
von Clarissa Allmacher
Mit bis zu 2 m2 ist die Haut unser größtes und schwerstes Organ. Zusammen mit dem Unterhautfettgewebe kann sie bis zu 10 kg Gewicht erreichen. Ihre Funktionen sind vielfältig: Sie schützt den Körper vor UV- Strahlung, Verletzungen und Infektionen. Die Körpertemperatur wird durch das Schwitzen reguliert. Zudem kann sie Wasser und Fett speichern und Vitamin D bilden.
Die Haut besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Im Alter sinkt die Fähigkeit, das Wasser zu speichern, auf nur noch 40 Prozent.
Den Feuchtigkeitsgehalt bestimmen
Aus dem Körper verdunstet kontinuierlich Wasser über die Haut. Dieser transepidermale Wasserverlust (Transepidermal Water Loss, TEWL) ist ein natürlicher Vorgang, der durch den Feuchtigkeitsgradienten in der Haut ausgelöst wird und je nach Zustand und Feuchtigkeitsgehalt der Haut variiert. Der TEWL lässt sich mit einer einfachen, nichtinvasiven Methode messen. Das erfolgt mit einem Gerät, das sich Tewame- ter nennt. Normwerte liegen zwischen 6 und 8 g Flüssigkeit pro m2 Körperoberfläche und Stunde. Die Bestimmung des transepidermalen Wasserverlustes (TEWL) er- laubt eine Aussage über die Barrierefunktion der Haut.
Zusammenfassung
Die Haut speichert große Mengen an Wasser. Eine eigene Schutzbarriere, bestehend aus dem Fett aus den Talgdrüsen, den Ceramiden aus der Epidermis, dem dermalen Mikrobiom und einem Säureschutzmantel, bewahrt sie vor übermäßigem Feuchtigkeitsverlust. Aggressives Reinigen zerstört jedoch diese Schutzbarriere und kann zu Hautschäden führen. Durch gemäßigte Reinigung und die richtige Hautpflege lässt sich der Schutzmantel stärken und übermäßiger Feuchtigkeitsverlust vermeiden.
Gemessen wird hierbei, wie viel körpereigenes Wasser eine bestimmte Fläche der Haut in einem bestimmten Zeitraum abgibt. Je kleiner der TEWL-Wert ist, desto besser ist die Barriere- oder Schutzfunktion der Haut – und desto weniger Wasser geht verloren. Der Prozess des Feuchtigkeitsverlusts ist physiologisch, ähnlich dem des Schwitzens. Beim Schwitzen verlieren wir jedoch deutlich mehr Flüssigkeit (2-4 l/h), der physiologisch konstante Wasserverlust der Haut beläuft sich nur auf 300-400 ml/d [[1]].
Aufbau der Haut
Die Haut ist in 3 Schichten aufgebaut. Von außen nach innen sind dies:
- Epidermis (Oberhaut)
- Dermis oder Corium (Lederhaut)
- Subkutis (Unterhaut)
Die Schutzbarriere der Haut
Die Haut wird durch eine Barriere geschützt, die sie unter anderem vor dem Verlust von Feuchtigkeit, aber auch vor dem Einfall von Keimen schützt. Diese Hautschutzbarriere besteht aus mehreren Komponenten: dem Fett aus den Talgdrüsen, den Ceramiden aus der Epidermis selbst, dem dermalen Mikro- biom und dem Säureschutzmantel.
Talg
Unsere Talgdrüsen sondern das weißlichgelbe zähflüssige Hautfett (Sebum) ab. Sie sitzen an Haarfollikeln in der Lederhaut. Ihre Ausführungsgänge münden in den Porenkanal des Haars und gelangen von dort direkt auf die Hautoberfläche. Hauptkomponenten des Talgs sind Triglyceride, freie Fettsäuren, Wachse, Squalene und Cholesterin. Die Funktion des Sebums ist es, das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern, Feuchtigkeitsverlust zu minimieren sowie Haut und Haare geschmeidig zu halten [[2]].
Ceramide
Ceramide sind körpereigene Fette. Sie bilden den „Kitt“, der die Hautzellen zusammenhält. Zur Verdeutlichung hilft das Bild einer Mauer aus Ziegeln und Mörtel. Die Ziegelsteine (Hautzellen) werden durch den Mörtel (Ceramide) zusammengeklebt. Für unsere Haut bedeutet das eine gute Durchfeuchtung und wenig Wasserverlust.
In der Hornschicht (Stratum corneum), der obersten Schicht der Epidermis, bilden Ceramide den Hauptbestandteil. Unser menschliches Stratum corneum enthält mindestens 9 verschiedene Ceramidarten.
Mikrobiom
Das menschliche Mikrobiom bezeichnet die Summe aller Mikroorganismen auf dem Körper. Es ist wie der Fingerabdruck bei jedem Menschen ganz individuell. Die Zusammensetzung besteht aus Bakterien, Pilzen und Viren – in ihrer Gesamtheit auch Mikroben genannt. Übrigens: Der menschliche Körper ist von ca. 38 Billionen Bakterien besetzt. Das Mikrobiom bildet ein sehr wichtiges Schutzschild für die Haut.
Säureschutzmantel
Der Säureschutzmantel (Hydrolipidmantel) ist aus den Sekreten der Talg- und Schweißdrüsen aus der Lederhaut zusammengesetzt. Dieser Säureschutzmantel liegt wie ein hauchdünner, unsichtbarer Film auf der obersten Schicht der Epidermis. Der pH- Wert gibt an, wie sauer oder basisch etwas ist. Dabei stellt der Wert 0 ein sehr saures Verhältnis dar, während die Zahl 14 für einen extrem basischen beziehungsweise alkalischen Wert steht. Als pH-neutral gilt die goldene Mitte – also 7. Der pH-Wert der Haut ist normalerweise leicht sauer und liegt – je nach Hautschicht – zwischen 4,7 und 6,5.
Den Hautschutz stärken
Den eigenen Schutzmantel aufrechtzuerhalten und gut zu pflegen, ist relativ einfach: Der 1. Schritt der Pflege fängt mit der richtigen Reinigung an. Tatsächlich ist es am besten, so selten wie möglich zu duschen. Viele Menschen duschen sich täglich, zu heiß und mit aggressiven Duschgels. Dieses Verhalten wäscht die hauteigenen Lipide aus der Epidermis heraus. Die Hautbarriere bekommt Löcher, durch die das Wasser aus der Haut verdunstet – sie trocknet schrittweise aus. Dabei neigt die Haut mit zunehmendem Alter und im Winter ohnehin zu Trockenheit, Spannungsgefühl, Juckreiz und sichtbarer Schuppung [[3]] [[4]].
Die Reinigung der Haut
In der Nacht unter der warmen Bettdecke verflüssigt und verteilt sich der zähe Talg gleichmäßig über die Körperoberfläche. Diese Politur wird bei einer Dusche am Morgen zerstört, da ein Teil der als Platzhalter fungierenden Mikroorganismen sowie Lipide und andere für die Aufrechterhaltung der Hautbarriere nötige Substanzen aus der Haut ausgewaschen werden.
Auch zu heißes Wasser entfernt per se aus physikalischer Sicht die wertvollen Hautlipide. Besser ist es daher, am Abend zu duschen. Für eine gut durchfeuchtete Haut sollte der Wasserkontakt auf ein Minimum beschränkt werden. Synthetische Detergen- tien (Syndets) sind besser als alkalische Seifen. Denn diese zerstören unsere Schutzbarriere für mehrere Stunden. Die Achseln und die Genitalregion können mit einem Waschlappen täglich gereinigt werden [[5]].
Die Hautpflege
Ebenso wichtig ist eine tägliche Pflege der Haut. Die Auswahl an Pflegemitteln ist groß: Seren, Lotionen, Cremes und Salben. Allesamt sind Gemische aus Wasser, Öl und einem Emulgator, der eine Mischung beiderStoffe möglich macht. Denn naturgemäß können Fette und Wasser sich kaum oder nur sehr schwer miteinander vermischen.
Tipps für die Hautreinigung
- Selten, kurz und kühl duschen.
- Besser täglich mit dem Waschlappen die Achseln/Genitalregion reinigen.
- Starkes Reiben reizt die Haut, Waschlotionen oder -gele deshalb lieber sanft einmassieren.
- Ideal sind Syndets mit leicht saurem pH-Wert (pH 5).
- Gleiches gilt für das Abtrocknen: lieber sanft trocken tupfen, anstatt die Haut durch aggressives Trockenfrottieren zu irritieren.
Emulgatoren besitzen ein Ende, das Wasser anzieht, und einen Teil, der Fett anzieht. Im Ergebnis entsteht eine Emulsion, die je nach Anteil von Wasser und Öl unterschieden wird. Man spricht entweder von einer Wasser-in-Öl(W/O)- oder Öl-in-Wasser- (O/W)-Emulsion. Grundsätzliche Unterscheidungsmerkmale sind durch das Mischungsverhältnis von Wasser und Öl und damit durch die Konsistenz (fest, streichfähig, flüssig) gegeben [[6]] [[7]].
Seren
Hautpflegeseren enthalten oft hydrophile Inhaltsstoffe wie Vitamin C oder Hyaluronsäure. Diese entfalten ihre Wirkung am besten in der leichten und ölfreien Textur eines Serums. Auch Inhaltsstoffe, die besonders tief wirken sollen (bis zur Basalmembran der Epidermis), kommen durch ein Serum leichter ans Ziel. Es gibt aber auch ölhaltige Seren. Sie werden eingesetzt, um die Hautoberfläche schnell zu verbessern und um das Hautgefühl zu optimieren. Sie eignen sich vor allem bei trockener und beanspruchter Haut. Ein Serum stellt den 1. Schritt der Hautpflege dar, danach sollte eine Lotion oder Creme aufgetragen werden.
Lotionen
Mit der Bezeichnung Lotion werden kosmetische Mittel angeboten, die in der Regel einen hohen Wasseranteil enthalten und sich gut auftragen lassen. Für diese Produktgruppe wird häufig wegen der weißlich-flüssigen Konsistenz der Begriff „Milch“ verwendet. Sie gleiten besonders glatt über die Haut, sind dabei ergiebig und pflegen die Haut nachhaltig. Es handelt sich hier um eine Öl-in-Wasser-Emulsion. Der Wasseranteil bei Lotionen ist höher als bei Cremes oder Salben. Dadurch entsteht eine gute Streichfähigkeit, wodurch sich das Gemisch besonders für große Flächen eignet.

Parfumfreie Feuchtigkeitslotionen – zum Beispiel mit Urea und Ceramiden – pflegen die Haut langanhaltend. Aufgrund des geringen Ölanteils ziehen sie schnell ein und hinterlassen ein angenehmes Hautgefühl.
Cremes
Prinzipiell enthalten Cremes mehr Wasser als Öl und sind ein Klassiker in jedem Badezimmer. Sie sind reichhaltiger an Lipiden als Lotionen. Ihr Ziel ist es, die Haut mit reichlich Feuchtigkeit zu versorgen und hierbei leicht im Auftragen zu sein. Je nach Bedarf unterscheidet sich das Verhältnis von Öl und Wasser. Entsprechend wirken Cremes erfrischend, regulierend oder feuchtigkeitsspendend. Für verschiedene Hauttypen und Bedürfnisse werden Cremes mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen angereichert.
Salben
Salben sind Wasser-in-Öl-Emulsionen und besitzen einen hohen Fettanteil. Für besonders trockene Stellen am Körper sowie Hände und Füße sind sie eine gute Wahl („Schrundensalbe“). Da Salben schwer einziehen und einen spürbaren Fettfilm hinterlassen, können sie optimal vor dem Zubettgehen angewendet werden.
Die Lippen besitzen keine Talgdrüsen und sollten daher immer mitgepflegt werden. Und auch bei einem Winterspaziergang bei klirrender Kälte kann das Gesicht mit einer fetten Salbe geschützt werden.
Schutz vor UV-Strahlen
Lichtschutzfaktoren sind unumgänglich, um die Haut vor den negativen Auswirkungen der UV-Strahlen zu schützen. Ab dem Frühjahr sollte täglich ein Pflegemittel mit Lichtschutzfaktor (LSF) aufgetragen werden. Dieser bewahrt vor frühzeitiger Hautalterung und Sonnenbrand. Seine Hauptaufgabe ist jedoch, die Prophylaxe vor weißem Hautkrebs (nichtmelanotische Hauttumoren wie z. B. das Basalzellkarzinom). Mittlerweile ist der helle Hautkrebs der häufigste bösartige Tumor in Deutschland mit etwa 300000 Neuerkrankungen pro Jahr. Empfohlen wird ein LSF 50, den es mittlerweile in jeder Galenik zu kaufen gibt (Fluid/Lotion/Creme) [[8]].
Tipps für die Hautpflege
- Cremes mit Urea (Harnstoff) und Glycerin spenden Feuchtigkeit.
- Ceramide stabilisieren die Hautbarriere.
- Duftstoffe gilt es zu vermeiden.
- Die Bezeichnung des Pflegemittels gibt Aufschluss über den Lipidanteil (Viskosität). Er steigt an von Lotion zu Creme zu Salbe.
- Eine parfumfreie (Body-)Lotion eignet sich für jeden Hauttyp.
Hautpflege von innen
Du bist, was du isst – das gilt auch für die Haut. Es wird empfohlen, ausreichend zu trinken und mineralstoff- und vitaminreiche Kost fest in den täglichen Speiseplan einzubauen. Dazu gehören Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, aber auch Rapsöl, Walnüsse, Avocados und Lachs, die wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten.
Und nur 10 Minuten rasches Spazieren fördert die Durchblutung, und die Haut im Gesicht wirkt sofort rosig und frisch.
Autorin
Dr. med. Clarissa Allmacher
Fachärztin für Dermatologie und Allergologie
Schwerpunkte: Ernährungsmedizin, Akupunktur, spezielle Schmerztherapie, medikamentöse Tumortherapie und psychosomatische Grundversorgung.
Interessenkonflikt: Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt vorliegt.
[1] Kottner J, Lichterfeld A, Blume-Peytavi U. Transepidermal water loss in young and aged healthy humans: A systematic review and meta-analysis. Arch Dermatol Re 2013; 25: 315-323
[2] Sahle F, Gebre-Mariam T, Dobner B. et al Skin diseases associated with the depletion of stratum corneum lipids and stratum corneum lipid substitution therapy. Skin Pharmacol Physiol 2015; 28 (01) 42-55
[3] van Smeden J, Janssens M, Gooris GM. et al The important role of stratum corneum lipids for the cutaneous barrier function. Biochim Biophys Acta 2014; 1841 (03) 295-313
[4] Wartewig S, Neubert RHH. Properties of ceramides and their impact on the stratum corneum structure: A review. Part 1: Ceramides. Skin Pharmacol Physiol 2007; 20 (05) 220-229
[5] Verdier-Sévrain S, Bonté F. Skin hydration: A review on its molecular mechanisms. J Cosmet Dermatol 2007; 6: 75-82
[6] Gimenez-Arnau A. Xerosis means „dry skin“: Mechanisms. skin conditions. and its management. In Thyssen J, Maibach H. Hrsg. Filaggrin: Basic Science. Epidemiology. Clinical Aspects and Management. Berlin: Springer; 2014: 235-249
[7] Moore DJ, Rawlings AV. The chemistry. function and (patho)physiology of stratum corneum barrier ceramides. Int J Cosmet Sci 2017; 39 (04) 366-372
[8] Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland für 2015/2016 (2020). Im Internet: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/krebs_in_deutschland_2019.pdf; Stand: 30.03.2022



