf aus der Gattung Psilocybe (Familie: Strophariaceae) ist ein eher unscheinbarer Pilz, der in subtropischen bis tropischen Gebirgsregionen Mexikos und Guatemalas in Höhenlagen von 1200–1800 m vorkommt. Bevorzugt wächst er auf kalkreichen, feuchten Böden. Er erreicht Wuchshöhen von etwa 15 cm. Der glockenförmige, braun-orange Hut ist 3 cm im Durchmesser, glatt und klebrig; der getrocknete Pilz nimmt am Hut eine gelbe Farbe an. Reife Pilze zeichnen sich durch purpurbraune angewachsene, teilweise gebuchtete Lamellen mit fast weißen Lamellenscheiden aus. Der hohle Stiel ist bräunlich gefärbt, glatt und weist einen Durchmesser von etwa 3 mm auf sowie eine Höhe von ca. 12 cm. Charakteristisch für den Mexikanischen Kahlkopf ist die bläuliche Verfärbung von Fleisch, Hut und Stiel bei Verletzung [2].
Droge
Sowohl traditionelle schamanische Rituale als auch heutige „Psychonauten“ verwenden den Pilz frisch oder getrocknet zum Verzehr. Die Droge enthält ca. 0,25% Psilocybin und 0,15% Psilocin, in frischen Pilzen ist der Gehalt an Psilocin etwas höher. Genutzt werden die psilocybin-haltigen Fruchtkörper oder die Sklerotien, welche auch als „Trüffel“ verkauft werden [1] [2].
Anwendungsgeschichte
Die Verwendung des Mexikanischen Kahlkopfs erstreckt sich über ca. 3500 Jahre in die Vergangenheit, als der Pilz für rituelle Zeremonien zur Erweiterung des Bewusstseins genutzt wurde [3] ([Abb. 1]). Tlacuilolli, d. h. Bilderhandschriften der Azteken, zeugen von der präkolumbianischen Verwendung der Pilze. Darstellungen von Figuren mit den Pilzen in ihren Händen geben Anlass zu vermuten, dass die dort festgehaltenen Begebenheiten Pilz-Ritualhandlungen waren. Aber auch die Azteken nutzten den Pilz therapeutisch zur Behandlung von Fieber und Gicht, bis heute gibt es Hinweise auf eine traditionelle Verwendung bei Magen-Darm-Störungen, Migräne, Kopfschmerzen, Schwellungen, Knochenbrüchen und epileptischen Anfällen [1].

Verboten und verfolgt von der spanischen Inquisition überdauerte die Verwendung von Psilocybe mexicana bis heute dank des im Untergrund fortgeführten, zeremoniellen Gebrauchs durch die Ureinwohner Amerikas. So nutzen auch gegenwärtig indigene Bewohner Süd- und Mittelamerikas die Pilze in heiligen Zeremonien, um hellseherische Fähigkeiten zu erlangen [4].
In den 1950er-Jahren unternahm das US-amerikanische Ehepaar Gordon und Valentina Wasson zahlreiche Expeditionen nach Mexiko, unter anderem in die ursprünglich von Azteken besiedelten Gebiete. Ihre Aufzeichnungen zu den Pilz-Ritualen, denen sie als erste Wissenschaftler beiwohnten und später auch teilhaben durften, bildeten die Grundlage zum näheren Verständnis der halluzinatorischen Zustände und begründeten das Forschungsgebiet der Ethnomykologie. In dem Zeitschriftenartikel „I ate the sacred mushrooms“ beschreibt Valentina Wasson den Rauschzustand und die psychischen Nachwirkungen nach dem Verzehr des Mexikanischen Kahlkopfs. Diese Publikation induzierte eine ganze Reihe von Folgeuntersuchungen, auch unter medizinischen Gesichtspunkten [5].
Die wissenschaftliche Beschreibung und taxonomische Einordnung der mexikanischen Rauschpilze gelang nach Sammlung und Kultivierung einiger Arten, darunter auch Psilocybe mexicana, durch die Wassons und den französischen Mykologen Roger Heim, den vormaligen Direktor des Naturhistorischen Museums in Paris. Basierend auf der Zusammenarbeit mit beiden gelang Albert Hofmann, Chemiker bei der Firma Sandoz in Basel, 1959 die Isolierung der wirksamkeitsbestimmenden Substanzen Psilocybin und Psilocin, welche er später erstmalig vollsynthetisch herstellte. Schon 1959 erschien im Schweizer Archiv für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie ein Bericht über eine Studie mit Psilocybin. Den Probanden wurde Psilocybin in Dosen von 3–10 mg oral oder subkutan appliziert und die pharmakologischen Wirkungen dokumentiert. Dosisabhängig zeigten sich vor allem psychische, in höheren Dosen auch somatische Effekte in gleicher Weise, wie sie in heutigen klinischen Studien immer noch beschrieben werden. Trotz der aufgetretenen negativen Begleiteffekte, wie Albdruckgefühle und psychotische Episoden, verwiesen die Autoren schon damals auf eine mögliche medizinische Anwendung der antriebs- und stimmungssteigernden Wirkungen, allerdings ohne die störenden visuellen Phänomene, die gegebenenfalls durch chemische Modifikation des Wirkstoffs erreicht werden könnten [6] [7].
Aufgrund von Berichten über Missbrauchsfälle durch die Einnahme von Psilocybin wurde die weitere Forschung mit dieser Substanz und ähnlichen psychoaktiven Naturstoffen ab den 1960er-Jahren so streng reguliert, dass sie mehr oder weniger zum Erliegen kam. Erst in den letzten Jahren wurden erneut Studien gestartet, um das therapeutische Potenzial dieser Substanzen zu untersuchen.

Phytochemie
Pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe der Pilze sind vor allem Indolalkaloide ([Abb. 2]). Das Indolalkylamin Psilocybin (3-[2-(dimethylamino)ethyl]-1H-indol-4-yl-dihydrogenphosphat), dessen Gehalt etwa 1% beträgt, wird im Darm durch die alkalische Phosphatase zu Psilocin (3-[2-(dimethylamino)ethyl]-1H-indol-4-ol) umgesetzt, dem aktiven Metaboliten, der die nachfolgend beschriebenen neuropharmakologischen Effekte ausübt [8]. Weitere Indolalkaloide sind Baeocystin und Nor-Baeocystin sowie β-Carboline, u. a. Norharman und Perlolyrin [9] [10].
Pharmakologie
Als erster Wissenschaftler postulierte Albert Hofmann nach der von ihm vorgenommenen Isolierung, Synthese und Selbsttestung des Psilocybins die Theorie, dass die psychischen Effekte des Psilocybins und Psilocins weitgehend übereinstimmen. Er führte die Effekte auf eine strukturelle Verwandtschaft zu 5-Hydroxytryptamin (Serotonin) zurück und konnte damit die an isolierten Organen auftretende Serotoninhemmwirkung sowie die im menschlichen Organismus auftretende psychostimulierende bzw. Sympathikus-aktivierende Wirkung erklären. Die vergleichbaren Effekte beider Substanzen sind tatsächlich auf den Metabolismus des Psilocybins zum Psilocin zurückzuführen [11].
Die Droge zeigt als unerwünschte Wirkungen Verdauungsbeschwerden sowie eine Beeinflussung des Herz-Kreislauf-Systems. Zu den neuropharmakologischen Effekten gehören eine veränderte Wahrnehmung des Empfindens und äußerer Stimuli sowie Stimmungswechsel und Halluzinationen. Psilocin bindet mit hoher Affinität an die Serotoninrezeptoren-1D, -2A, -2B, -2C, -5, -6, und -7. Nennenswerte Affinitäten zeigten sich auch an Histamin-1 (H1), Alpha-2A, -2B (α2A, 2B) und Dopamin-3 (D3)-Rezeptoren sowie ein Hemmeffekt bezüglich des Serotonintransporters (SERT) [12]. Die Veränderungen des Verhaltens, der Wahrnehmung und des psychischen Zustandes von Konsumenten der Droge bzw. des Psilocybins werden hauptsächlich durch einen Agonismus am 5-HT-2A-Rezeptor ausgelöst, wie es die strukturelle Verwandtschaft zum Serotonin nahelegt. Eine vollständige Aufhebung dieser Effekte durch Prämedikation mit Ketanserin, einem Serotonin-2A-Rezeptor-Antagonisten, lieferte dafür den Beweis [13].
Neben bekannten 5-HT-2A-agonistischen Wirkungen, wie der Kontraktion der glatten Muskulatur von Verdauungstrakt und Bronchien sowie einer gesteigerten Ausschüttung von Oxytocin, Prolactin und Renin ist in diesem Zusammenhang auch die Steigerung der neuronalen Erregbarkeit und die Förderung des Lernverhaltens bedeutsam. Reich an 5-HT-2A-Rezeptoren sind vor allem die Raphe-Kerne sowie die Pyramidenzellen im Neocortex. In den Gebieten des Nucleus raphe dorsalis und des Nucleus centralis superior sind viele 5-HT-1A-Rezeptoren lokalisiert, an denen Psilocin als Partialagonist angreift. Die damit verbundenen Wirkungen bieten einen Erklärungsansatz für die Veränderung in der Kommunikation verschiedener Gehirnareale unter dem Einfluss von Psilocin [14], die eine veränderte Wahrnehmung unterschiedlicher sensorischer Reize mit Synästhesie induzieren [15]. Durch besonders hohe Psilocybin-Dosen tritt das Phänomen der Ich-Auflösung auf, welches auf eine Beeinflussung des Glutamatstoffwechsels zurückgeführt wird [16].
Der Psilocybin-Rauschzustand ist vergleichbar dem, der durch LSD oder Mescalin ausgelöst wird. Bei einer Dosis von 30–100 μg/kg Körpergewicht treten erste Wahrnehmungsveränderungen nach ca. 15 min ein und steigen in mehreren Phasen in ihrer Intensität, bis sie nach ca. 6 h abgeklungen sind [2] [17].
Toxizität
Die Toxizität des Psilocybins ist als gering einzustufen, die orale LD50 bei der Maus beträgt 280 mg/kg KG. Die gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmern verstärkt die Wirkung, da Psilocin wesentlich durch Monoaminoxidasen metabolisiert wird. Wird Psilocybin häufiger als einmal pro Woche appliziert, tritt Toleranz auf, die nur durch Gabe höherer Dosen überwunden werden kann [18].
Eine 2010 erschienene Studie vergleicht das gesundheitsgefährdende Potenzial von 19 verschiedenen illegalen Drogen. Der zur Beurteilung herangezogene „mean harm score“, der die von den Drogen ausgelösten körperlichen und sozialen Schäden sowie das Abhängigkeitspotenzial bewertet, wies für halluzinogene Pilze, einschließlich Psilocybe mexicana, den geringsten Durchschnittswert auf, gefolgt von Lysergsäurediethylamid (LSD) auf dem zweit-niedrigsten Platz [19].
Therapeutische Einsatzmöglichkeiten
Aktuelle Studien untersuchen die Anwendung des Psilocybins im Rahmen einer sogenannten psychedelischen Therapie bei therapieresistenten Depressionen und solchen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen sowie bei Suchterkrankungen. Wegen der besseren Dosierbarkeit und Steuerbarkeit der beabsichtigten Effekte werden keine Extraktpräparate eingesetzt, sondern die Reinsubstanz Psilocybin.
Wirkung auf therapieresistente Depressionen
In Studien mit therapieresistenten depressiven Patienten wurden nach einer Woche bis zu einem Monat nach Psilocybingabe verstärkt positive Stimuli wahrgenommen, während neutrale und negative Stimuli abgeschwächt beurteilt wurden [20]. Möglicherweise beeinflusst Psilocybin die neurale Plastizität und schwächt die negative Affektivität der Patienten ab [21]. Weitere Untersuchungen an Patienten mittels funktioneller MRT stützen die These, dass eine Psilocybin-Therapie die emotionale Reaktionsfähigkeit auf neuronaler und psychologischer Ebene wiederbelebt, was ein wichtiger Behandlungsmechanismus für die psychedelische Therapie sein könnte [22]. Damit würde die Psilocybin-Therapie einen Vorteil gegenüber klassischen Antidepressiva bieten, da sie negative Reize nicht abschwächt, sondern durch Veränderung der Gehirnplastizität eine langanhaltende Adaptation an negativ empfundene Situationen ermöglicht [21]. In einer weiteren Studie mit 26 Patienten waren die antidepressiven Wirkungen so effektiv, dass keiner der Patienten innerhalb der ersten 5 Wochen während der psychedelischen Therapie auf klassische Antidepressiva zurückgriff [23].
Antidepressive Wirkung bei Krebspatienten
In einer randomisierten Doppelblindstudie mit Psilocybin (Hoch- vs. placeboähnliche Niedrigdosierung [0,3–0,4 vs. 0,01–0,04 mg/kg KG]) wurden verschiedene psychische Effekte auf Krebspatienten über einen Zeitraum von 6 Monaten untersucht. Bezüglich depressiver Episoden zeigten in der Hochdosisgruppe 92% der Patienten 5 Wochen nach der ersten Applikation und 79% der Patienten 6 Monate nach der ersten Applikation eine signifikante Verbesserung. Positiv persistierende Verläufe zeigten auch die Parameter Lebensqualität, Todesakzeptanz und Angstzustände [24]. In einer Langzeitstudie erfüllten 60–80% der befragten 15 Patienten nach 4,5 Jahren alle Kriterien für einen anhaltenden antidepressiven und angstlösenden Effekt. Zwischen 71 und 100% der Probanden dieser Studie bewerteten die Psilocybin-Therapie als eine ihrer wichtigsten Lebenserfahrungen mit andauernden positiven Auswirkungen auf ihr Leben [25].
Suchttherapie
Weniger fortgeschritten ist die Studienlage bezüglich einer Anwendung von Psilocybin in der Suchttherapie. Vorliegende kleine Studien, welche die Psilocybin-Applikation mit Verhaltenstherapie kombinierten, lieferten aber erste positive Ergebnisse. Eine Studie, die sich mit der Entwöhnung abhängiger Zigarettenraucher beschäftigte, zeigte bei 75% der Probanden nach 2,5 Jahren eine anhaltende Nikotinabstinenz [26].
Sicherheit im Umgang mit Psilocybin
Während Kritiker der psychedelischen Therapie mit Psilocybin unerwünschte Erlebnisse, wie „Horrortrips“, dauerhafte Verschlimmerung mentaler Zustände oder sogenannte Flash-back-Symptome fürchten, ist bisher keine statistisch gesicherte Häufung solcher Ereignisse in klinischen Studien beobachtet worden. In einer Cross-over-Studie mit Applikation von sowohl niedriger (0,01–0,04 mg/kg KG) als auch hoher (0,3–0,4 mg/kg KG) Dosis Psilocybin konnten keine unerwünschten Langzeitwirkungen festgestellt werden. Die zu erwartenden vegetativen Kurzzeitwirkungen, wie Blutdruckerhöhung, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen waren maximal 2 Tage nach Applikation vollständig abgeklungen. Allerdings litten 26% der Hochdosis- und 15% der Niedrigdosis-Patienten während der Behandlung unter Angstzuständen [24]. Zur Minimierung des Risikos, eine latente Psychose zu aktivieren, unterziehen sich alle Patienten vor der psychedelischen Therapie einem psychologischen Screening und werden während und nach der Sitzung durch Psychiater therapeutisch begleitet [26].
Rechtslage
Seit Februar 1967 fallen Psilocybin und Psilocin unter betäubungsmittelrechtliche Vorschriften. Heute sind sie in Anlage I (§1 Abs.1) des BtMG als nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel aufgeführt. Forschungen mit diesen Substanzen sind unter Auflagen und Genehmigung durch das BfArM möglich.
Vergleichbar strenge Vorschriften gelten für die halluzinogenen Inhaltsstoffe von Psilocybe mexicana seit den 1960er-Jahren auch in den USA, Großbritannien und vielen weiteren Ländern. Eine Lockerung der gesetzlichen Vorschriften und Entkriminalisierung der Droge unter Verweis auf seine therapeutische Nutzung ist seit 2020 in einigen Städten der USA zu beobachten [27].
Fazit
Bedingt durch strikte gesetzliche Regelungen fand die Möglichkeit zum therapeutischen Einsatz von Wirkstoffen psychedelischer Drogen erst relativ spät Aufnahme in die aktuelle klinische Forschung. Ausgelöst durch eine unbefriedigende pharmakologische Ansprechbarkeit bestimmter psychiatrischer Erkrankungen und diverser Therapieresistenzen bei Anwendung moderner Psychopharmaka, erinnerte man sich der Berichte über die Nutzung psychedelischer Drogen, wie Psilocybe mexicana. Nun laufen weltweit zahlreiche Therapiestudien mit Psilocybin, viele schon in Phase-II, um das Potenzial dieses Pilzwirkstoffes auszuschöpfen. Die seit Jahrtausenden bekannten und genutzten Effekte müssen allerdings heute durch aussagekräftige Studien belegt werden, um praxisrelevant zu werden. Einen Beitrag dazu soll auch eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-II-Studie mit Psilocybin leisten, die 2021 am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und an der Charité Berlin gestartet wurde [28].
Autoren
Prof. Dr. Dr. h.c. Matthias F. Melzig
Antonia Kuhn
Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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