
Leptin ist ein zentrales Hormon bei der Regulation von Hunger und Sättigung. Eine große internationale Studie hat nun erstmals umfassende Referenzwerte für Leptin über alle Altersgruppen und Gewichtsklassen hinweg erstellt.
Die Referenzwerte erlauben eine präzise Bewertung von Leptinspiegeln bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Normalgewicht, Übergewicht oder Adipositas. Die Referenzwerte für Leptin schaffen eine verlässliche Basis, um die Rolle von Leptin bei Adipositas zu untersuchen.
Mehr als 12.500 Menschen aus 16 europäischen Studien nahmen daran teil. Die Forschungsergebnisse und das daraus resultierende neue Online-Tool tragen zur Weiterentwicklung in der personalisierten Medizin bei, insbesondere zur Bewertung von Stoffwechselgesundheit und Adipositas.
Leptin und Adipositas
Leptin, auch bekannt als Sättigungshormon, wird im Fettgewebe gebildet. Es signalisiert dem Gehirn den Energiezustand des Körpers.
Ein hoher Leptinspiegel zeigt an, dass genügend Energiereserven vorhanden sind. Das führt in der Regel bei stoffwechselgesunden Menschen zu einer Verringerung des Hungergefühls. Bislang fehlten standardisierte Werte, um die Konzentration von Leptin im Blut zuverlässig nach Alter und Körpergewicht einzuordnen. In der klinischen Praxis wurden meist Normwerte verwendet, die nur auf Personen mit Normalgewicht basieren.
Diese diagnostische Lücke wurde nun geschlossen.
Die Forschenden führten dafür Daten von mehr als 12.500 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Alter von 0 bis 75 Jahren mit Normal-, Übergewicht und Adipositas zusammen. Auf dieser Grundlage wurden geschlechts-, alters-, pubertäts- und BMI-spezifische Referenzwerte für Leptin im Serum ermittelt.
Die Ergebnisse zeigen, wie sich Leptin-Konzentrationen im Laufe des Lebens verändern. Bei Kindern steigen die Werte zunächst an und sinken später wieder ab. Da Leptin die Fettmasse widerspiegelt, ist es wichtig, auch spezifische Referenzbereiche für Menschen mit Adipositas zu definieren. Mit diesen Werten können Expert*innen besser zwischen einer normalen Veränderung durch Körperfett oder krankhaften Störungen bei Betroffenen unterscheiden.
Damit ermöglichen diese neuen Referenzwerte eine klinische Bewertung des Leptinspiegels bei Menschen mit Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas – über die gesamte Lebensspanne hinweg.
Mit dieser Grundlage lassen sich nun offene Fragen klären, etwa welche Rolle Leptin bei Adipositas spielt und ob es Menschen mit relativem Leptinmangel oder einer Leptinresistenz gibt. Dies hätte therapeutische Konsequenzen.
Neues Online-Tool für die Praxis
Um das neue Wissen anwendbar zu machen und in die medizinische Versorgung zu übertragen, hat das Forschungsteam einen kostenfreien Online-Rechner und eine spezialisierte Software entwickelt. Das Tool ermöglicht Berechnungen individueller Leptin-Scores basierend auf Alter, Geschlecht, Pubertätsstatus und Körpergewicht.
Dieser Service steht unter https://leptin.science zur Verfügung und erleichtert sowohl Forschung als auch klinischen Alltag.
Die neuen Referenzwerte helfen Ärzt:innen künftig, auffällige Leptin-Werte besser einzuordnen. „Das ermöglicht eine frühere Diagnose und gezieltere Behandlung von Stoffwechselstörungen. Damit sind die Ergebnisse nicht nur ein wissenschaftlicher Meilenstein, sondern auch ein konkreter Fortschritt für die personalisierte Medizin“, sagt Dr. Mandy Vogel von der Uni Leipzig.
Quellen: Universität Leipzig/Universitätsklinikum Ulm


