
In der COVID-19 Contact (CoCo)-Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde der Biontech-Impfstoff für die Auffrischungsimpfung gegen die aktuelle Corona-Variante XBB1.5 untersucht. Das Ergebnis: Nach der Impfung mit dem neuen Booster waren die Antikörper gegen Omikron-Varianten deutlich angestiegen.
Kursierende Omikron-Varianten hoch ansteckend
Vor allem die aktuellen Omikron-Varianten sind hoch ansteckend. Die neuen Auffrischungsimpfstoffe von Biontech und Moderna sind speziell an die Omikron-Sublinie XBB.1.5 angepasst. Bislang fehlte der Nachweis für die Wirksamkeit der neuen Booster.
Im Rahmen der COVID-19 Contact (CoCo)-Studie wurden 53 MHH-Beschäftigte untersucht, die den angepassten Biontech-Impfstoff (BNT162b2) erhalten hatten. Anschließend wurde deren Immunreaktion gemessen. Das Ergebnis:
Der an die Omikron-Variante XBB.1.5 angepasste Impfstoff erhöht sehr wahrscheinlich den Schutz vor COVID-19 in den aktuell zirkulierenden XBB-Varianten und der aufkommenden BA.2.86-Variante.
Immunabwehr gestärkt
Es sei eine große Menge neutralisierender Antikörper gegen Omikron XBB.1.5 sowie gegen weitere Unter-Varianten gefunden worden, berichtet Prof. Alexandra Dopfer-Jablonka, die gemeinsam mit Prof. Georg Behrens die Immunstudie leitet.
Das bedeutet, der Impfstoff ruft die Immunabwehr nicht nur gegen die aktuell dominierende Corona-Variante XBB.1.5 auf den Plan, sondern aktiviert die körpereigene Abwehr auch gegen die sich gerade ausbreitende Varianten „Pirola“ (BA2.86) und „Eris“ (EG1.5).
„Die B-Zellen, die Antikörper gegen Omikron produzieren, wurden signifikant mehr und auch die T-Zellen wurden durch die Impfung gestärkt“, erklärt die Rheumatologin. „Die Daten zeigen, dass die neue Booster-Impfung ihr Ziel erreicht und darüber hinaus auch Antikörper gegen neue SARS-CoV-2 Varianten induziert.“
Der neue Booster ist ein mRNA-Impfstoff. Das Prinzip: Die mRNA enthält die genetische Information für den Bauplan des Spikeproteins, das auf der Oberfläche des Coronavirus sitzt und mit dessen Hilfe das Virus in die Zellen gelangt. In den Körperzellen wird diese genetische Information abgelesen und das Spikeprotein produziert. Das Immunsystem erkennt das Protein als körperfremd, löst eine Abwehrreaktion aus und entwickelt einen Immunschutz. Anders als die bivalenten Impfstoffe der letzten Saison, enthalten die neuen Vakzine ausschließlich mRNA der Omikron-Variante.
„Die neuen Booster aktivieren dennoch eine Verteidigung nach hinten und eine nach vorn“, so Dopfer-Jablonka. Zwar wurde in der Studie nur der Impfstoff von Biontech untersucht. „Da das Moderna-Vakzin jedoch ebenfalls auf XBB.1.5 angepasst ist, erwarten wir hier eine entsprechende Wirksamkeit.“ Das gleiche gelte für den Auffrischungsimpfstoff des Herstellers Novavax, der ebenfalls auf XBB.1.5 angepasst und von der Europäischen Kommission zugelassen wurde.
CoCo-Studie der MHH
Die CoCo-Studie startete im März 2020. Mithilfe von Blutproben werden Immunreaktionen gegen SARS-CoV2 bei Beschäftigten der MHH und angegliederten Einrichtungen untersucht. „Auch können unsere Daten wesentlich dazu beitragen, die Langzeit- Immunantwort gegen SARS-CoV-2 besser zu verstehen und den Impferfolg zu beurteilen“, sagt der Mediziner.
Stiko-Empfehlungen: Wer sollte sich impfen lassen?
Eine Auffrischungsimpfung mit dem neuen, angepassten Impfstoff ist laut Ständiger Impfkommission (Stiko) für alle empfehlenswert
- die 60 Jahre oder älter sind,
- wegen einer Grunderkrankung ein besonderes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben,
- für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen,
- für Beschäftigte im Pflege- und Gesundheitsbereich.
Die Auffrischungsimpfung sollte jährlich wiederholt werden, vorzugsweise im Herbst.
Quelle: Medizinische Hochschule Hannover
Literatur
Stankov MV et al. Humoral and cellular immune responses following BNT162b2 XBB.1.5 vaccination. The Lancet Infectious Diseases 2023; https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(23)00690-4/fulltext


